Das Ende des Glaubensjahres und das Drama der Kirche, die Frage nach dem richtigen Menschenbild und die Antwort von Papst Johannes Paul II. : Die Zukunft gehört den Christen! Wem sonst?

Die Innenansicht der Kirche in Deutschland rechtfertigt die depressive Stimmung im Rückblick auf das Jahr des Glaubens. Blicken wir dagegen auf die Fakten in der Welt, wie sie die Medien uns täglich zuliefern, könnten uns Christen Flügel wachsen!

Erstens) Die Welt von heute befindet sich in einem Paradigmenwechsel. Die Moderne liegt hinter uns. Die Zukunft gehört den Christen. Wem sonst? Wer stellt denn in der allgegenwärtigen Desorientierung Orientierungswissen zur Verfügung? Der „Estrela-Bericht“? Gute Nacht Europa!

Zweitens) Beide sozio-ökonomischen Modelle der Moderne sind gescheitert. „Der Sozialismus ist ausverkauft“ (H. M. Enzensberger). Sein Humanismus ist „Christentum light“. Über ein realistisches Bild vom Menschen verfügt der demokratische Sozialismus ebenso wenig wie sein jakobinischer, neuerdings nicht mehr verleugneter Bruder, der sich vierzig Jahre lang unter „idealen“ Bedingungen einer Erziehungsdiktatur auf deutschem Boden vergeblich an dem Versuch abgearbeitet hat, das „Neue Deutschland“ aufzubauen und einen „neuen Menschen“ zu schaffen. – Gleiches gilt für den Liberalismus. Als Manchester-Liberalismus wurde er zum Paten des Marxismus. Als Neo-Liberalismus wurde er nach der Wende 1989/90/91 zum Kraftwerk der Entgrenzung der Freiheit. Die Politik ist derzeit mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt, Re-Regulierung aller Orten. Liegt dem etwa ein ordnungspolitisches Konzept zugrunde? Fehlanzeige! Es fehlt an anthropologischer Kompetenz. Wir haben in den Köpfen die Endmoräne der Moderne noch nicht verlassen.

Drittens) Der Entdecker der mangelnden anthropologischen Expertise der falschen Propheten und politischen Praktiker der Moderne war Papst Johannes Paul II. Als Professor der Philosophie, mit bürgerlichem Namen Karol Wojtyla, entwarf er noch in seiner Krakauer Zeit eine kurz gefasste philosophische Anthropologie in drei gedanklichen Schritten. Frage: Was unterscheidet den Menschen von der übrigen belebten Natur? Antwort: Vernunft, Gewissen und Wille. – Was benötigt der Mensch zur Entfaltung dieser Talente? Antwort: Die Freiheit! – Und wie ist unter den Bedingungen der Freiheit das zwischenmenschliche Verhältnis zu denken? Ethik? – Nein, sagt dazu der Philosoph Wojtyla, Ethik ist normatives Denken. Das schränkt die Freiheit ein. Was aber anstelle der Ethik? Antwort: Empathie, also Liebe.

Das ist die christliche Antwort, die uns in unserem postmodernen Hirn noch nicht eingedrungen ist. Diese Antwort fehlt, weil unser Bildungsbetrieb die Frage nach dem Menschen nicht stellt, und wo er sie stellt, den Menschen als Leib-Geist-Seele-Wesen fragmentiert. Geist und Seele gehören zusammen. Denn unsere perzeptive Intelligenz reicht weiter als unser kognitives Denken. Modernes Denken hat uns auf kognitives Denken enggeführt. Daher hatte das Gewissen in der Moderne seit Nicolo Machiavellist und Jean Bodin in Kombination mit der Macht kaum noch eine Chance. Gleichwohl ist das Gewissen in jedem Menschen so natürlich eingewurzelt wie sein Anspruch auf Freiheit. – Das alles ist im Hinblick auf Bildung und Politik in der Christlichen Gesellschaftslehre durchdacht und aufgeschrieben worden, die Freiburger Denkschule der Ökonomen nicht zu vergessen (Zur Kulturgeschichte des Gewissens, vgl. Josef Bordat „Das Gewissen“, 2013).

Zwei Aspekte sind in der Literatur der Klassiker noch nicht enthalten, die neuartige, zur Despotie tendierende Bedrohung durch Agenturen, die im digitalen Netz weltweit Daten über Menschen sammeln, Profile erstellen und letztlich auch politische Ziele verfolgen, und als Gegenbewegung der Aufbruch zu einer Kultur des Zusammenlebens, ohne die wir unsere Freiheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlieren werden. Eine Kultur des Zusammenlebens aufzubauen ist Aufgabe der Christen. Wer könnte es denn an ihrer Stelle?

Depression war gestern! Vertiefung des Glaubens in eucharistischer Anbetung ist heute geboten. Dann sind wir morgen Hoffnungsträger in unserer Gesellschaft.