„Das Aufgebot an Stars war noch nie so groß“

Etwas Einzigartiges in Europa – Gloria Fürstin von Thurn und Taxis stellt die sechsten Regensburger Schlossfestspiele vor

Im 17. und 18. Jahrhundert soll es üblich gewesen sein, dass der Schlossherr sein Zimmer räumte, wenn hochkarätiger Besuch kam. Wäre es heute noch so, müsste Gloria Fürstin von Thurn und Taxis bald Platz für ein großes Aufgebot an Stars machen. Vom 11. bis 23. Juli nämlich verwandelt sich ihr Schloss in Regensburg samt Hof in eine Art Klein-Hollywood: Zum 6. Mal finden dort die Schlossfestspiele statt. „Ausziehen muss ich nicht, das Schloss hat 500 Zimmer“, sagte die Fürstin zwinkernd am Dienstag in einem Münchener Restaurant, wo sie mit dem Festspiel-Veranstalter Reinhard Söll das Programm vorgestellt hat.

Die Pressekonferenz war zugleich eine Kostprobe dessen, was den Besucher der Festspiele erwartet: Luxus und Schlossatmosphäre. Kellner servierten Cocktails und später ein Dreigänge-Menü. An einer Wand des Zimmers hing ein großes Poster mit der Schlossfassade.

Liza Minelli kommt auch

Hinter Glasvitrinen, die in die dunkel vertäfelte Holzwand gebaut waren, standen Kostbarkeiten aus dem Hause Thurn und Taxis: ein Porzellanteller mit dem Portrait der Fürstin, Silberbesteck, Briefmarken und eine Schatulle. Auf einer Demo-DVD präsentierten die Veranstalter einige der Stars, die zu den Festspielen erwartet werden. „Das Aufgebot an Stars war noch nie so groß wie es in diesem Jahr sein wird“, sagte Fürstin Gloria. Um nur einige zu nennen: Boney M., Jazz-Trompeter Till Brönner, der bei den Festspielen nach Brasilien entführen wird, und Violonist David Garret, der in den letzten Monaten musikalisch viel Aufsehen erregt hat.

So verschieden die Stars sein werden, so kontrovers wird das Programm: klassische Symphonik, Oper, Operette, Pop, Musical, Jazz. Aber gerade der Kontrast sei es, der den Reiz der Festspiele aus macht, findet die Fürstin.

Fürstin Gloria ist die Schirmherrin der Festspiele und wird an jedem Abend persönlich anwesend sein. Allerdings spielt sie in diesem Jahr nicht selbst mit, wie es seit Beginn der Festspiele 2003 üblich war. „Das Konzept der Stücke ist in diesem Jahr so, dass keine Gastrollen vorgesehen sind“, erläuterte sie. Zuletzt spielte Fürstin Gloria 2007 eine Rolle in der Inszenierung von „Im Weißen Rössl“.

Das „absolute Highlight“ des Festivals sei der amerikanische Superstar Liza Minnelli, die in Begleitung eines Showorchesters aus Las Vegas kommt, sagte Veranstalter Söll. „Das wird unser Big Bang.“ Nicht zuletzt deshalb, weil die Schauspielerin und Sängerin im Februar 2002 an Enzephalitis erkrankt war und jeder dachte, dass sie nie wieder gehen, sprechen, tanzen oder gar singen würde. Es kam anders: Bereits im Juni 2002 stand Minnelli in New York wieder auf der Bühne.

Weitere Attraktionen sind laut Söll der Auftritt der Operndiva Montserrat Cabaillé, die bekannt ist für ihre hauchzarten Pianissimi, und der Auftritt des Startenors Juan Diego Florez, der regelmäßig mit ganz hohen Tönen brilliert.

Unter der Sonne Andalusiens

Er tupft sie mühelos hin – und erntet dafür viel Applaus. In Regensburg wird er die Tonio-Arie aus Donizettis „La fille du regiment“ vorführen, in der neun hohe C's hintereinander getroffen werden müssen.

Als besonderen Farbtupfer im Programm bezeichnete Fürstin Gloria die Entertainerin Barbara Schöneberger. Ihr Debutalbum „Und jetzt singt sie auch noch“ wird präsentiert; frisch, frech und beschwingt soll es sein und vor allem von der Beziehung von Mann und Frau handeln – mal geht es ro-mantisch zu, wie im Cole Porter Klassiker „Let's do it, Let's fall in Love“; mal humorvoll und mal kommt es im zackigen Tangorhythmus daher. Sonst im Programm: die irische Stepptanzshow „Magic of the Dance“, der Musical-Klassiker „My Fair Lady“ und die Märchenoper „Dornröschen“ für Kinder.

Eröffnet wird das Festival den Angaben Sölls in einer spanischen Atmosphäre: Hitze, gleißende Sonne über Andalusien, dazu der herausfordernde Rhythmus des Flamenco, das Blut der Stierkämpfer und ein paar Machos. Mittendrin eine Abenteuerin, Außenseiterin und Freiheitskämpferin: Carmen. Die gleichnamige Bizet-Oper bringt die Staatsoper Breslau mit einer Open-Air-Inszenierung auf die Bühne. Neben den Stars zählt laut Fürstin Gloria vor allem die Atmosphäre: die Bühne, die jede Nacht neu gestaltet wird, die illuminierte Ostfassade am Abend, der Schlosspark, die Kulisse des Innenhofes, in dem rund 3 000 Personen Platz haben, und der Garten, der zum „Chill-out-Bereich für Besucher“ werden soll, wie die Fürstin es formulierte. In dieser Schlossparkatmosphäre serviert Sternkoch Christian Graf von Walderdorff in einem Zeltrestaurant ein dreigängiges Menü. „Wenn die Menschen zu den Schlossfestspielen kommen, dann spüren sie, dass es etwas Einzigartiges in Europa ist“, sagte die Fürstin dazu.

Gäste haben sich selbst aus den Vereinigten Staaten und aus Japan angemeldet. Um Pfingsten herum waren bereits 20 000 Karten verkauft – das sind zwei Drittel des Gesamtkontigents. Söll versicherte jedoch, dass noch Karten für alle Veranstaltungen zu haben sind.

Eine Besonderheit der Festspielen wird die Nähe zu den Stars. Rolando Villazón war 2006 einer Künstler, die eine ganze Stunde lang Autogramme gegeben haben. Villazón zeichnete zusätzlich jedem, der zu ihm kam, noch ein Cartoon. Irgendwann kam eine Besucherin und legte dem Sänger eine Nagelschere hin. Villazón schaute die Schere an, überlegte, zögerte – und schnitt sich dann eine Locke ab.