Eine Chefin zum Verlieben

Gute Schauspieler wiegen die Drehbuchschwächen auf: Die Komödie „Selbst ist die Braut“

Originalität gehört nicht gerade zu den herausragenden Eigenschaften des heutigen Hollywood-Kinos. Über die lupenreinen Fortsetzungen hinaus, die derzeit in den kalifornischen Filmstudios zuhauf gedreht werden, zeichnen sich etliche Drehbücher dadurch aus, dass sie aus längst bekannten Zutaten zusammengesetzt werden.

Dies trifft ebenfalls für Anne Fletchers Komödie „Selbst ist die Braut“ („The Proposal“) zu. Das von Peter Chiarelli verfasste Drehbuch ist mit unzähligen „Déja vu“ gespickt, die in der Inszenierung noch gesteigert werden.

Es beginnt bereits mit der Einführungssequenz, einer Parallelmontage, die den unterschiedlichen Charakter der zwei Hauptfiguren wiedergeben soll: Auf der einen Seite die erfolgreiche, karrierebesessene New Yorker Verlagslektorin Margaret Tate (Sandra Bullock), auf der anderen Seite ihr Assistent Andrew Paxton (Ryan Reynolds), der zu spät aufsteht, den Kaffee bei einem „Coffee To Go“-Laden unterwegs holt, und ihn auch noch übers Hemd verschüttet.

Erinnert diese Exposition bereits an „Der Teufel trägt Prada“ (DT vom 14.10.2006), so ist die Anlehnung an diesen Film in der Szene mehr als offensichtlich, als Margaret Tate den Verlag betritt: Kaum kommt die Chefin aus dem Aufzug heraus, dann versetzt die Meldung auf den Bildschirmen („Es ist da“) ihre Mitarbeiter in höchste Alarmbereitschaft. Jeder ist vor allem darum bemüht, dem Ungeheuer aus dem Weg zu gehen.

Aber selbst einer Margaret Tate unterläuft einmal ein Fehler: Die Kanadierin hat es versäumt, ihr Visum zu verlängern. Die Behörden kennen keinen Spaß, es droht die Ausweisung. Die resolute Frau hat aber einen spontanen Einfall: Sie präsentiert ihren Assistenten Andrew als ihren Verlobten. Kann sie einen amerikanischen Ehemann vorweisen, dann ist ihr die Aufenthaltsgenehmigung sicher – „Green Card – Schein-Ehe mit Hindernissen“ (Peter Weir, 1990) lässt grüßen.

Anfangs sträubt sich Andrew zwar dagegen, eine solche Zweckgemeinschaft mit der Frau einzugehen, die er selbst als „Hexe“ bezeichnet. Aber die Aussicht, sein Manuskript endlich einmal als Buch veröffentlicht zu sehen, lässt ihn doch noch umstimmen.

Um vor dem Chef der Einwanderungsbehörde ihre Hochzeitspläne glaubwürdig darzustellen, reisen sie zusammen zu Andrews Familie nach Alaska, wo der 90. Geburtstag von Andrews Großmutter Annie (Betty White) gefeiert werden soll. In Alaska wird Margaret von Andrews Eltern (Mary Steenburgen, Craig T. Nelson) nicht nur überschwänglich empfangen. Die tatkräftige Oma besteht außerdem darauf, dass zusammen mit ihrem runden Geburtstag auch noch Hochzeit gefeiert werden soll.

Dass sich Margaret und Andrew im Laufe des Wochenendes näherkommen werden, bezweifelt natürlich der Zuschauer in keinem Augenblick, zumal die Situation nicht nur aus Peter Weirs „Green Card“ bekannt ist. Anfangs besticht der Film mit witzigen Einfällen: Die Chefin muss dem Assistenten mitten auf der Straße ihren Antrag auf Knien machen, später den Rollkoffer über Schotterwege selbst ziehen. Die Szenen voller Skurrilität wechseln sich allerdings mit Zoten ab, die in einem „Familienfilm“ eigentlich nichts verloren haben.

Außer der einen oder anderen witzigen Wendung überzeugt „Selbst ist die Braut“ hauptsächlich durch seine Schauspieler. Nicht nur die Chemie zwischen Sandra Bullock und Ryan Reynolds funktioniert hervorragend. Auch die kauzigen Charaktere von Andrews Mutter und Großmutter sind mit Mary Steenburgen und Betty White bestens besetzt. Dank der schauspielerischen Leistung der Darsteller, die das komische Potenzial ihrer Figuren ausschöpfen, ist „Selbst ist die Braut“ eine amüsante, kurzweilige Komödie geworden, die ein deutlich positives Bild der Familie vermittelt. Originalität ist eben nicht alles im Film.