„Das Internet gehört allen“

Doch wie weit darf das Engagement der Öffentlich-Rechtlichen gehen? Der WDR und die WAZ kooperieren

Jahrelang haben Verleger mit ARD und ZDF über die Gestaltung öffentlich-rechtlicher Online-Portale gestritten. Nun wagen im Westen WDR und WAZ eine Kooperation. Und dennoch schwelt der Konflikt weiter, wie ARD-Intendant Fritz Raff und Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, in einer Diskussion über die Zukunft der digitalen Welt beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am Dienstag bewiesen.

Vermutlich gehen die Gebühren auch in den Online-Auftritt

„Das Internet ist mehr als ein Verbreitungsweg, es hat maßgeblichen Einfluss auf das Nutzerverhalten“, sagte Raff. Der User könne nicht nur ein lineares Programm abrufen, sondern Zusatzinformationen recherchieren. Und genau in diesem Mehrwert sah Heinen für seine Verbandsmitglieder das Problem. Er fürchtet, dass ARD und ZDF einen nicht unerheblichen Teil der Gebührengelder verwenden, um ihre Onlineauftritte auszubauen– und so privatwirtschaftlich getragenen Zeitungen und Zeitschriften Konkurrenz machen. „Das würde einen wesentlichen Eingriff darstellen“, so Heinen.

„Wir sind kein Störenfried, sondern ein Teil der Vielfaltsicherung“, entgegnete Raff. Beim derzeitigen finanziellen Aufwand von einer Wettbewerbsverzerrung zu sprechen, halte er für unangebracht. In der laufenden Gebührenperiode darf die ARD maximal 0,75 Prozent ihres Budgets für Onlineaktivitäten aufwenden, was „deutlich unter 50 Millionen Euro“ entspricht. Auch mittel- und langfristig könnte der Anteil Raff zufolge nur durch interne Umschichtungen steigen. Eine Obergrenze wollte er nicht nennen. „Ich bin aber offen, notfalls über eine Deckelung zu reden“, sagte er.

Es gibt nur die Chance, Stärken auszuspielen

Von einer „Verlängerung des Printmediums ins Internet“ zu sprechen, hält Raff schon allein systemtheoretisch für unzutreffend. „Das Internet gehört allen“, lautete sein Credo. „Wir werden nur eine Chance haben, wenn wir unsere Stärken ausspielen, und die liegen bei Video- und Audiobeiträgen“, sagte er. Textbegleitende Elemente schloss er jedoch nicht aus. Die jüngst besiegelte Kooperation zwischen WDR und WAZ ist in seinen Augen sinnvoll, da beide Nutzen daraus zögen. Das von einer ARD-Anstalt produzierte Content in journalismusferne Angebote integriert werden könnte, schloss er kategorisch aus. „Wir stehen nicht als Werberahmenprogramm für Verkaufsveranstaltungen zur Verfügung“, meinte Raff. DT/dpa