Frankreich feiert den Sonnenkönig

Zum 300. Todestag von Ludwig XIV. die Ausstellung in Paris „Der König ist tot“. Von Sabine Glaubitz

„Sire, es ist Zeit“: Mit diesen Worten weckte der erste Kammerdiener Ludwig XIV. jeden Morgen zwischen 7.30 und 8.00 Uhr auf. Nur nicht am 1. September 1715. Denn da war Frankreichs König bereits tot. Der Monarch starb vier Tage vor seinem 77. Geburtstag um 8.15 Uhr in seinem Schlafgemach im Schloss von Versailles. 300 Jahre nach dem Tod des absolutistischen Herrschers laufen in dem von ihm errichteten Barock-Palast die Feierlichkeiten auf Hochtouren – in einer Prachtentfaltung wie zu seinen Lebzeiten.

„Der König ist tot“, heißt die große Ausstellung, die ihm das Schloss vor den Toren von Paris ab 26. Oktober widmet. Sie ist die erste Werkschau zu diesem Thema, wie Gérard Sabatier, einer der Kuratoren meinte. Erstaunlicherweise sei nur wenig über den Tod, die Autopsie und die Beerdigung des Monarchen bekannt. Bis zum 21. Februar werden Objekte, Zeichnungen, Lithographien, Gemälde und Skulpturen gezeigt – Meisterwerke und historische Dokumente von höchster Bedeutung, wie angekündigt wird.

Ludwig XIV., der auch als Sonnenkönig in die Geschichte eingegangen ist, starb durch Wundbrand, an dem er seit Wochen schon litt. Als der Monarch am 10. August 1715 über Schmerzen am linken Bein klagte, diagnostizierte sein Arzt zunächst Ischias. Tage später jedoch begann sein Bein zu faulen. Der angebliche Hexenschuss erwies sie als Infektionskrankheit, bei der das Gewebe langsam abstirbt. Der bourbonische Königssohn war von 1643 bis 1715 Herrscher von Frankreich und Navarra. Mit 72 Jahren auf dem Thron gilt er als das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Neuzeit.

Als der Sonnenkönig 1715 starb, hinterließ er durch seine Ruhm- und Verschwendungssucht ein Land vor dem Staatsbankrott. Heute zählen seine Bauten zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Denn neben mehreren Schlössern im Raum Paris hat er den Invalidendom erbauen lassen, die berühmte Prachtstraße Champs-Élysées, den Platz Vendôme, wo heute das Hotel Ritz und Juweliergeschäfte ihre Adresse haben, und den Place des Victoires, der unter anderem an die Siege über Spanien und Brandenburg erinnert.