Facebook klagt gegen StudiVZ

Soziale Netzwerke werden trotz Datenschutzwarnungen immer beliebter

Es war einmal – da schrieb man Briefe, um Kontakte zu pflegen. Das Zeitalter des Briefs scheint aber längst vorüber zu sein im Zeitalter von Internet und Email, im sozialen Netzwerk. Dort können Mitglieder umfassend kommunizieren: Bilder austauschen, Nachrichten verschicken, Interessensgruppen gründen, Bekanntschaften machen. Wohl prominentestes Beispiel: „StudiVZ“. Das deutschsprachige soziale Netzwerk („social network“) wurde erst 2005 gegründet, stand aber von Anfang an im Rampenlicht der Öffentlichkeit und nicht selten in der Kritik. Zum Konzept gehört personalisierte Werbung auf der Basis persönlicher Daten, die im Netzwerk selbst erhoben werden. Mit einer Änderung der Geschäftsbedingungen sollte dies den Nutzern schmackhaft gemacht werden. Datenschützer, allen voran der Bundesverband der Verbraucherzentralen, stellten sich gegen solcherlei Kommerzialisierung. Inwieweit sind sich die Studenten der Problematik überhaupt bewusst? Mittlerweile jedoch haben mehr als 90 Prozent aller Nutzer der Verwendung persönlicher Daten zu Werbezwecken zugestimmt. Das ist bei weitem nicht das einzige Problem: Wiederholt kommt es innerhalb des Netzwerkes zu Belästigungen vornehmlich von Studentinnen. Und auch gegen politische Propaganda schreiten die Verantwortlichen des Netzwerks nicht mit dem angebrachten Nachdruck ein.

Umso erstaunlicher, dass sich das Netzwerk unter Schülern und Studenten weiter größter Beliebtheit erfreut. StudiVZ, Marktführer im deutschsprachigen Segment, zählt über 13 Millionen Nutzer, die sich auf die Portale „schuelerVZ“ für Schüler, „studiVZ“ für Studenten und „meinVZ“ für Erwachsene verteilen.

Eine absolute Neuerfindung ist StudiVZ indes nicht. Das amerikanische Vorbild „facebook“ wurde 2004 für Studenten der Harvard-University gegründet und war zunächst nur Studenten ausgewählter Hochschulen Amerikas zugänglich. Nach dem großen Erfolg ist es seit 2006 offen für Nutzer ab 13 Jahren und hat eigenen Angaben zufolge mehr als 200 Millionen Nutzer weltweit. Mittlerweile gibt es auch eine deutsche Seite des sozialen Netzwerkes, die sich in schickem Blau präsentiert. Es blieb keineswegs verborgen, dass „studiVZ“ dem amerikanischen Vorbild gar nicht so unähnlich ist. Die Funktionen sind gleich, allein der Name ist anders: In beiden Netzwerken können Freunde gegrüßt werden (bei StudiVZ „gruscheln“, bei Facebook „to poke“, was soviel wie „anstupsen“ heißt), Nachrichten auf der „Pinwand“ oder – entsprechend – „wall“ hinterlassen werden. Sogar die Fehlermeldungen ähneln sich. Einziger faktischer Unterschied: StudiVZ ist rot. An der Farbgebung setzt die Klage an, die „facebook“ jüngst gegen „studiVZ“ erhoben hat. Der Vorwurf geht dahin, „studiVZ“ habe sich illegal Daten und Computerquellcodes verschafft, Designs und Funktionen kopiert und verletze damit die Marktrechte von „facebook“.

Das deutsche Netzwerk sieht dies naturgemäß anders und der juristischen Auseinandersetzung recht gelassen entgegen: Man habe die besten Ideen der ganzen Welt kombiniert und an die europäische Campuskultur angepasst, erklärte Mitgründer Ehssan Dariani im Jahr 2006. Dies ist bereits das dritte Verfahren, das „facebook“ gegen StudiVZ anstrengt – alle drei erheben den Vorwurf, es sei plagiiert worden. Ein Verfahren läuft seit 18. Juli 2008 im US-Bezirksgericht San José. Die Feststellungsklage von „studiVZ“ wurde im Landesgericht Stuttgart eingereicht. Verhandelt wird nun am Landesgericht Köln. Ob „studiVZ“ in rot oder Facebook in blau – die Nutzer von „social networks“ stört solcherlei wenig. Auch künftig werden sie sich im Internet treffen, um Kontakte zu pflegen oder neue Bekanntschaften zu schließen.

Allerdings wissen Jugendliche traditionell wenig um die Gefahren, die dort lauern. Und Warnungen, wonach persönliche Daten an Werbefirmen gehen können, schrecken kaum ab. Hat nicht die Tatsache, dass sich jeder Nutzer auf seiner eigenen „Profilseite“ darstellen und seine Privatsphäre öffentlich machen kann, für manche junge Menschen ihren eigenen Reiz?

Eines wird ein Netzwerk – bei aller vorgeblichen Sozialität – nicht ersetzen: persönliches Gespräch, Austausch, Begegnung. Auch wer gleichzeitig mit allen Freunden weltweit verbunden ist, bleibt allein vor dem PC. Ohnehin wird die persönliche Note eines handschriftlichen Briefes, die Freude über einen unerwarteten Anruf oder die Dringlichkeit einer wichtigen E-mail nicht zu ersetzen sein. Allerdings kann ein „soziales Netzwerk“, richtig genutzt, durchaus seinen Zweck erfüllen. Dann aber muss jugendlichen Nutzern verstärkt ein verantwortungsvoller Umgang mit sozialen Netzwerken vermittelt werden.