Würzburg

Der Sturm auf die Bastille

Auf zum letzten Gefecht: Wie Forscher den deutschen Embryonenschutz bis auf die Fundamente schleifen wollen.

Embryonenschutz
Forscher wollen Embryonenschutz bis auf die Fundamente schleifen. Foto: (50679218)

Eizellspende ausnahmslos verboten. Leihmutterschaft ausnahmslos verboten. Präimplantationsdiagnostik verboten. Über Ausnahmen entscheiden regionale Ethikkommissionen. „Elektiv Single Embryo Transfer“ verboten. Und doch ist Deutschlands Embryonenschutzgesetz löchrig wie ein Schweizer Käse.

Im internationalen Vergleich freilich nimmt sich der deutsche Embryonenschutz immer noch wie eine Festung aus. Und das seit 30 Jahren. Nun soll sie geschliffen werden. Bis auf den Grund. Unter der Flagge der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaft hat eine Arbeitsgruppe um den Mannheimer Medizinrechtler Jochen Taupitz dazu einen Schlachtplan entworfen und eine Stellungnahme für ein „zeitgemäßes“ Fortpflanzungsmedizin vorlegt.

Massenproduktion verwaister Embryonen

Wollte sich die Politik die Ratschläge der Wissenschaftler zu eigen machen, so würden pro Jahr in Deutschland mehr als eine halbe Million Embryonen im Labor erzeugt, für die ihre Gametenspender in der Mehrzahl überhaupt keine Verwendung hätten. Sie müssten in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingefroren und gelagert werden. Auf diese Weise entstünde ein stattliches Vorratsdepot für Forscher, die mit CRISPR/Cas-Genscheren an menschlichen Embryonen herumbasteln wollen.

Angriff auf die bürgerliche Familie

Doch damit nicht genug. Nach dem Willen der Autoren sollen künstliche Befruchtungen in Deutschland künftig nicht länger verheirateten, heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben. Die Autoren fordern, sie auch homosexuellen und Nichtverheirateten zugänglich zu machen.

Ihre Forderungen begründen die Wissenschaftler unter anderem damit, dass „das seit dem 19. Jahrhundert dominante Modell der bürgerlichen Familie, die sich auf die Ehe als Liebesehe, auf Monogamie und eine bestimmte, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gründete“, „kulturgeschichtlich eher eine Ausnahme“ darstelle. Droht also ein neuer Kulturkampf?

Tagespost-Bioethik-Experte Stefan Rehder hat die rund 120 Seiten umfassende Stellungnahme gelesen. Seine erhellende Analyse finden Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 13. Juni 2019. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

DT/reh (jobo)