Eherettung durch Rollentausch

Diese Woche im Kino: Ein französischer Film über Geschlechterrollen sowie die letzten Monate im Leben des Dichters Leo Tolstoi

Ein Rollentausch steht am Anfang des französischen Spielfilmes „Auf der anderen Seite des Bettes“. Ariane (Sophie Marceau) und Hugo (Dany Boon) sind schon lange verheiratet, die Aufgaben bei ihnen sozusagen klassisch verteilt: Er leitet ein Familienunternehmen, eine Baumaschinenfirma, sie kümmert sich um den Haushalt und um die Kinder, die Hugo eigentlich nur schlafend erlebt. Nebenbei verkauft Ariane zusammen mit ihrer Freundin Charlotte (Juliette Arnaud) selbstentworfenen Schmuck. Mit dieser Situation fühlt sich Ariane jedoch zunehmend unzufriedener, zumal sich die Renovierung des Hauses in die Länge zieht, weil der Handwerker auf ihre Anrufe nicht reagiert. Das Fass zum Überlaufen bringt eine Bemerkung Hugos, Ariane gehe zu brav mit dem Handwerker um, an ihrer Stelle würde er es schon richten.

Ariane soll sich um die Firma kümmern, Hugo um die Kinder

Ariane reagiert darauf mit einer handfesten Drohung: Entweder tauschen sie für ein Jahr ihre Plätze, einschließlich der jeweiligen Seite im Bett (daher der Filmtitel „De l'autre côté du lit“), oder sie verlässt ihn mit den Kindern. Schnell lässt sich in der Person des Gerichtsvollziehers Maurice (Antoine Duléry) ein Vermittler finden, der einen Vertrag aufsetzt und über dessen Einhaltung wachen soll: Ariane soll die Geschäfte der Baufirma führen, Hugo sich um die Kinder kümmern.

Obwohl sich die Handlung über weite Strecken verhältnismäßig vorhersehbar ausnimmt, überzeugt die schwungvolle Inszenierung von Drehbuchautorin und Regisseurin Pascale Pouzadoux, wie sie bereits in der ersten Szene mit einem witzigen Einfall unter Beweis stellt. Der Einsatz von schnell geschnittenen Bildern und insbesondere des Farbkontrasts – Arianes Welt erscheint bis hin zu ihrem Auto in einer breiten Palette von rosaroten bis pinkfarbenen Tönen, während Hugos Ambiente von bläulich-grauen Farben geprägt ist – sowie eine an den „rosaroten Panther“ erinnernde Musik überzeichnen zwar komödiantisch die Botschaft von „Auf der anderen Seite des Bettes“. Diese stellt sich indes als unbedingtes Plädoyer für die „klassische“ Familie heraus, das sich allen aktuellen „Gender mainstreaming“-Theorien entgegenstellt. Darüber hinaus konnte Regisseurin Pouzadoux auf ein bestens aufgelegtes Protagonistenpaar zählen.

Die Charaktere erleben kaum eine Entwicklung

Basierend auf Jay Parinis Romanbiografie „Tolstois letztes Jahr“ inszeniert Drehbuchautor und Regisseur Michael Hoffman die letzten Wochen im Leben des berühmten russischen Dichters Leo Tolstoi: „Ein russischer Sommer“ wurde auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis für die „Beste Internationale Literaturverfilmung“ 2009 ausgezeichnet.

Der Zuschauer erlebt den Sommer 1910 aus der Perspektive des jungen Walentin Bulgakov (James McAvoy), der Tolstois (Christopher Plummer) neuer Sekretär wird. Selbst ein glühender Verehrer des großen Dichters, zieht Walentin in eine „Tolstojaner“-Landkommune ein, die Tolstois enger Vertrauter Wladimir Tschertkow (Paul Giamatti) nach den anarchistischen, radikal-pazifistischen Lehren des Schriftstellers etwa zwei Wegstunden vom Wohnsitz Tolstois entfernt aufgebaut hatte.

Walentin gerät zwischen zwei unversöhnliche Fronten: Tschertkow hat Tolstoi überredet, die Rechte an seinen Werken dem russischen Volk zu vermachen, wogegen sich Tolstois Frau Sofia (Helen Mirren) mit allen Mitteln wehrt. Schließlich ist sie nicht nur seit 48 Jahren mit dem Dichter verheiratet und die Mutter seiner 13 Kinder. Darüber hinaus hat sie ihm ihr Leben gewidmet, und sogar eigenhändig das Manuskript von „Krieg und Frieden“ sechsmal abgeschrieben.

In einer Parallelhandlung wird Bulgakovs sexuelle Initiation durch die junge Tolstojanerin Masha (Kerry Gondon) geschildert, obwohl zur Lebensform der Jünger Tolstois geschlechtliche Enthaltsamkeit gehört. Michael Hoffman setzt diesen arg konstruiert wirkenden Handlungsstrang offenkundig ein, um eine Satire auf den quasi religiösen Eifer einer Bewegung zu liefern, die Tolstoi als eine Art Guru feiert.

Trotz eines aufwändigen und detailgenauen Produktionsdesigns und einer auf die Schauspieler konzentrierten Kameraführung (Sebastian Edschmid) findet die einfallslose Inszenierung Michael Hoffmans keine dramaturgische Mitte. Denn „Ein russischer Sommer“ („The Last Station“) kann sich zwischen den Handlungssträngen offensichtlich nicht entscheiden. Obwohl sich die gewohnt souverän auftretenden Stars Christopher Plummer und Helen Mirren redlich bemühen, macht sie die schwache Schauspielführung zu reinen Abziehbildern, zu Charakteren, die kaum eine Entwicklung durchmachen.