Die Heilige Messe soll mehr im Alltag wirken

Liturgie aus der Sicht Papst Benedikts XVI. Von Markus Wenz

Die Messe ist keine Feier. Die Messe ist ein Fest. Ein Fest, das den Rahmen des Kirchenraumes sprengt und die ganze Schöpfung umfasst. Am Altar greifen Himmel und Erde ineinander. Ein Fest, das „zweckfrei“, aber nicht „sinnlos“ ist. Denn die irdische Liturgie bereitet die Menschen auf die himmlische Liturgie vor. So wie das Spiel die Kinder auf das Leben vorbereitet. Daher wählte Monsignore Bernhard Kirchgessner diese Aspekte der Liturgie als Titel für die überarbeitete und ergänzte Ausgabe seines Referats „Ein Fest, in dem das Große auf uns zutritt. Mosaiksteine einer Theologie der Liturgie Papst Benedikts XVI.“ Dieses 40 Seiten starke Werk zeichnet die theologisch-anthropologischen Grundlinien der Liturgiekonzeption von Papst Benedikt XVI. nach. Es ist ein Ausgangspunkt für die Erkundung des „Fresko“ der Liturgie mit den Augen des Heiligen Vaters.

Nicht ohne den nötigen „Vorschuss an Sympathie“ hebt Kirchgessner mit Benedikt XVI. den reichen Schatz der Tradition. Einer Tradition, die man pflegen müsse wie eine Pflanze, die organisch wachse und das, was in ihr angelegt ist, immer wieder zu neuer Blüte bringe. Umso wichtiger ist die Haltung des Priesters, der der Eucharistiefeier vorsteht: mit seiner inneren und äußeren Disposition soll er die Liturgie als Gottes-Werk vermitteln und nicht dem Irrtum verfallen, man könne, man müsse sie kreativ als Menschen-Werk gestalten. Wenn man tatsächlich den Anliegen der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums entsprechen will, so Bernhard Kirchgessner, dann müsse man den Gläubigen „liturgische Bildung“ vermitteln. Dafür sollte sich der Seelsorger selbst „gründlich“ vorbereitet haben. Auf diese Weise erst könnte sich die Gemeinde „voll, bewusst und tätig“ an der Liturgie beteiligen.

Das Buch „Ein Fest, in dem das Große auf uns zutritt“ ist mittlerweile in der zweiten Auflage erschienen. Herausgegeben vom Diözesanen Zentrum für Liturgische Bildung im Bistum Passau, dessen Leiter Kirchgessner ist, trägt es das Anliegen, die Mitfeier der Messe für jeden Beteiligten zum Fest werden zu lassen, in die kirchliche Öffentlichkeit. Eine Öffentlichkeit, die nicht nur in Deutschland durch die Frage nach der Liturgie gespalten ist. Dem Buch liegt der „Liturgische Friede“, dem das Motu Proprio „Summorum pontificium“ den Weg bereiten sollte, am Herzen: So erteilt Bernhard Kirchgessner einerseits jeder kirchenpolitischen Instrumentalisierung der Liturgie eine Absage. Andererseits möchte er das Missale Pauls VI. durch Elemente bereichern, die oftmals als Bestandteile der forma extraordinaria zu Unrecht in Verruf geraten sind, wie der Gregorianische Choral und die lateinische Sprache. Es ist zu wünschen, dass dieses Buch reiche Frucht bringt. Der Autor selbst gibt Impulse für eine „Liturgische Erneuerung“. Die Liturgie müsse der „wahren Einfachheit“ entsprechen, denn „alles wahrhaft Anspruchsvolle und Tiefsinnige trägt die Züge edler Einfachheit“. Dann die Einheit in der Vielfalt: die „Einheit der katholischen Liturgie korrespondiert durchaus mit einer Verschiedenheit der Möglichkeiten“. Dazu die Ostung im Kirchenbau zur Veranschaulichung der kosmischen Dimension der Liturgie. Schließlich der Blick auf das Altarkreuz, in dem Gemeinde und Priester sich auf den gemeinsamen „Bezugspunkt“ des Gekreuzigten und Durchbohrten ausrichten. Diese Impulse für die Liturgie entsprechen einem Herzensanliegen von Benedikt XVI., da christliche Frömmigkeit im Wesentlichen eucharistische Frömmigkeit ist. Die Heilige Messe müsse in den Alltag wirken und ihn gleichzeitig wandeln. Dabei steht Bernhard Kirchgessner in einer langen Passauer Tradition: Er blickt nach Österreich zu den Zisterziensern von Heiligenkreuz und schaut auf deutsche Impulse in der Liturgie wie bei Romano Guardini.

Bernhard Kirchgessner: Ein Fest, in dem das Große auf uns zutritt. Mosaiksteine einer Theologie der Liturgie Joseph Ratzingers – Papst Benedikt XVI. Diözesanes Zentrum für Liturgische Bildung, Passau, 40 Seiten, bestellbar per Mail: liturgie@bistum-passau.de