Der amerikanische Traum vom sozialen Aufstieg

Obwohl „Die Monster Uni“ nicht so kreativ ist wie „Die Monster AG“, überzeugt die Geschichte über Freundschaft. Von José García

Um zum Studium der Schreckologie wieder zugelassen zu werden, müssen James P. „Sulley“ Sullivan (links, deutsche Stimme: Reinhard Brock) und Mike Glotzkowski (Ilja Richter) etliche Hindernisse überwinden. Foto: Disney
Um zum Studium der Schreckologie wieder zugelassen zu werden, müssen James P. „Sulley“ Sullivan (links, deutsche Stimme:... Foto: Disney

Im Jahre 2001 brachte das Animationsstudio Pixar mit „Die Monster AG“ (Monsters, Inc.) seinen vierten abendfüllenden Spielfilm ins Kino. Die Geschichte um die zwei Monster Mike Glotzkowski und James P. „Sulley“ Sullivan begeisterte gleichermaßen Zuschauer und Kritiker durch die perfekte Animation, insbesondere aber durch eine ganz originelle Geschichte, die aus der Sicht von Kinder erschreckenden Monstern erzählt wurde, wobei sich die Monster Glotzkowski und Sulley im Grunde als liebevolle Wesen herausstellten.

In ihrem nunmehr 14. Langspielfilm „Die Monster Uni“ („Monsters Inc. 2: Monsters University“) bringen die Pixar-Filmemacher keine Fortsetzung, sondern ein sogenanntes „Prequel“, die Vorgeschichte zu „Die Monster AG“, auf die Leinwand. „Die Monster Uni“ erzählt, wie Mike und Sulley zu den Stars der Monster AG und vor allem zu besten Freunden wurden. Nach einer Vorgeschichte mit Mike Glotzkowski als Kind und einem liebevoll gezeichneten Vorspann beginnt „Die Monster Uni“ mit Mikes erstem Tag auf der Uni. Seit seinen Kindertagen will er ein berühmter Schrecker werden, um sich in menschliche Kinderzimmer einzuschleichen und Kinder in Angst zu versetzen. Deshalb schreibt sich Mike in Schreckologie ein, wo er auf den faulen Studenten aus berühmten Haus James P. „Sulley“ Sullivan trifft. Nach einem Zwischenfall werden Mike und Sulley jedoch von der strengen Dekanin Hardscrabble aus der Fakultät ausgeschlossen. Ihre letzte Chance besteht darin, bei den universitären Schreck-Spielen als Sieger hervorzugehen. Dafür müssen sie aber ein Team finden, das sie aufnehmen will. So landen sie bei der „Omega Kreischma (OK)“, einer Ansammlung von liebevollen Loosern, die bei der Mutter vom naiven, orientierungslosen Scott „Squishy“ Squibbles residiert.

Über die Grundidee der zunächst mit vielen Hindernissen gepflasterten Freundschaftsgeschichte zwischen Mike und Sulley und der wunderbaren Persiflage auf amerikanische Colleges mit ihren Studentenvereinigungen, Debatierclubs und sonstigen Einrichtungen hinaus handelt „Die Monster Uni“ auch vom uramerikanischen Traum des sozialen Aufstiegs: Kann es sich Sulley als Nachfahre einer prominenten Monsterfamilie leisten, als faul und überheblich aufzutreten, so muss sich Mike seine Position durch einen außerordentlichen Fleiß erarbeiten. Durch harte Arbeit und Glauben an sich selbst ist alles möglich, lautet da die Botschaft.

Mit jedem neuen Film führt Pixar die Animation einen Schritt weiter. Dies ist ebenso bei „Die Monster Uni“ der Fall, wobei sich die perfekte computergenerierte Animation nicht nur auf das Visuelle beschränkt. Auch die Tonspur, etwa in den Geräuschen von auf den Pflastersteinboden fallendem Metall, wirkt erstklassig. Die Pixar-Animationsschmiede zeichnete sich jahrelang jedoch vor allem durch die Verknüpfung von einer nuancierten Charakterzeichnung mit einer originellen Geschichte aus. Zwar ist die Grundidee von „Die Monster Uni“ – eine Geschichte von Zusammenhalt und Freundschaft – sowie die College-Persiflage mit den etwa an Harry Potters Hogwarts erinnernden Studentenvereinigungen bereits durchaus bekannt. Bei aller Figurenvielfalt besitzen die unterschiedlichen Charaktere durchaus einen Eigenwert, beispielsweise der ehemalige Vertreter im Seniorenstudium Don Carlton, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit seine Visitenkarte aus der Tasche zückt, oder die ehrfurchtgebietende Dekanin Hardscrabble, die Leiterin der Fakultät für Angst und Schrecken, die ihr Urteil über Mike und Sulley revidieren muss. Auch dank der markanten, liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, die sich nicht vor die Hauptfiguren drängen, sondern sie vielmehr unterstützen, kann „Die Monster Uni“ als gelungener Animationsfilm bezeichnet werden, wenn auch der aktuelle Pixar-Film an Originalität hinter „Die Monster AG“ um Einiges zurückbleibt.

Einen Geniestreich in Sachen Kreativität bietet hingegen der – wie bei den Pixar-Filmen üblich – „Die Monster AG“ vorgeschaltete Kurzfilm. „Der blaue Regenschirm“ des für Pixar tätigen deutschen Regisseurs Saschka Unseld erzählt in sechseinhalb Minuten die sich anbahnende Romanze zwischen einem blauen Regenschirm und einer roten Regenschirm-Dame in einer vom Regen gräulich erscheinenden Welt. Unseld lässt etwa auf überaus originelle Weise aus den Geräuschen der Regentropfen Musik entstehen. Grandios nimmt sich aber insbesondere der Übergang der fotorealistisch gezeichneten Stadt zu lebendig wirkenden Gegenständen aus. Die Fähigkeit, aus buchstäblich Allem Gesichter zu formen, spricht ebenfalls für die einmalige Begabung der Pixar-Animatoren.