Paris

Frankreich: Mila und das Schweigen der Feministinnen

Eine 16-Jährige wird nach islamkritischen Äußerungen massiv bedroht, geht nicht mehr zur Schule und muss untertauchen. Von Feministinnen erhält sie allerdings keine Unterstützung.

Frankreich: Debatte über Islam
In den französischen Medien empören sich die einen über die islamkritischen Aussagen der 16-jährigen Mila, die anderen beschwören die Laizität des französischen Staates und verurteilen die Drohungen seitens der muslimischen Community. Foto: Boris Roessler (dpa)

Nach Vergewaltigungs- und Todesdrohungen geht eine französische Schülerin seit einigen Wochen nicht mehr zur Schule und lebt, irgendwo untergetaucht, unter Polizeischutz. Ihr Vergehen: Sie hat den Islam beleidigt. Angefangen hatte alles auf ihrem Instagram-Konto, auf dem Mila Oriol über Musik und Make-up schreibt. Ein junger Mann wird grob und beschimpft ihre (französische) Nationalität und ihre Sexualität (sie hält sich für lesbisch). Schließlich wird sie wütend und beschimpft ihrerseits. In einem Video stellt sie fest: „Ich verabscheue die Religion. Der Islam ist eine Religion des Hasses. Eure Religion ist Scheiße!“ Das Video wird auf verschiedenen sozialen Netzwerken massenhaft geteilt. Die Folge: ein Sturm der Entrüstung und der Einschüchterung geht auf Mila nieder.

"Wer Wind sät, wird Sturm ernten"

Der Generaldelegierte des französischen Islamrates CFCM, Abdallah Zekri verteidigt die Drohungen: „Sie hat es so gewollt. Wer Wind sät, wird Sturm ernten“. Ein Oberstaatsanwalt erhebt sogar Anklage gegen Mila wegen „Aufruf zum religiösen Hass“, die jedoch wieder eingestellt wird.
In den französischen Medien finden sich tagtäglich neue Kommentare – die einen empören sich über die zugegebenermaßen derben islamkritischen Aussagen der 16-jährigen Mila, die anderen beschwören die Laizität des französischen Staates und verurteilen die Drohungen seitens der muslimischen Community.

Im Figaro hat Eric Zemmour die Feministinnen im Visier und beklagt deren Feigheit angesichts muslimischer Angriffe auf ein junges Mädchen, das der Journalist als „eine Jugendliche ihrer Zeit“ beschreibt. Ihr sprachlicher Ausdruck sei zwar „näher dran an den Rülpsern eines Rappers als an der Prosa von Chateaubriand. Doch zu ihrem Unglück hat sie nicht Frankreich, die Polizei oder den Katholizismus beleidigt, sondern den Islam“. Daraufhin gingen die Meinungen im Land auseinander: „Diejenigen, die lediglich die groben Schimpfwörter des jungen Mädchens behalten haben, vergessen dabei, dass diese die Antwort auf eine grobe und beleidigende Belästigung durch junge Maghrebiner waren und dass sie Todesdrohungen und die Flucht der jungen Mila aus ihrem Gymnasium zur Folge hatten“. Vor allem „linke Frauen und Feministinnen wie Ségolène Royal“ äußerten sich in diesem Sinne „und erklärten, dass die Würde der Muslime gekränkt wurde und dass man diese respektieren müsste“. All die anderen, so Zemmour weiter, „die Fachfrauen des Medienfeminismus“, all die, die Frauen ansonsten als „ewige Opfer“ betrachten und insbesondere die Frauen aus der LGBT- Community – „all die Verächterinnen patriarchaler Gewalt glänzten durch ihr Schweigen“.

Nachsicht für das exotische arabisch-muslimische Patriarchat?

Im Gegensatz dazu habe etwa die militante Feministin Caroline de Haas angesichts der Aggressionen von Asylanten in Köln in der Silvesternacht 2015 diejenigen als „‘Scheiß-Rassisten‘ bezeichnet, die es wagten, eine Verbindung zwischen dem Verhalten dieser Männer und ihrer Herkunft herzustellen. Dieselbe Frau erklärte, dass man im Pariser Viertel Porte de la Chapelle ‚die Bürgersteige verbreitern‘ müsste, um die von eben jenen Maghrebinern und Afrikanern beleidigten und belästigten Frauen zu schützen“.

Für unsere Feministinnen der neuen Generation sei, so Zemmour weiter, „das geschmähte Patriarchat nur das des weißen westlichen Mannes christlicher Kultur. Demgegenüber empfinden sie die größte Nachsicht für das exotische arabisch-muslimische Patriarchat, das mit Bevölkerungsgruppen assoziiert wird, die in den Augen unserer neuen Damen der Barmherzigkeit ewige proletarische Opfer sind. Geschieht das aus Angst? Aus Faszination? Aus Anziehung? Man weiß es nicht“.

DT/ks

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