Die Sucht nach Pornographie ist heilbar

„Schaff in mir ein reines Herz“ – Der Hirtenbrief der amerikanischen Bischofskonferenz warnt vor den Folgen des Konsums der Körper als Gegenteil von Liebe

Pornographie
Die nach Lust geifernde Menge: Szene aus dem Stück „Pornographie“ in einer Übertragung des ZDF-Theaterkanals. Foto: dpa
Pornographie
Die nach Lust geifernde Menge: Szene aus dem Stück „Pornographie“ in einer Übertragung des ZDF-Theaterkanals. Foto: dpa

In der kulturellen und digitalen Revolutionen des 20. und 21. Jahrhunderts ist Pornographie schneller und leichter verfügbar als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Mit negativen Konsequenzen für viele, die damit in Berührung kommen. Doch es gibt Heilung und einen Ausweg. Eines der hartnäckigsten Klischees über die katholische Kirche und ihre Lehre ist das Vorurteil, diese würden sich nicht mit Sexualität auskennen. Doch wie in anderen Bereichen – etwa beim Thema Gender – geben viele Wissenschaftler nicht der üblen Nachrede recht, sondern der Position der katholischen Kirche zur Pornographie.

Aus katholischer Perspektive, so wie sie im Katechismus nachzulesen ist, ist nicht nur klar, was Pornographie ist – sondern auch, wie sie dem Menschen schadet: „Pornographie besteht darin, tatsächliche oder vorgetäuschte geschlechtliche Akte vorsätzlich aus der Intimität der Partner herauszunehmen, um sie Dritten vorzuzeigen. Sie verletzt die Keuschheit, weil sie den ehelichen Akt, die intime Hingabe eines Gatten an den anderen, entstellt. Sie verletzt die Würde aller Beteiligten (Schauspieler, Händler, Publikum) schwer; diese werden nämlich zum Gegenstand eines primitiven Vergnügens und zur Quelle eines unerlaubten Profits. Pornographie versetzt alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie ist eine schwere Verfehlung.“

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung bis zu namhaften Wissenschaftlern in den USA haben untersucht, wie sich Gehirne etwa ändern, oder das Verhalten der Menschen, die sich mit Pornographie einlassen. Aus Sorge um diese Tatsache und die Konsequenzen für die betroffenen Menschen, haben die Bischöfe der Vereinigten Staaten einen historischen Hirtenbrief verfasst, der sich mit dem Thema Pornographie befasst mit Blick darauf, wie diese Industrie – nicht nur, aber auch – ihre Gläubigen beeinflusst. Und als Antwort auf die Frage, was die Kirche unternehmen kann, um Gnade, Heilung und Hoffnung denen anzubieten, die sich vom Zugriff die Pornographie befreien wollen.

„Wir bieten diese Erklärung an als ein Wort der Hoffnung und des Heils für diejenigen, die durch Pornografie verletzt worden sind“, heißt es in der Erklärung. Die Kirche wolle den Ehen und Familien, die durch Pornographie zerstört wurden, ebenso Heilung ermöglichen wie den Einzelpersonen, die davon betroffen seien.

Die US-Bischofskonferenz (USCCB) genehmigte den Hirtenbrief, verfasst vom Komitee für Laien, Ehe, Familienleben und Jugend mit dem Namen „Schaff in mir ein reines Herz“. Der Brief befasst sich mit einer Krise durch Pornographie und stellt dar, wie die Kirche mit Barmherzigkeit denen die Hand reicht, die der florierenden Milliarden-Dollar-Pornoindustrie auf den Leim gegangen sind.

Die weite Akzeptanz von Porno-Filmen und -Bildern und bisweilen sogar die Förderung in der Pop-Kultur haben die US-Bischöfe veranlasst, den Kern der Sache anzusprechen: das Versagen, der Tatsache gerecht zu werden, dass jeder Mensch zur Liebe geboren ist. Wörtlich sagt der Hirtenbrief, „haben jeder Mann und jede Frau, ob sie zur Ehe berufen sind oder nicht, eine grundlegende Berufung zur Selbsthingabe, zur fruchtbaren Liebe in Nachahmung des Herrn“.

Pornographie beschreiben die Bischöfe aber als Gegenteil von Liebe – und zwar der Liebe, für die jeder Mensch geschaffen wurde. Stattdessen verursache Pornographie „einen ungeordneten Blick auf die Person, denn er ist darauf gerichtet zu konsumieren, als eine Sache, anders als Liebe, die sich auf den Menschen bezieht“. Pornographie „lehnt die gleiche Würde und die Komplementarität zwischen Mann und Frau ab und trifft das Herz des Plans Gottes für Gemeinschaft unter den Menschen“, heißt es in dem Brief weiter.

Die Bischöfe gehen in ihrem Brief weiter: Sie bezeichnen Pornographie als mögliches Tor zu anderen potenziellen Problemen, darunter Sucht, Ehebruch, Prostitution, Gewalt, Missbrauch und Menschenhandel. Sie führe darüber hinaus zu einem verzerrten Bild der menschlichen Sexualität und schade in einigen Fällen der Fähigkeit zu einer gesunden, menschlichen Intimität. Mit Pornographie zu tun zu haben scheine für manche Menschen vielleicht eine harmlose, private Angelegenheit zu sein – doch die Bischöfe weisen darauf hin, dass die Produktion von Pornografie Opfer fordere: Viele Menschen und vor allem auch Kinder, die in Pornos zu sehen sind, seien Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, schrieben die Bischöfe unter Berufung auf eine Studie des ehemaligen Prozessanwalts und Anti-Porno-Lobbyführers Noel Bouche.

Diese „Krise durch Pornografie“ schlage tiefe Wunden bei vielen Einzelpersonen, Ehepartnern und Familien – einschließlich gläubigen Katholiken, schreiben die Bischöfe. In Anbetracht dieser Gefahr und der Reichweite von Pornographie betonen die US-Bischöfe, dass alle, die durch Pornographie verletzt worden sind, willkommen sind in der Kirche. „Keine Wunde ist so tief, dass sie außerhalb der Reichweite Christis erlösender Gnade ist. Die Kirche ist als Feldlazarett aufgerufen, die Wahrheit der menschlichen Person in der Liebe zu verkünden“, zitieren die Bischöfe Papst Franziskus. „Ihr seid geliebte Söhne und Töchter des Vaters. Habt keine Angst, Euch dem Altar der Barmherzigkeit zu nähern und um Vergebung zu bitten. Viele gute Menschen kämpfen mit dieser Sünde. Ihr seid nicht allein“, sagen sie.

„Wir möchten uns insbesondere an Katholiken in den verschiedenen Lebensituation wenden und ihnen Möglichkeiten bieten für Beratung, Heilung und Gnade“, heißt es weiter in der Erklärung. Die Bischöfe empfehlen neben Beichte und spiritueller Begleitung professionelles Coaching, Selbsthilfegruppen, Konferenzen und Exerzitien als gute Möglichkeiten zur Genesung von Pornographienutzern. Darüber hinaus seien andere Methoden wie eine Online-Monitoring-Software, Paartherapie oder Keuschheitserziehung ebenfalls gute Mittel. „Von Pornographie frei zu sein ist eine tägliche Entscheidung und fordert eine ständige Entwicklung“, so die Bischöfe im Hirtenbrief.

Auch die Eltern treffe die Verantwortung, ihre Söhne und Töchter vor der Seuche von heute, der Pornographie, zu schützen. Sie weisen darauf hin, dass das Durchschnittsalter der Kinder, die Pornografie ausgesetzt sind, elf Jahre betrage – was bedeute, dass es noch viele Kinder gebe, die jünger seien, und schon Berührung mit Pornographie hätten.

„Gottes Gnade und seine konkrete Hilfe sind immer da. Heilung ist immer möglich“, so die Bischöfe. DT/CNA