Im Internet den Flüchtlingen helfen

Berliner Studenten haben die „Kiron“-Universität gegründet für ein Online-Studium ohne Zugangsbedingungen. Von Alexander Riebel

Markus Kreßler, Psychologiestudent in Berlin, gründete mit seinem Studienfreund Vincent Zimmer die „Kiron University“ – eine Online-Uni für Flüchtlinge. Foto: KNA
Markus Kreßler, Psychologiestudent in Berlin, gründete mit seinem Studienfreund Vincent Zimmer die „Kiron University“ – ... Foto: KNA

Die Integration der Flüchtlinge ist eine ungeheure Aufgabe. Schließlich sind viele hochgebildet und wollen auch studieren. Da ist das Internet eine Hilfe. Um das leidige Umziehen, Wohnungssuchen, Warten auf Plätze an der Universität zu vermeiden, haben Markus Kreßler und Vincent Zimmer kurzerhand versucht, Abhilfe zu schaffen. Sie haben eine Online-Universität gegründet, speziell für Flüchtlinge. Die brauchen nun nur noch einen Computer oder ein Laptop.

Der 25 Jahre alte Kreßler ist Psychologiestudent an zwei Universitäten und hat sein Projekt mit 50 Mitarbeitern gestartet. Alles soll per Internet passieren, die Anmeldung wie auch das Studieren selber. „Kiron“ heißt die Universität, nach dem Kentaur „Chriron“, der in der griechischen Mythologie für Weisheit und Gerechtigkeit stand. „Wir haben überlegt, welche Hürden es für Flüchtlinge an den Unis gibt und diese in Frage gestellt“, erzählte Kreßler gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur KNA. Das Besondere ist, dass die Flüchtlinge ohne Nachweise studieren dürfen, und ohne Aufenthaltsgenehmigung, die sie oft erst nach einiger Zeit bekommen. Kreßler und seine Freunde wollen das Bildungssystem ein wenig amerikanischer machen: Erst anfangen, dann liefern, ist das Grundprinzip. Natürlich müssen die Genehmigungen nachgereicht werden, ab dem dritten Semester werden sie verlangt. Sonst geht es mit dem Studium wie an Fernuniversitäten. Auch Deutschtests müssen abgelegt werden, aber „Hauptsache erst mal anfangen“, meint Kreßler.

Aber wie an die von den Universitäten sorgsam gehüteten Datenbanken kommen? Bisher haben einige Universitäten ihre Datenbanken kostenlos zur Verfügung gestellt. Das wird aber wohl nicht auf Dauer so bleiben. Daher hat die Gruppe, bei der man sich seit Sonntag immatrikulieren kann, am selben Tag auch ein Crowdfunding-System gestartet. Die Lernsprache ist Englisch und es ist erstaunlich, wer sich alles als Partneruniversität beteiligt. Harvard-Professoren erstellen die Studiengänge, und 15 Partneruniversitäten sind bereits im Boot. So die Leuphana Universität Lüneburg, die Hochschule Heilbronn, die University of die People in den Vereinigten Staaten oder Universität von Westafrika.

Das ganze Projekt soll für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation sein. Die Universitäten verpflichten sich, später auch einen Teil der Studenten zu übernehmen, und die Studenten verpflichten sich, alle Zugangsvoraussetzungen nachzuholen, manchmal auch das Abitur. Man hofft, wenn sich das System eingespielt hat, wird auch genug Geld für eigene Server und Datenbanken zur Verfügung stehen. Zwar hat nicht jeder Flüchtling ein videofähiges Gerät, aber Kreßler weiß da einen Ausweg. Er kann Tablet-Geräte stellen, die er günstig für seine Universität über Rabattangebote und Leasing bekommt. Und wenn die UNO sagt, „Was machen denn diese Studenten für einen dilettantischen Quatsch, lass denen das mal aus der Hand nehmen!“, dann, so meinte Kreßler gegenüber der Onlineseite „Motherboard“, könnten die das ruhig machen.