Frankreich: Ungebrochene Anziehungskraft

Die französische Lebenskunst, das viel beschworene und schön klingende savoir vivre, übt auf uns Deutsche eine ungebrochene Anziehungskraft aus – wie erklärt sich diese Frankophilie?

Frankreichliebe der Deutschen
Allein schon die französische Sprache: Sie klingt wie impressionistische Malerei, wie ein Gesang aus elysischen Gefilden. Foto: Markus Schreiber (AP)

Frankophil zu sein, das heißt zunächst einmal, Frankreich und die Franzosen gern, ja sehr gern zu haben. Die französische Lebenskunst, das viel beschworene und schön klingende savoir vivre, übt auf uns Deutsche eine ungebrochene Anziehungskraft aus – und das, obwohl das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich seit Napoleon durchaus problematisch ist. Dem Lebensgefühl vieler junger Deutscher tat und tut das bis heute keinen Abbruch: Selfies vor den blühenden Lavendelfeldern der Hochprovence sind auf Instagram genauso beliebt wie Spotify-Playlists mit frechen französischen Chansons, die heute liebevoll LePop genannt werden.

Selfies vor den Lavendelfeldern der Provence sind genauso beliebt wie Spotify-Playlists mit französischen Chansons

Allein schon die französische Sprache: Sie klingt wie impressionistische Malerei, wie ein Gesang aus elysischen Gefilden. Wenn es meist auch die Ehefrauen sind, die im Urlaub am Péage-Schalter oder an der Hotel-Rezeption zum Einsatz kommen und mutig ihr Schulfranzösisch auspacken, so kann kein Zweifel daran bestehen, dass auch ihre Ehemänner, auch wenn sie absolut gar nichts von diesem flirrenden Sprachgeklitzer verstehen, sich sofort im Urlaub fühlen, wenn sie bei Mulhouse, wo die letzten Bunker der Maginot-Linie links und rechts der Autobahn aus dem Gestrüpp hervorschauen, die Grenze ins Nachbarland überschreiten.

Die Last der Vergangenheit wird seit Langem von frankophilen Stoßtrupps bekämpft

Diese Last der Vergangenheit wurde gleich nach dem Krieg von frankophilen Stoßtrupps wirkungsvoll bekämpft. Damals waren es Städtepartnerschaften zwischen, beispielsweise, Chateau-Garnier und Amöneburg oder zwischen Berric und Münster-Sarmsheim, die eine feingliedrige frankophile Infrastruktur legten, vor der es bald kein Entrinnen mehr gab. Tennisclubs, Jugendgruppen und Musikkapellen pendelten unentwegt hin und her über den Rhein und arbeiteten an der Basis für eine Völkerverständigung, die zwei Weltkriege in Schutt und Asche gelegt hatten.

Die Deutschen lieben und verehren Frankreich – und das ist gut so. Warum, erfahren Sie im Essay von Alexander Pschera in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 30. August. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.