Fernsehkritik

Rund sieben Millionen Deutsche sollen sich auf Dating-Portalen im Internet tummeln. Doch die Suche nach dem Traumpartner wird oft zum endlos frustrierenden Dating-Marathon. Statt der erhofften Liebe flüchten viele in Affären. Mit fatalen Konsequenzen, wie die am Dienstag um 22.15 Uhr ausgestrahlte ZDF-Dokumentation „Suche Traumfrau“ aus der Reihe „37 Grad“ deutlich macht. Filmmacherin Iris Bettray porträtiert drei Männer, die neben dem beruflichen Glück endlich auch privat Erfüllung finden wollen. Martin ist 53 und Diplom-Vertriebswirt. Mit 30 hat er aufgehört, seine Dates zu zählen. Jetzt schummelt er auf den Portalen beim Alter. Die Familie, der große Rückhalt für den smarten und selbstbewusst auftretenden 53-Jährigen, hält ihn mittlerweile für bindungsunfähig. Der Laserphysiker Ralf ist überzeugt „Geist macht sexy“. Systematisch geht der 49-Jährige bei seiner Suche vor und sortiert von vorneherein unflexible, nicht passende Kandidatinnen aus, beispielsweise Ärztinnen und Juristin. Ansonsten sei er „offen für alles“. Seit 10 Jahren sucht er bereits. Mit einem vielversprechenden Date will er gleich nach London reisen. Doch der Traum zerplatzt wie eine Seifenblase. Der Immobilienunternehmer Markus wurde von seiner großen Liebe, mit der er sieben Jahre zusammen war, betrogen. Kondome hat er immer dabei. Schließlich könne man nie wissen, ob das Date eine Affäre sei oder mehr. Von den drei Männern lernt er als einziger eine vielversprechende Kandidatin kennen – und geht dann doch auf Distanz. Die Furcht erneut enttäuscht zu werden, scheint übermächtig.

Iris Bettrays Dokumentation ist mehr als nur das Porträt von drei Männern. Einfühlsam arbeitet die Regisseurin Probleme des heutigen Menschen auf. Durch das Streben nach Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstverwirklichung wird er zunehmend zum bindungsunfähigen Menschen. Die unzählbaren Optionen an möglichen Partnerin, die das Internet vorgaukelt, ist nicht befreiend, sondern verhindert gerade eine Entscheidung und ein Einlassen auf einem Menschen. Die Männer überfrachten mögliche Partnerinnen mit unrealistischen Erwartungen, auch weil sie in der Vergangenheit betrogen worden sind oder die Eltern in ihrer Ehe unglücklich waren. Und von diesen übertriebenen Ansprüchen will niemand abrücken. Das große Glück: Hier und jetzt will man es. Doch vor lauter Suchen nach dem großen Glück, erkennen die Männer nicht, dass sie auf dem besten Weg sind, es zu verspielen. CM