Es knirscht im Gebälk

Vatikansprecher Greg Burke und seine Stellvertreterin geben ihr Amt auf. Von Guido Horst

Greg Burke
Ist überraschend zurückgetreten: Vatikansprecher Greg Burke. Foto: dpa

In der gewaltigen Medienbehörde des Vatikans knirscht es gewaltig. Dass der Direktor des Presseamts, der 59 Jahre alte Amerikaner Greg Burke, und seine Vize-Direktorin, die 43-jährige spanische Radiofrau Paloma García Ovejero, am letzten Tag des vergangenen Jahres ihren gemeinsamen Rücktritt bekannt gegeben haben, deutet nicht auf persönliche Gründe hin. Zudem sich Burke in einem Tweet mit den Worten verabschiedet hat, „an diesem Punkt des Übergangs in der Vatikan-Kommunikation meinen wir, es ist am besten, wenn der Heilige Vater völlig frei ist, ein neues Team zusammenzustellen“.

Der Präfekt des mit Abstand personalstärksten Vatikan-Dikasteriums, der Laie Paolo Ruffini, der erst vor wenigen Monaten vom italienischen Kirchenfernsehen „TV 2000“ an die Spitze der Superbehörde berufen wurde, schickte den beiden Scheidenden sibyllinische Worte hinterher: Angesichts ihrer freien Entscheidung, die er nur respektieren könne, „brauche es einen schnellen Stabswechsel, um den Weg der Reform weiterzugehen“, wobei er, Ruffini, den komplexen Weg dieser wichtigen Reform im Geist des Dienstes und der Treue zum Papst voranbringen werde. Wieso Burke und García Ovejeto nach nur zweieinhalb Jahren diesen „komplexen Weg“ nicht mehr mitgehen konnten, lassen alle diese schönen Erklärungen offen – die Vatikanjournalisten wurden zum Jahresende von der Nachricht völlig überrascht. Das Opus Dei-Mitglied Burke verabschiedete sich von Franziskus ebenfalls per Twitter mit „un abrazo muy fuerte – herzliche Umarmung“.

Soeben erst hat der Papst den langjährigen Chefredakteur des „Osservatore Romano“, Giovanni Maria Vian, mit einem freundlichen Dankesbrief in den Ruhestand geschickt. Der 66-Jährige war noch viel zu jung, um seinen Stuhl für den 52 Jahre alten Religionslehrer und Essayisten Andrea Monda frei zu machen. Der „Osservatore Romano“, wenn auch an den Kiosken kaum verkauft und mit einem kleinen Abonnentenstamm, war unter dem Dach des Medien-Dikasteriums das letzte Organ, das sich noch ein wenig Eigenständigkeit bewahren konnte. Das dürfte jetzt anders werden.

Zur Vereinheitlichung der redaktionellen Linie von Papst-Zeitung, Radio, Fernsehen und Online-Dienst des Vatikans hat Franziskus seinen Freund Andrea Tornielli in das wichtige, bisher noch nicht besetzte Amt des „Direttore editoriale“ im Medien-Dikasterium berufen. Dem „La Stampa“-Journalisten war es gelungen, mit dem von ihm aufgebauten Onlinedienst „Vatican Insider“ einen absolut Franziskus-freundlichen Nachrichtenkanal zu formen, obwohl die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ alles andere als kirchenfreundlich gilt. Tornielli kam, Burke geht, ersetzt durch den Interims-Direktor Alessandro Gisotti. Der 44-jährige studierte Politikwissenschaftler war seit dem Jahr 2000 Social-Media-Beauftragter im Vatikan und hat lange bei Radio Vatikan gearbeitet. Das Presseamt ist wieder fest in italienischer Hand.