Der dicke Hund: Töten für Jesus?

Ein ZDF-(Des)Info-Video über christlich motivierte Gewalt geht derzeit durch die Sozialen Medien. Von Josef Bordat

DER DICKE HUND: Antikirchliche Jugo- Nostalgie im ORF

Ein „ZDF-(Des)Info“-Video über christlich motivierte Gewalt geht derzeit durch die Sozialen Medien, wurde dort erstaunlich kritisch aufgenommen und hat auch schon zu der einen oder anderen Beschwerde beim Sender geführt. Worum geht's? Unter dem Titel „Töten für Jesus?“ und dem Motto „Meist ist es islamistischer Terror, der in den Schlagzeilen landet. Doch auch das Christentum wird weltweit als Rechtfertigung für Gewalt benutzt“ (als Abwandlung des bekannten Stereotyps „Ihr Christen seid ja auch nicht besser!“) werden in einer flotten Animation fünf Beispiele für Kriminalität, Terror und Krieg genannt, die sich angeblich direkt dem Christentum verdanken: Der „Ku Klux Klan“ und Anschläge auf Abtreibungskliniken in den USA, die LRA um Joseph Kony in Uganda, Christen in Indien, die derzeit angeblich im Nordosten des Landes einen eigenen Staat herbeibomben, Milizen im Libanonkrieg (1980er Jahre), die gemeinhin als „christlich“ bezeichnet wurden, und – na, klar – Anders Behring Breivik, der in Norwegen ein Blutbad anrichtete. Sie alle, so das ZDF, hätten behauptet, für Jesus getötet zu haben. Statt nun in journalistisch-kritischer Distanz zu prüfen, ob diese Einlassungen – wenn sie denn tatsächlich so vorgenommen wurden – im Einzelnen Sinn ergeben, wird suggeriert, dass man beim Christentum in Sachen Gewalt ruhig mal etwas genauer hinschauen sollte.

Gut, dann machen wir das mal: Genauer hinschauen. Was sehen wir? Die Botschaft Jesu ist gewaltig, aber nicht gewaltsam. Im Spiegel der Barmherzigkeit, aber auch der beispielgebenden Gewaltlosigkeit seines Auftretens resultiert Friedfertigkeit als Schlüsselkonzept des christlichen Glaubens, nicht Gewaltbereitschaft. Ein Christ kann sich nicht auf Jesus berufen, wenn er Gewalt anwendet. Niemals. Selbst bei Seiner Verhaftung sagt Christus sehr deutlich, was er von Gewalt hält: Nichts (vgl. Joh 18, 10–11). Die Heilige Schrift der Christen lehrt Liebe und Friedfertigkeit. Nicht jedoch Gewalt. Das erkennt man, wenn man die Schrift von Christus aus liest und sich vor bewussten Missverständnissen in der Auslegung hütet. Wenn man die Bibel nicht wörtlich nimmt, sondern ernst. Ergo: Gewalt findet keine Deckung durch den christlichen Glauben, die historischen und aktuellen Verfehlungen von Christen gab und gibt es nicht wegen, sondern trotz des Christentums.

Christen haben umgekehrt immer selbst Gewalt erfahren und tun es noch heute. Die Entstehungsbedingung des Christentums ist erlittene Verfolgung. Die Christenverfolgung ist heute eine der größten humanitären Katastrophen. Wie viele Christen tagtäglich unter Schikanen, Repressionen und Behördenwillkür zu leiden haben, wissen wir nicht, die Schätzungen gehen von 100 bis 250 Millionen Menschen weltweit aus. 80 Prozent aller Menschen, die aus religiösen Gründen verfolgt werden, sind Christen. Ihr Anteil an den Menschen, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet werden, liegt bei weit über 90 Prozent. Unter diesen Umständen so zu tun, als habe man die Gewalt der Christen vor lauter Fixierung auf den Islam schlichtweg übersehen und als habe man da jetzt aber langsam mal einiges nachzuholen, ist ein dicker Hund.