Das Schöne rettet die Welt

Acht europäische Staatspräsidenten im Grazer Dom

Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari hat in der vergangenen Woche acht europäische Staatspräsidenten im Grazer Dom empfangen. Die Präsidenten halten sich auf Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer zu einem zweitägigen „informellen multilateralen Treffen“ in der steirischen Landeshauptstadt auf. Kapellari erläuterte den Staatsoberhäuptern die spirituelle Konzeption und die Kunstschätze des gotischen Doms mit seiner barocken Ausstattung. Der Dom sei gemeinsam mit der Grazer Burg – dem Sitz der Landesregierung – und dem benachbarten Mausoleum ein Teil der sogenannten „Grazer Stadtkrone“. Durch seine Geschichte und künstlerische Ausstattung sei die Kathedrale „eine europäische Adresse von hohem Rang“, erläuterte der Bischof. Als Zentrum der Diözese Graz-Seckau mit 900 000 Katholiken sei der Dom aber „kein Museum“. Er sei vielmehr ein Ort des Gebetes und ein Ort, an dem auch Menschen anderer Religion oder ohne religiöses Bekenntnis einkehren, um die Wahrheit eines Wortes von Dostojewski zu erleben, der gesagt hat: ,Das Schöne wird die Welt retten‘“, so Bischof Kapellari.

Teilnehmer des Treffens, das mit einer Arbeitssitzung zum Thema „Europäische Perspektiven im Lichte des Vertrags von Lissabon“ begann, sind die Staatsoberhäupter Tanja Halonen (Finnland), Anibal Cavaco Silva (Portugal), Lech Kaczynski (Polen), Laszlo Solyom (Ungarn), Valdis Zatlers (Lettland), Giorgio Napolitano (Italien) und Horst Köhler (Deutschland).

Der Grazer Bischof verwies beim Besuch der Präsidenten im Dom auf die Geschichte des Gotteshauses. Kaiser Friedrich III., der Vater Kaiser Maximilians I., habe ihn im 15. Jahrhundert in seiner Residenzstadt als seine Hofkirche erbauen lassen. Spätere Habsburgerherrscher machten den Dom zur Kirche der Jesuiten; diese gründeten eine Universität und ein großes Kollegium „mit Ausstrahlung in viele Nachbarländer Österreichs“, vor allem nach Ungarn, Tschechien, in die Slowakei, Kroatien und Slowenien. Graz sei so ein „Zentrum der katholischen Reform nach dem Konzil von Trient“ gewesen. DT/KAP