Hans-Ulrich Kopp: Nicht nur Blätter, sondern Früchte

Papst Benedikt XVI. motivierte die Konversion von Hans-Ulrich Kopp, Gründer des Lepanto-Verlags. Seit zwölf Jahren erscheinen dort theologische und philosophische Bücher – auch aus der Feder Benedikts. Von Josef Bordat

Hans-Ulrich Kopp
Hans-Ulrich Kopp, Gründer des katholischen Lepanto-Verlags. Foto: Schoenewald
Hans-Ulrich Kopp
Hans-Ulrich Kopp, Gründer des katholischen Lepanto-Verlags. Foto: Schoenewald

Am Anfang stand die Konversion zur römisch-katholischen Kirche. Hans-Ulrich Kopp blickt zurück: „Ich bin zwar lutherisch getauft und habe mich immer für Metaphysik und religiöse Fragen interessiert, war aber mehr oder minder gottfern. Mein Übertritt, der nicht durch ein Erweckungserlebnis, sondern nach langer Lektüre, unter anderem von Dávila und Newman erfolgte und durch das Pontifikat Benedikts XVI. sehr motiviert wurde, stellt eine entscheidende Wende in meinem Leben dar.“ Das war 2006, im Jahr des Bayern-Besuchs von Papst Benedikt. Vorher habe er in partikularistischer Auffassung „die Welt verändern“ wollen, so Kopp, seither versuche er, „Gottes Geist in der Welt zu erkennen, also das Ganze in's Auge zu fassen“.

Das macht einen guten Katholiken, aber noch lange keinen Verleger. Zur Gründung des Lepanto-Verlag gab dann ein besonderer Umstand den Anstoß: sein Name. Immer wieder sei er für den Inhaber des Kopp-Verlags gehalten worden, mit dem er aber gar nichts zu tun habe. „Da dachte ich: Wenn mich schon jeder für einen Verleger hält, kann ich es auch werden.“ Gesagt, getan: 2007 wird der Lepanto-Verlag gegründet. „Dass es auch einen DBK-Pressesprecher gleichen Namens gibt, mit dem ich ebenfalls schon verwechselt worden bin, weiß ich erst seit kurzem, da mich mit dem bundesdeutschen Gremienkatholizismus wenig verbindet“, so Hans-Ulrich Kopp.

Ziel der Gründung sei es gewesen, „Bücher aus gutem Geist zu verlegen“. Daher auch das Signet „Inter folia semper fructus“: Der Lepanto-Verlag will nicht bloß die Blätter vermehren, sondern die Früchte gewinnen. „Katholizität (den Begriff verwende ich lieber als den -ismus, der nach einer Ideologie klingt) empfinden wir als Reichtum und möchten davon etwas weitergeben – ganz im Sinne des biblischen Gleichnisses von den anvertrauten Talenten, die nicht gehortet, sondern für andere gemehrt werden sollen“, erklärt Kopp. Finanzielle Interessen gibt es hingegen nicht: „Da wir den Verlag nebenberuflich betreiben, müssen wir zum Glück nicht davon leben (sonst wären wir die sprichwörtlichen Kirchenmäuse), sondern können alle Einnahmen reinvestieren und quasi gemeinnützig wirken.“

Dass Lepanto mit einem Buch zum Gottesbeweis von Professor Seifert, den „Wegen der Vernunft zu Gott“, begonnen habe – „in der heutigen Zeit jedenfalls ein gewagtes Unterfangen“ – zeige, so Kopp, „was im Mittelpunkt steht“. Wichtig ist dem Verleger, dass Lepanto nicht „Verlag für katholische Theologie und Philosophie“, sondern „Katholischer Verlag für Theologie und Philosophie“ heißt. Das bedeutet: „Nicht jeder Autor muss zum Glauben gefunden haben; wichtig ist, dass er umsichtig argumentiert und uns zum Denken anregt. Katholisch und – ich hoffe, dass man den Begriff noch ohne Ironie gebrauchen kann – abendländisch ist also unser Fundament.“

Die Entwicklung des Verlags verlief nicht immer konstant. In Bonn beginnend – wo Kopp in einer „klosterzellengleichen Kammer“ ein Büro unterhielt und das Bücherlager vom Rheinhochwasser überflutet wurde –, hat der Verlag schließlich einen festen Sitz im fränkischen Rückersdorf üb. Nürnberg gefunden. „Mit zwei freien Mitarbeitern ist unser Aktionsradius natürlich überschaubar, und es ist knifflig, in die Regale der Buchhandlungen zu kommen. Da häufiger bei Großhändlern als direkt beim Verlag bestellt wird, fällt es auch nicht leicht, einen festen Kundenkreis aufzubauen. Aber an den eingereichten Manuskripten sehen wir, dass es doch gelungen zu sein scheint, die passende bildungsbürgerliche Nische zu finden“, resümiert Hans-Ulrich Kopp.

Die Erfahrungen mit interessanten Autoren seien positiv gewesen, zahlreiche wertvolle Bücher entstanden in den vergangenen zwölf Jahren – mit einem „Glanzlicht“: „Dass wir Papst Benedikts Band ,Kirchenlehrer der Neuzeit‘ in deutscher Ausgabe verlegen und ihm persönlich im Apostolischen Palast übergeben durften. Als kleiner katholischer Verleger dann auch ,sein Buch‘ in der legendären ,Studien-Bibliothek Joseph Ratzinger‘ der römischen Görres-Gesellschaft wiederzufinden, macht bei aller Bescheidenheit ein bisschen stolz.“ Von unangenehmen Erfahrungen weiß Kopp aber auch zu berichten: „Einige bekritteln uns, weil wir – zum Beispiel wegen der Autoren mit lebensschützerischen Anliegen – einseitig seien, als ob irgendjemand allseitig sein könnte.“

Und die Zukunft? In den nächsten Jahren will der Lepanto-Verlag die Sparte „Kultur“ – bisher vertreten durch eine sprachkritische Arbeit des Wiener Germanisten Christoph Fackelmann – deutlich ausbauen. „In Vorbereitung ist ein Almanach, in dem wir vorrangig Texte zur christlich-konservativen (auch orthodoxen) Literatur publizieren – in einem farbigen Reigen, dem Donoso Cortes und Hermann Claudius, Fedor Stepun oder Reinhold Schneider zugehören, um nur vier Namen zu nennen. Ferner ist ein Band über den Schwabinger Kunstmaler Hermann Frobenius vorgesehen.“ Es wird sicher noch viel zu hören sein, vom Lepanto-Verlag und seinem Gründer, Herrn Kopp – Hans-Ulrich.

Der Lepanto-Verlag im Internet: lepanto-verlag.de