Eine Liebe in Ostdeutschland

Die Multikulti-Komödie „Salami Aleikum“ überzeugt mit ihrem intelligenten Humor und den sympathischen Darstellern

Bereits der Titel ist Programm: Ähnlich Anno Sauls „Kebab Connection“ (DT vom 30.04.2005) enthält die Verballhornung „Salami Aleikum“ ein parodistisches Potenzial, das auf die komödiantische Seite eines Kulturen-Zusammenpralls zielt. Der bunt-verspielte Zeichentrickvorspann führt unter den Klängen orientalischer Musik in die märchenhafte Bildsprache ein, der sich Regisseur Ali Samadi Ahadi für seine Komödie bedient.

Stand in „Kebab Connection“ ein Deutsch-Türke aus dem Hamburger Schanzenviertel im Mittelpunkt, so ist der Protagonist von „Salami Aleikum“ der Sohn iranischer Einwanderer aus dem Kölner Eigelstein-Viertel: Obwohl Ende zwanzig, wohnt Mohsen (Navid Akhavan) noch bei seinen Eltern (Proschat Madani, Michael Niavarani). Der Vater hält ihn für einen Versager, weil der Junge kein Blut sehen kann – nicht unbedingt die beste Voraussetzung, um die Familienmetzgerei weiterzuführen. Statt mit Schlachten vertreibt sich Mohsen die Zeit lieber mit Träumen und mit Stricken. Denn immer wenn er Kummer hat, flüchtet sich Mohsen ins Stricken am Schal seines Lebens.

Die Gelegenheit, seiner Familie zu helfen, nachdem das Gesundheitsamt seinem Vater die Lizenz entzogen hat, aber auch seine Selbstständigkeit unter Beweis zu stellen, bietet sich Mohsen in Gestalt eines polnischen Geschäftsmanns, der ihm ein Geschäft mit dem Re-Import gut genährter Schafe aus Polen vorschlägt. Weil er ins Wolle-Geschäft gerne einsteigen würde, bricht er mit einem alten Kleinbus nach Osten auf, um in Polen die Tiere abzuholen.

Eine Panne macht dem jungen Deutsch-Iraner einen Strich durch die Rechnung: Sein Gefährt bleibt in der tiefsten ostdeutschen Provinz liegen. Der Empfang in der Dorfkneipe ist eher kühl, aber wenigstens erfährt Mohsen, dass es in Oberniederwalde eine Kfz-Werkstatt gibt, wo sein Transporter repariert werden kann. Dort schlägt Mohsens Schicksal erneut, diesmal in Gestalt einer großen, blonden Frau. Denn Mohsen verliebt sich auf der Stelle in Ana (Anna Böger), die Kfz.-Meisterin und ehemalige DDR-Kugelstoßerin.

Weil Ana Vegetarierin ist, gibt sich Mohsen als Textilhändler aus. Eine Lüge, in die er sich immer mehr verstrickt und die bald weite Kreise zieht. So kommt zu der Liebes- eine Verwechslungskomödie hinzu. Denn bald macht in Oberniederwalde das Gerücht die Runde, die „reichen Perser“ wollen in die stillgelegte VEB-Hemdenfabrik „Textile Freuden“ investieren. Vor allem Anas Vater (Wolfgang Stumph) zeigt sich von der Idee begeistert und bereitet den Empfang der „Investoren“ generalstabsmäßig vor. Beispielsweise gibt es in der Küche seines Wirtshauses ab sofort nur noch persische Gerichte.

Regisseur Ali Samadi Ahadi setzt Klischees gezielt ein, die jedoch niemals verletzen. „Salami Aleikum“ lebt vielmehr von der Situationskomik: „Wir haben nicht versucht, komische Menschen zu beschreiben. Komisch sind eher die Situationen, in denen sie sich befinden. Fast alle unsere Szenen könnten, wenn man sie ein bisschen anders erzählt, Dramen sein. Es ist nur ein winziger Schritt von der Tragödie zur Komödie“, so der Regisseur selbst.

In der Inszenierung pokert Ali Samadi Ahadi hoch: Sein Stil kann nicht anders denn als ein Gemisch bezeichnet werden. Von den dem Bollywood-Kino direkt entnommenen Szenen über die Rückblenden, die unmittelbar „Kebab Connection“ entlehnt worden zu sein scheinen, bis zu der Idee der erfolgreichen persischen Küche, die Woody Allens „Schmalspurganoven“ („Small Time Crooks“, 2000) zitiert in Samadi Ahadis Film finden alle Stilelemente einschließlich der Animation Eingang.

Erstaunlicherweise funktioniert die Mischung aus all den unterschiedlichen Genres und Kunstformen, zu der eine leicht surreale Bildsprache aus kräftigen Farben und unwirklichen Kamerawinkeln hinzukommt, ausgezeichnet. Denn diese inszenatorischen Eigenheiten werden nicht zu einem Selbstzweck. Regisseur Ali Samadi Ahadi integriert sie vielmehr in die Erzählung („Es ging uns darum, eine etwas andere Erzählweise zu nutzen, ohne dabei die Dramaturgie des Films aus den Augen zu verlieren“).

Obwohl „Salami Aleikum“ den Wortwitz und die Situationskomik nicht durchgängig auf gleichem Niveau halten kann, gefällt die positiv-optimistische Sicht dank der sympathischen Darsteller: Nicht nur Navid Akhavan und Anna Böger überzeugen. Insbesondere Michael Niavarani und Wolfgang Stumph als Schwiegerväter in spe tragen zum gelungenen Gesamteindruck einer Komödie bei, die ohne grobschlächtigen Humor bestens unterhält, und darüber hinaus für das Miteinander verschiedener Kulturen plädiert.