Der Kommissar in der Soutane ermittelt

Recherchen zwischen Rom und München: ZDF-Krimireihe mit kirchengeschichtlichem Hintergrund

Pater Simon Castell, der Commissario des Heiligen Stuhls, kümmert sich ab Donnerstag im ZDF um Kriminalfälle mit kirchengeschichtlichem Hintergrund. Francis Fulton-Smith spielt in der neuen Serie „Ihr Auftrag, Pater Castell“ den smarten Sonderbeauftragten des Vatikan, der als Krisenmanager zum Einsatz kommt, wenn das Ansehen der Kirche in Gefahr ist.

Im Pilotfilm „Das Labyrinth“, den das ZDF ab dem 8. Mai um 20.15 Uhr sendet, wird der Pater von seinem Auftraggeber, Kardinal-Staatssekretär Scarpia (Hans Peter Hallwachs) in seine bayrische Heimat entsandt. Er soll die mysteriösen Umstände untersuchen, die zum Tod von Friedrich Treber, dem Anwärter auf das Bischofsamt von Freising, geführt haben. Dieser hatte offenbar mit letzter Kraft versucht, ein Auto auf der nächtlichen Landstraße zu stoppen. Sein Gesicht und seine Hände waren blutverschmiert, die Fingernägel ausgerissen und die Kleidung mit Lehmklumpen bedeckt.

Am Tatort nimmt Marie Blank (Christine Döring), Hauptkommissarin des Münchner LKA, die Fakten auf. „Wer tut denn so etwas?“, fragt sie erschüttert nach einem Blick auf die Leiche. „Wahrscheinlich ein Protestant“, tippt ihr Teamkollege Jens Deißmann von der Gerichtsmedizin. Zurück in München sucht sie im Arbeitszimmer des Verstorbenen nach weiteren Spuren und trifft dort auf einen attraktiven Pater aus Rom, der sich als Simon Castell, Sonderbeauftragter des Vatikan, vorstellt. Die Kommissarin vermutet, dass er gekommen ist, um wichtige Informationen unter den Teppich zu kehren, und verbittet sich jegliche Einmischung in ihre Ermittlungen.

Castell entdeckt das durchgedrückte Wort „Erdställe“ auf der Schreibunterlage des Opfers, außerdem einige Bücher, die sich mit historischen Erdbauten und einem Märtyrer aus dem siebten Jahrhundert, dem heiligen Emmeram, befassen. Die Kommissarin recherchiert im Internet und findet heraus, dass es sich bei Erdställen um mittelalterliche Tunnelsysteme handelt. Warum interessiert sich auch der örtliche Bodengutachter dafür? Er war die letzte Person, die mit Treber sprach. Bei dem Versuch, ihn zu verhaften, begegnen sich Pater Castell und Kommissarin Blank erneut. Notgedrungen beschließen sie, in Zukunft gemeinsam zu ermitteln. Weihbischof Carl Ludwig, Mitbewerber Trebers auf das Bischofsamt, und der örtliche Bauunternehmer stehen als nächstes auf der Liste der Verdächtigen.

Der Pater, ausgebildet bei der Schweizer Garde und ausgestattet mit Waffen- und Pilotenschein, lädt Marie Blank zu einem Flug nach Rom ein. In den Bibliotheken des Vatikan finden sie schließlich eine alte Karte mit dem entscheidenden Hinweis. Zurück in München starten sie eine abenteuerliche Suche nach dem Labyrinth. Treber, finden Castell und Blank heraus, hatte offenbar versucht, sich mit bloßen Händen durch die Erde zu graben. Doch dann startet der Bauunternehmer den Bulldozer, um die weiteren Ermittlungen zu verhindern.

Die neue Serie des ZDF ist unterhaltsam und actionreich gestaltet; Lerneffekte, Humor und auch leider etwas Kirchenkritik eingeschlossen. Der Regisseur Ulrich Zrenner, der auch „Edel und Starck“ inszenierte, spielt angeregt mit den Möglichkeiten, die ein „James Bond in der Soutane“ bietet. Den zart angedeuteten Beziehungsstress der beiden Hauptfiguren verlegt er vorzugsweise vor die Kulisse urbayrischer Gemütlichkeit. Meistens handelt es sich dabei um das Gasthaus von Maries Mutter, in das auch der Pater einzieht, und Maries Tochter bei den Hausaufgaben hilft.

Die vier Autoren – Lorenz Stassen, Roland Heep, Frank Koopmann und Marija Erceg –, gaben den kirchenhistorisch interessanten Fällen einen modernen Touch, und die Fachberater aus Rom und Mainz sorgten für die notwendige Glaubwürdigkeit. Pater Castell und Marie Blank ermitteln noch in drei weiteren Fällen, in denen es um die Leiche eines Theologieprofessors im Karlsgraben geht, um einen falschen Mönch und den letzten europäischen Heiden. Eine zweite Staffel ist bereits geplant, wenn die Zuschauerreaktion den Erwartungen entspricht.