Die neue Öko- und E-Religion

Diesel-Verbote, Feinstaub-Panik, Klimaangst: Die Deutschen glauben, sie müssten die Welt retten. Vor allem die Umwelt. Wer bei diesem Versuch der Totalkontrolle stört, ist auf die Dauer vermutlich nur einer: der Mensch. Von Martin Lohmann

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Umweltschutz ist wichtig und notwendig. Wer wollte das bestreiten. Aber was ist Umweltschutz? Die mit viel Energie betriebene Attacke auf alle Dieselfahrer? Das Sperren von einzelnen Straßen, bei denen auch schon mal Gerichtsurteile wirken, die aufgrund von Schätzungen zustande kamen? Elektroautos und E-Busse, die schon allein wegen ihrer Geräuscharmut so richtig sauber wirken?

Bleiben wir mal bei den E-Bussen. Die Stadt Trier hat jetzt einen angeschafft. Für 560 000 Euro. Was für ein Prestige- und Imagegewinn! Immerhin: Da ist die Römerstadt Vorreiter in Deutschland. Dumm nur, dass dieser Bus seinen eigentlichen Zweck nicht erfüllen kann, nämlich Leute von A nach B zeitnah und fahrplanmäßig zu transportieren. Der Grund: Kalte Temperaturen zwingen den Akku in die Knie, und wenn der Fahrer dann auch noch für die Fahrgäste die Heizung anschaltet, ist keine Beschleunigung mehr drin. Die 560 000 Euro stehen jetzt in der Garage. Man muss wissen, dass die Bundesregierung solche Projekte mit rund einer Milliarde Euro – natürlich Steuergeldern, also Geld der Bürger – sponsert. Und weil die sauberen Akkus Kälte so gar nicht mögen, bieten manche Buslieferanten als Sonderausstattung und zur „Sicherheit“ einen Dieselmotor an. Aus den 150 Kilometern Fahrleistung am Stück, die übrigens in jeder größeren Stadt rasch erreicht werden, werden im Winter gerne auch mal knapp 80. Aber das wissen Fahrer von teuren E-Autos ja auch. Wie gut, dass bei manchen Ladestationen die Wartezeit durch den Besuch eines nebenan liegenden Schnellrestaurants ganz emissionsfrei und gesund überbrückt werden kann.

Der alte Selbstbetrug hat wieder Konjunktur. Früher machte man Witze im Blick auf Energie: „Wo ist das Problem? Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“ Heute gehört das zum Credo der „natürlich“ ganz „sauberen“ E-Mobilität. Nachdem man sich in Europa der echten Religion entledigt hat, gibt es eine – ganz saubere – Klimawandelreligion. Und die nutzt alle anderswo überwundenen Mechanismen der Unterdrückung. Mit inquisitorischer Unerbittlichkeit wird aus der Gesellschaft exkommuniziert, wer das Credo dieser Ersatz-Religio auch nur ansatzweise hinterfragt. Schlimmer noch: Die Scheiterhaufen werden – natürlich CO2- und feinstaubneutral – jedem garantiert, der auch noch Fakten sucht oder gar zu nennen wagt.

Dazu gehört zum Beispiel die Herstellung der so beliebten Superakkus. In Chile wird, unter menschenunwürdigen Bedingungen, Lithium abgebaut. Also weit weg von unseren Öko-Unfehlbarkeits-Päpsten. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt, die einheimischen Bauern haben keine Äcker mehr, auf denen etwas wachsen kann. Für unsere klimavernebelten „Gewissen“ hier opfert man dort die Existenz von ungezählten Menschen. Derweil propagiert man hier weiter ex Cathedra, dass schon bald bei uns 20 Millionen „saubere“ E-Autos fahren sollen. Ach was: müssen! Ein Glaubensgrundsatz, bei dem der Hinweis auf die katastrophale Ökobilanz der Elektromobilität verständlicherweise nur stören kann. Da schauen wir dann auch lieber weg, wenn im weit weg liegenden Kongo Kobalt unter schwerster Gesundheitsschädigung abgebaut wird. Hauptsache: Hier kommt der Strom aus den sauberen Ökozapfsäulen! Ist ja auch schick, einen teuren Ökowagen zu fahren. Und macht was her. Schließlich kann man schon mit dem „E“ auf dem Nummernschild den anderen ein schlechtes Gewissen bereiten.

Klar, das wirkt. Vom Diesel, der noch vor Jahren als die sauberere Lösung angeboten wurde, sollte man gar nicht mehr reden. Auch nicht davon, dass für Diesel gesperrte Straßen hernach noch schlechtere Werte aufweisen als mit Dieselverkehr. Ob es vielleicht nicht am Diesel liegt? Hauptsache, man hilft jenen, die den Menschen mit seinem verflixten Mobilitätsdrang seiner Freiheit berauben wollen und der Totalkontrolle unterordnen möchten. Die Linie ist doch längst erkennbar: Erst der Diesel, dann die nachweislich sauberen Diesel jüngster Generation, dann der Benziner, dann die E-Autos. Der Störfaktor überhaupt ist der Mensch. Seine Freiheitsliebe, die stets eine gewisse Souveränität und den Respekt vor anderen voraussetzt, ist halt für manche Welt- und Menschenbilder suspekt.

Dieser Freiheit kann man nur mit Lug und Trug, mit Verblendung und Heuchelei begegnen. Oder ganz einfach: mit einer installierten Sucht nach Verboten. Süchte sind ansteckend. Erst recht, wenn man die Suchtverweigerung mit einem umweltpolitischen schlechten Gewissen koppelt. Wer Freiheit und Verantwortung fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, der kann wohl nicht anders als betrügen. Aufklärung verboten. Welche Rolle spielen – nur so nebenbei gefragt – da eigentlich die Medien?

Auch kirchliche Gruppierungen lassen sich gerne mal vor den E-Karren des Fatamorgana-Gewissens spannen. Aus dem Osten des Landes kommt jetzt die evangelische Forderung nach einem Tempolimit 130, um das von Menschenhand zerstörte Klima zu retten. Und biegt man sich schon mal gerne die Wirklichkeit so zurecht, bis sie in das eigene Ideologiekästchen passt. Die mit mentalem Feinstaub gegen Feinstaub und anderes kämpfende, von Steuermitteln gepamperte und Stadt für Stadt durch kurzzeitige Messungen zur Hauptverkehrszeit und anschließend gerichtlich „fundierten“ Fahrverboten ärgernde Deutsche Umwelthilfe (DUH) lässt grüßen. Gemein-nützig, pardon, gemeinnützig ist sie bisher sogar. Doch das will AKK als neue CDU-Chefin ja prüfen lassen.

Eigentlich ist es ja Kernkompetenz der Kirche, Gott und seine Wahrheit zu verkünden, den Glauben an die Erlösung durch den Gottessohn zu stärken und von der Liebe des Schöpfers Zeugnis zu geben. Das war jedenfalls früher mal so. Heute predigt man die Klimarettung. So ist man bei der Evangelischen Kirche faktenfrei davon überzeugt, durch Tempo 130 mindestens zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr zu sparen. Dumm nur, dass das evangelische Fakenews sind. Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass bei Tempo 130 die Emissionen um neun Prozent sinken. Es sind aber nur rund 30 Prozent aller Autofahrten in Deutschland, die über Autobahnen gehen. Also läge die Ersparnis bei rund drei Prozent. Und weil der PKW-Verkehr hierzulande etwa 13 Prozent aller CO2-Emissionen ausmacht, lägen die Einsparungen nur bei 0,5 Prozent.

Hinzu kommt das Faktum, dass Deutschland mit seinen 800 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß 2,2 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes von 36 Milliarden pro Jahr ausmacht. Wer rechnen kann sieht schnell: Der verringerte Ausstoß durch Tempolimit macht weltweit eine Ersparnis von 0,005 Prozent aus. Oder noch drastischer: Würde man den Autoverkehr in Deutschland, dessen Menschen immerhin zu großen Teilen von der Autoindustrie leben, komplett verbieten, senkt man den CO2-Ausstoß weltweit um Fünfeinhundertmillionstel. Josef Kraus hat jetzt den selbsternannten Klimapropheten der EKD ans Herz gelegt, gleich als Kirche mit den Grünen und der DUH zu fusionieren. Bei den Kirchentagen könne man diese Entwicklung ja bereits sehen.

Obacht, auch wenn das eine andere heilige Kuh ins Visier nimmt: Der Deutschlandfunk errechnete, dass die vielen Fußballfans mit ihrem Reisen zu den immer mehr werdenden Spielen samt durch Biergenuss und Bratwurstessen verursachtem Müll durchschnittlich pro Spieltag einen CO2-Schaden von 120 Tonnen schaffen. Jeder Fan! Das schaffen zehn Bundesbürger durchschnittlich in einem ganzen Jahr. Am besten, man verbietet den Fußball sowieso. Wie auch die Landwirtschaft, die bei CO2 und Feinstaub immerhin 45 Prozent aller Emissionen beisteuert.

Besonders apart und ambitioniert war es, wie sich nun zeigt, wenn „Klimaexperten“ wie Mojib Latif im April 2000 ohne eine Spur von Zweifel verkündeten: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Derselbe, jetzt auf den unleugbar vielen Schnee in den Alpenregionen angesprochen, verweist – wie damals – auf den menschengemachten Klimawandel. Ein Bösewicht, der jetzt daran erinnert, dass es auch schon vor den Autos Klima gab, dass in der Eifel und anderswo versteinerte Meerestiere gefunden wurden und werden, was ja den Verdacht nahelegen könnte, dass es vor sehr langer Zeit hier viel wärmer war. Denn Meerestiere brauchen in der Regel Meerwasser. Und wie kommt es eigentlich, dass aus den Daten der Deutschen Wetterdienstes ablesbar ist, dass die Globaltemperatur in den vergangenen dreißig Jahren nicht anstieg?

Das hindert eine grüne Klima-„Expertin“ wie Bärbel Höhn nicht daran, im Blick auf die jetzt angesagte Kältewelle ex cathedra zu twittern, dass die Klimakrise ihre Wirkung zeige: „Die nächsten Wochen soll kalte Polarluft unser Wetter bestimmen. Ein Zeichen, dass die Golfstromwirkung nicht mehr funktioniert. Ähnlich, wie wir es schon im Sommer erlebt haben.“ Tja, wenn Ideologie Verstand frisst! Jörg Kachelmann, der nun wirklich eine Klimaexperte ist, kann das alles nur noch als frei erfundenen „Blödsinn“ bezeichnen. Hat schon mal jemand errechnet, wieviel Feinstaub – der übrigens auch schon vor unseren Autos in der Atmosphäre zirkulierte – beim Bremsen entsteht? Sollte man nicht rasch über ein Bremsverbot nachdenken?

Es ist genau der Blödsinn der Pseudo-Propheten und Möchtegern-Experten, der dem Umweltschutz schadet wie nichts anderes. Denn es bleibt dabei: Umweltschutz ist wichtig und notwendig. Aber die Übertreibungen, gepaart mit Lug und Trug, selbst wenn sie im Gestus des unfehlbaren Diktats vorgetragen werden, führen irgendwann zum Widerstand gegen jede vernünftige und berechtigte Form des Umweltschutzes. Denn: Lügen haben kurze Beine. Früher oder später stolpert jeder Lügner. Und weil der Mensch nicht nur eine Sehnsucht nach Freiheit in sich trägt, sondern in ihm auch die Ansprechbarkeit für das Wahrhaftige schlummert, wäre es dringend an der Zeit, allen Ideologen und Mobilitätshassern das Handwerk zu legen. Durch ehrliche Aufklärung. Dem Leben zuliebe – und der Umwelt.