Die Kanzlerin fordert mehr Anstrengung

Der „Bildungsbericht 2008“ stellt Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus

Wenn Bundeskanzlerin Merkel sich schon selbst für mehr Bildung stark machen will, muss immer noch viel im Argen liegen. Trotz der jahrelangen Beteuerungen der Bildungspolitiker, dass nach den PISA-Schocks alles besser werde. Merkels Rechnung lautet: Je mehr Bildung, desto mehr Wohlstand – aber der sinkt. Mehr als zwanzig Prozent der Kinder kommen aus Familien, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben. Die Kanzlerin hat Deutschland zur Bildungsrepublik erklärt und will nun auf Bildungsreise gehen. Sie will sich vor Ort darüber im klaren werden, wie es in Schulen, Kitas und Hochschulen wirklich aussieht.

Der Bildungsbericht der Länder sieht zwar Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung, es gebe immer mehr frühzeitige Einschulungen, auch sei das Kompetenzniveau der Schüler gestiegen. Aber die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss sei unverändert hoch, die Abschlüsse im Sekundarbereich II – also die abgeschlossene Berufsausbildung, Hoch- oder Fachhochschulreife – seien im europäischen Vergleich zu spät, die Zahl der Hochschulabsolventen sei zwar gestiegen, aber die Absolventenquote sei noch immer unzureichend.

Auffällig ist an dieser Studie, dass nicht so sehr die Leistungen von Schülern und Studenten in der Kritik stehen, sondern mehr die Rahmenbedingungen, unter denen Bildung in Deutschland stattfindet. So wird die „Effektivität der Übergangssystems“ von Schulen oder Fachhochschulen in die betriebliche Ausbildung bemängelt. Der Hauptschulabschluss erweist sich bei diesem Übergang also besondere Hürde. Auch der direkte Übergang von einer Berufsausbildung in Hochschulen ist kaum möglich.

Beim Erziehungs- und Lehrpersonal gibt es noch erheblichen Aufholbedarf. So bei der frühkindlichen Bildung bei der Betreuung von unter Dreijährigen. Das Altersniveau der Schullehrer liegt über internationalem Durchschnitt, hier wird dringend Ersatz gefordert. Jedoch entspricht die Nachfrage in Mathematik und den Naturwissenschaften keineswegs der Fächerwahl der Lehramtsstudierenden. Noch immer wird die Bildungszeit als Problem angesehen. Zwar werde die Bildungszeit insgesamt verkürzt, aber der Zeit- und Kostenaufwand für Sitzenbleiber erhöhe sich. Fast vier Prozent der Schüler wiederholen Klassen und acht Prozent verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Bei den Hochschulen ist die Abbrecherquote zwar gesunken, aber jeder Fünfte bricht immer noch sein Studium ab, bei den Ingenieuren sogar jeder Vierte.

Herkunft entscheidet noch immer über Bildung. Mehr als jedes zehnte Kind lebte 2006 in einer Familie, in der kein Elternteil erwerbstätig war. Der Einfluss der Bildung der Eltern wirkt sich bis zum Übergang in eine Hochschule aus.

Man darf gespannt sein, ob sich die Bundeskanzlerin mit den Ländern anlegen wird, denn Bildung ist deren Sache.