Den Weltuntergang abwenden

"Dark": Die zweite Staffel erzählt von einer bevorstehenden Apokalypse auf fünf Zeitebenen, handelt aber letztlich von der Frage nach dem freien Willen Von José García

Jonas (Louis Hofmann) will die „Apokalypse“ verhindern, die alle 33 Jahre geschieht – immer wenn ein neuer „Zyklus“ beginnt. Obwohl er dafür in die Vergangenheit reist, landet er in einer postapokalyptischen Zukunft. Foto: Netflix

Die deutsche Netflix-Serie „Dark“ (DT vom 25.1.2018) wurde 2018 mit sieben Grimme-Preisen ausgezeichnet. Die erste deutsche Netflix-Eigenproduktion feierte außerdem großen internationalen Erfolg unter den nicht-englischsprachigen Netflix-Serien. „Dark“ verknüpfte das Schicksal von vier Familien in einer fiktiven Stadt auf drei verschiedenen Zeitebenen, in den Jahren 1953, 1986 und 2019. Verschwinden zu Beginn der Handlung Kinder, so scheinen sich die Tragödien alle 33 Jahre zu wiederholen.

In der zweiten Staffel, die nun anderthalb Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Staffel ab dem 21. Juni von Netflix ins Netz gestellt wird, kommen noch zwei weitere Zeitebenen dazu. Einerseits endete Staffel 1 mit einem Epilog im Jahre 2052, wo Jonas (Louis Hofmann) – die eigentliche zentrale Figur der ganzen Serie – unerwartet landete. Dazu kommt zu Beginn der zweiten Staffel eine weitere Zeitebene, die im Jahre 1921 angesiedelt ist. „Wo ist der Ursprung? Wo hat alles begonnen?" – Mit diesen aus dem Off gesprochenen Worten reist der Zuschauer noch weiter in die Vergangenheit als in der ersten Staffel. Es ist der 21. Juni – derselbe Tag, an dem die zweite Staffel uraufgeführt wird. Der Tunnel, der als Ort für die Zeitreisen dient, wird ausgehoben. Da geschieht schon ein erster Mord – die Anspielung auf Kain und Abel wird mit den Worten kommentiert: „Sic mundus creatus est – so ist die Welt geschaffen.“

Gegenüber der ersten hat in der zweiten Staffel eine Verschiebung stattgefunden: Die 33-Jahre-Zyklen bleiben, aber die Handlung ist in den Jahren 1921, 1954, 1987 und 2020 sowie in der postapokalyptischen Welt des Jahres 2052 (oder 2053?) jeweils in den Tagen 21. bis 23. Juni angesiedelt. Dazu erscheint immer wieder der Zwischentitel „6 (5, 4) Tage vor der Apokalypse“. Um diese zu verhindern, möchte Jonas in die Vergangenheit reisen. Während er mit allen Mitteln versucht, ins Jahr 2020 zurückzukehren, suchen seine Freunde Martha Nielsen (Lisa Vicari), Magnus Nielsen (Moritz Jahn) und Franziska Doppler (Gina Stiebitz) ebenfalls nach Möglichkeiten, zu ihm zu kommen.

Allerdings ist der junge Jonas nicht der Einzige, der die Vergangenheit verändern will: Sowohl ein „Fremder“, der sich bereits in der ersten Staffel als Jonas in mittleren Jahren (Andreas Pietschmann) herausgestellt hatte, als auch die ältere Version von Claudia Doppler (Luise Kreuzer) möchten die „Apokalypse“ abwenden. Als deren Gegenspieler tritt wieder „Noah“ (Mark Waschke) in Priesterkleidung auf, der das Zeitreisen für sich beanspruchen will.

Weil die an sich bereits zahlreichen Figuren jeweils zwei- oder sogar dreimal besetzt sind, fällt es dem Zuschauer nicht leicht, den Überblick über das ganze Figurengeflecht zu behalten. Eine Hilfe bietet die zweite Staffel – allerdings erst in der dritten Folge –, indem die verschiedene Figuren in den unterschiedlichen Zeitebenen nacheinander zu sehen sind. Den Überblick zu behalten, hilft ebenfalls eine schnellgeschnittene Sequenz am Ende einer jeden Folge, in der sozusagen der Status Quo der jeweiligen Protagonisten wiedergegeben wird.

Die Stärken der „Dark“-Serie von Baran bo Odar und Jantje Friese liegen sowohl in den Schauspielern als auch in der bedrohlich wirkenden Atmosphäre: Die zweite Staffel fällt sogar noch düsterer als die erste aus. Neben dem klassischen Kampf zwischen Licht und Schatten, zwischen Gut und Böse handelt „Dark“ insbesondere auch von der Frage, ob der Lauf der Zeit unveränderlich ist, oder aber der Mensch mit seinem freien Willen dem Sich-Wiederholenden Einhalt gebieten kann.

Inzwischen wurde bekannt gegeben, dass „Dark“ nach einer dritten Staffel enden soll, deren Ausstrahlungstermin freilich noch nicht feststeht.

Die zweite Staffel von „Dark“ (8 Folgen a etwa 55 Minuten) startet am 21. Juni bei Netflix.

Vorliegende Besprechung basiert auf den zur Verfügung gestellten ersten vier Folgen.