Der Erste Weltkrieg in Farbe

Kolorierte Originalaufnahmen in der ZDF-Dokumentarreihe „Weltenbrand“. Von José García

Weihnachten 1914 begegnen sich in Flandern britische und deutsche Soldaten außerhalb der Gräben – so in einer nachgespielten Szene in der ZDF-Dokumentarreihe. Dieser „kleine Friede im Großen Krieg“ war nur von kurzer Dauer. Foto: ZDFzeit
Weihnachten 1914 begegnen sich in Flandern britische und deutsche Soldaten außerhalb der Gräben – so in einer nachgespie... Foto: ZDFzeit

Die drei Jahrzehnte zwischen dem Ausbruch des Ersten 1914 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 werden auch „Zweiter Dreißigjähriger Krieg“ genannt, was die Kontinuität zwischen den zwei großen Kriegen in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts unterstreicht. Dies ist ebenfalls der Grundtenor einer achtteiligen Dokumentarreihe, die das ZDF ab dem 18. September unter dem Titel „Weltenbrand“ in zwei Staffeln ausstrahlt: Die dem Ersten Weltkrieg gewidmeten drei 45-minütigen Folgen an den drei aufeinanderfolgenden Dienstagen bis zum 2. Oktober, die fünf der Weimarer Republik und dem Zweiten Weltkrieg zugewandten Sendungen zu noch nicht feststehenden Terminen im Jahr 2013. Für die acht Folgen zeichnen insgesamt in wechselnden Besetzungen fünf Autoren. Die Gesamtverantwortung liegt beim Leiter des ZDF-Programmbereichs Zeitgeschichte Guido Knopp.

Der erste Dokumentarfilm „Sündenfall“ von Christian Frey und Annette von der Heyde verdeutlicht den Zusammenhang zwischen den beiden Weltkriegen bereits zu Beginn: Nach den Bildern vom Kampf um Berlin 1945 heißt es: „1945 endet, was 1914 begann“, um dann Bilder vom Alexanderplatz 1914 zu zeigen. Darüber hinaus folgt „Sündenfall“ den Spuren von Adolf Hitler und dem späteren britischen Feldmarschall Bernard Law Montgomery im Ersten Weltkrieg, um die Kontinuität zwischen beiden Kriegen hervorzuheben. Mit wenig nachgespielten Szenen – vor allem des sogenannten „kleinen Friedens im Großen Krieg“, als am Heiligabend 1914 in Flandern Soldaten der gegnerischen Armeen auf beiden Seiten der Gräben Weihnachten feierten, Interviews mit Historikern – insbesondere mit Ian Kershaw – und einer Fülle von Archivmaterial wird in „Sündenfall“ das erste Kriegsjahr nachgezeichnet mit dem von den deutschen Militärstrategen gefürchteten Zweifrontenkrieg, der zum Rückzug der Truppen an der Marne und später auch zum verheerenden Grabenkrieg führte.

Die Dokumentaraufnahmen wurden restauriert, auf heute übliche Geschwindigkeit (24 Bilder pro Sekunde) gebracht und per Hand koloriert. Bislang als schwarzweiß bekannte Aufnahmen erscheinen in „Weltenbrand“ in Farbe. Die Kolorierung wurde bei der Präsentation der Dokumentarreihe in Berlin kontrovers diskutiert. Gerade weil sie die Distanz aufhebt, die der heutige Zuschauer zu diesen Bildern hat, verfälscht sie den Blick, suggeriert eine Realität, die nur fragmentarisch ist, meinen die Kritiker. Schwerer wiegt jedoch, dass die ZDF-Dokumentarreihe über die Vorgeschichte und die Ursachen des ersten Weltkrieges gar nichts zu berichten weiß. So heißt es dort: „Kaum jemand dachte an den Ausbruch eines großen Krieges, als die Welt am 28. Juni 1914 von der Ermordung der österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo erfuhr.“ Für die Filmemacher kam der Krieg offenbar aus heiterem Himmel. Die dunklen Gewitterwolken, die sich seit Jahren über Europa zusammenbrauten, finden keine Erwähnung. Zwar ist von der Kriegsbegeisterung, die im August 1914 Europa erfasste, sogar von der damals so geglaubten „reinigenden Kraft“ des Krieges die Rede. Was damit gemeint wurde, davon erfährt der Zuschauer ebenfalls nichts.

Die Reihe wird am 25. September („Fegefeuer“) und am 2. Oktober („Völkerschlacht“) fortgeführt. Eine zweite, fünfteilige Staffel wird sich dem Geschehen der Jahre 1918 bis 1945 widmen. Sie soll im Jahre 2013 ausgestrahlt werden. Parallel zur Dokumentarreihe ist das von Guido Knopp selbst verfasste Buch „Weltenbrand“ mit 272 Seiten und 236 Abbildungen erschienen. Mit „Weltenbrand“ verabschiedet sich der ZDF-Chefhistoriker in den Ruhestand.

– „Weltenbrand“. Dokumentarreihe. 1. Sündenfall, Dienstag, 18. September, 21.45 Uhr, ZDF, 45 Minuten

– Guido Knopp. Weltenbrand. Die Kriege der Deutschen im 20. Jahrhundert. Pendo Verlag, 272 Seiten, ISBN: 9-783- 86612-285-7, EUR 19,99