Die Ware Weihnacht in der Unterhaltungsbranche

Medien lassen wieder die Kassen klingeln – Gedanken zum Fest. Von Stefan Meetschen

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind auf die Erde nieder, sondern auch eine Heerschar von Weihnachtsliedern, Weihnachtsfilmen und anderen adventlichen Stimmungsprodukten. Der zurzeit in einem Wiener Krankenhaus um sein Leben ringende Sänger George Michael zum Beispiel schaut mit seinem Klassiker „Last Christmas“ inzwischen zum siebenundzwanzigsten Mal musikalisch auf eine verflossene Weihnachtsliebe zurück und lädt die globale Radiogemeinde zum Mit-Schunkeln ein. Während Sir Bob Geldof und seine Band Aid-Millionärs-Truppe aus dem Jahre 1984 immer noch die Welt zu füttern versuchen („Do they know it's Christmas?“).

Auch im Fernsehen die ewiggleichen Weihnachtsdramen: Kevin kämpft allein zu Hause gegen böse Einbrecher und schmückt dazu hübsch den Tannenbaum, der nicht mehr ganz so jugendliche Hughes Grant findet als tollpatschiger englischer Premierminister ausgerechnet bei einem Weihnachtsmusical die richtige Frau („Tatsächlich Liebe“). Bill Murray als menschenfeindlicher Produzent eines Fernsehsenders wird in „Die Geister, die ich rief“, nicht frei nach Goethe, sondern frei nach Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte zum Menschenfreund bekehrt. Weihnachten gut, alles gut? Zumindest in der Welt der Unterhaltung sieht es so aus.

Wobei man den Einfluss des Christentums in den meisten Weihnachtsunterhaltungsprodukten nicht überschätzen sollte: Eine Herabstufung des Christkindes auf Kosten des Weihnachtsmannes ist seit Jahren Gang und gäbe. „Das Wunder von Manhattan“, „Die Gebrüder Weihnachtsmann“, „Das Wunder einer Winternacht“ – im Notfall könnte das Fest der Liebe und Versöhnung rein filmtechnisch wohl auch ohne Jesu Geburt stattfinden. Hauptsache, der Mann mit dem weißen Bart und dem roten Winterdress steht zur Verfügung. Eine aus Kitsch und Sentimentalität gemeißelte Handlung. Süßer die Kassen dann klingen. Natürlich nicht nur im Kino, sondern auch im Supermarkt.

Dass sich gegen diese Kommerzialisierung und Trivialisierung des christlichen Weihnachtsfestes von Christen verschiedener Konfession nun Widerstand formiert hat, überrascht nicht und ist sehr zu begrüßen: „Weihnachtsmannfreie Zone“ lautet eine Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken. Unterstützt wird sie von zahlreichen Prominenten. Sogar die unverwüstliche ZDF-Moderatorin Nina Ruge unterstützt diese christliche Protest-Aktion von Herzen, „denn mit Hilfe der Kirchen, etlicher Kindertagesstätten und Grundschulen und vor allem durch engagierte Familien fließt mehr und mehr auch ein neues Bewusstsein für oft belächelte Werte und Tugenden in unsere Gesellschaft: Geben ist seliger als Nehmen, als Konsumieren.“

Das ist gut, doch wird damit auch alles gut werden? Kann die Ausbreitung der christlichen Kampfzone gegen die Ware Weihnacht auf diese Weise wirklich gelingen und einen Weihnachtskulturwandel einläuten? Oder sind dies lediglich zwar gutgemeinte, aber letztendlich harmlose Testimonial-Zuckungen, die im allgegenwärtigen Jingle Bells Konsum-Sound wirkungslos verhallen? Vielleicht darf man als Christ zur Weihnachtszeit nicht zu wenig erwarten und nicht zu wenig machen. Es hilft nur das volle Programm: Mette und Glühwein, Jesus und Spekulatius. Nur dann werden diejenigen, die jetzt noch ganz auf den Weihnachtsmann setzen, die Weite und Tiefe der Christen erkennen können und vielleicht nachfragen, wie das mit den kirchlichen Ritualen und der wahren, christlichen Weihnacht so ist.