Das Antlitz Christi suchen

Autor und Regisseur Ingo Langner im Gespräch über seinen Film „Das Antlitz Christi“ nach der Jesus-Trilogie von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. Von José García

Autor und Regisseur Ingo Langner mit Papst emeritus Benedikt XVI. bei der Vorstellung von „Das Antlitz Christi“ im Vatikan. Foto: Privat
Autor und Regisseur Ingo Langner mit Papst emeritus Benedikt XVI. bei der Vorstellung von „Das Antlitz Christi“ im Vatik... Foto: Privat
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über die Jesus-Bücher zu drehen?

Obwohl ich in den neunziger Jahren sieben Jahre lang für ein Büchermagazin der Deutschen Welle Filme über Bücher drehte, kam auf diese Idee nicht ich, sondern die katholische Filmproduktionsfirma „Tellux“, die sie an mich herantrug. Mit „Das Antlitz Christi“ schließt sich für mich ein Kreis: 2006 drehte ich einen Film zum 500. Jahrestag des neuen Petersdoms. Ein Jahr später durfte ich einen Film zum 80. Geburtstag Papst Benedikts drehen: „Benedikt XVI. – eine deutsche Geschichte“. Und jetzt folgt ein Film über Jesus von Nazareth.

Sie haben sich in Anlehnung an die Suche nach dem Antlitz des Herrn, von der Benedikt im Buch spricht, für drei Bereiche entschieden. Wie kamen Sie darauf?

Im Vorwort sagt Benedikt XVI.: „Ich bin mein Leben lang auf der Suche nach dem Angesicht des Herrn gewesen.“ Das war für mich der Schlüsselsatz, denn es geht um ein Gesicht. Ich bin ein Augenmensch, und deswegen mache ich Filme. Es geht mir nicht darum, das Buch nachzubuchstabieren, sondern darum, eine Geschichte zu erzählen. Eine eigene Geschichte zwar, die sich aber nicht vom Original entfernen darf, die werktreu sein muss.

Gehört Ihr Film zum Genre des Dokudramas, das Interviews, Originalaufnahmen und nachgespielte Szenen miteinander verknüpft? Oder geht er darüber hinaus?

Ich empfinde den Film als ein sehr persönliches Glaubenszeugnis von mir. Wenn man es einem Genre zuordnen möchte, würde ich ihn deshalb eher als Autorenfilm bezeichnen. Obwohl der Film im Sendeplatz eines Dokudramas ausgestrahlt wird, ist er es nicht. Ein Beispiel: Es gibt zwar „nachgespielte Szenen“ mit einem Schauspieler, der dreimal als junger Priester an den „Ratzinger-Orten“ Freising, München und Regensburg auftritt. Er soll jedoch nicht Joseph Ratzinger, sondern einen jungen Priester verkörpern, der ebenfalls auf der Suche nach dem Angesicht des Herrn ist.

Das Angesicht des Herrn ist darüber hinaus im Film auch in den Bildern von Michael Triegel zu sehen, die einfach auf der Straße auftauchen...

Ausgangspunkt für dieses Element ist die Werbewelt. Da, wo in der Regel Werbung, die materialistische Welt steht, haben wir Christus-Bilder von einem zeitgenössischen Maler hineinplatziert, dem Leipziger Michael Triegel, der mit seinem Papst-Benedikt-Porträt sehr bekannt geworden ist. Christus ist mitten unter uns. Manche Menschen gehen einfach vorbei, andere wiederum vielleicht nicht – das ist die schlichte, leicht zu erkennende Botschaft.

Korrespondiert damit auch der Vor- und Nachspann mit den Graffiti-Sprayern?

Vor 100 Jahren hat Kasimir Malewitsch sein schwarzes Quadrat, ein Schlüsselbild der Moderne gemalt, das in der Tretjakow-Galerie in Moskau ausgestellt ist. Wie sich kürzlich herausstelle, hat er dafür tatsächlich eine Ikone übermalt. Es ist die Propagierung des Nichts, die Gegenwelt zum Wahren, Guten und Schönen. Nun malen die jungen Leute auf eine Wand voller Graffiti, die für mich ein Synonym für die Welt des Dunklen, des Glaubenslosen ist, ein schwarzes Quadrat. Aber jetzt schreiben sie „Jesus von Nazareth“ darauf. Das ist die tiefere Bedeutung, zumal sie dann im Abspann in drei Sprachen „lebt“ dazuschreiben.

Christus ist mitten unter uns – auch in den Werken der Nächstenliebe. Wie haben Sie in dem Bereich die Auswahl getroffen?

Es war sehr schnell klar, dass im Film solche „Missionare“ vorkommen sollten. Der Missionsbenediktiner Pater Gerhard Lagleder leitet seit zwanzig Jahren ein Sterbehospiz mit Krankenhaus in einer südafrikanischen Region, in der mehr als 70 Prozent der Bevölkerung an AIDS erkrankt sind. Den Kontakt stellte der BR-Redakteur Michael Mandlik her, der zwei Jahrzehnte lang ARD-Korrespondent in Rom war und das Benedikt-Pontifikat mit einem „Papst-Studio“ begleitet hatte. Island hat die höchste Zahl Katholiken im Norden Europas, obwohl es nur drei Prozent sind. So lernte ich Pfarrer Hjalti Thorkelsson kennen. Pfarrer Richard Kocher, den ich schon lange kenne, hilft mit Radio Horeb vielen Menschen, wieder oder überhaupt erst zum Glauben zu finden. Das ist Mission pur. Veronica Williams von „Mothers Prayers“ wurde mir von guten Freunden empfohlen. Vor zwanzig Jahren begann sie mit anderen Müttern, für ihre eigenen und für andere Kinder zu beten. Heute gibt es die „Mothers Prayers“ in mehr als 100 Ländern.

Und wie wurden die Interviewpartner ausgesucht?

Die Interviews sind ein zentrales Element, weil darin erklärt wird, wie die Jesus-Bücher einzuordnen sind. Das tun etwa der Theologe Professor Söding, der sich mit eigenen Büchern ausführlich mit der Jesus-Trilogie befasst hat, die Patristik-Spezialistin Professorin Petra Heldt in Jerusalem, Christian Schaller vom Institut Benedikt XVI., auf sehr spezifische Weise die Kardinäle Koch und Gerhard Müller und insbesondere natürlich auch Erzbischof Gänswein, der bekanntlich einen sehr persönlichen Zugang zum Autor der Jesus-Trilogie hat.

Sie haben Benedikt XVI. den Film bereits vorgeführt. Wie hat er ihn aufgenommen?

Nach der Vorführung sagte der Papst emeritus: „Lieber Herr Langner, Sie haben mit diesem Film in einer schönen Weise Schritt für Schritt Jesus den Menschen nähergebracht.“ Kardinal Koch, der zusammen mit Kardinal Müller und Erzbischof Gänswein ebenfalls anwesend war, schrieb mir später in einer Email: „Ich hoffe sehr, dass Ihr großes Werk dazu beitragen wird, dass das Jesusbuch von Papst Benedikt die Herzen von noch mehr Menschen ansprechen wird.“

„Das Antlitz Christi“. Zweiteiliger Film von Ingo Langner. Ostersonntag, 5. April, Ostermontag, 6. April, jeweils 19.00 Uhr, je 45 Minuten, Bayerisches Fernsehen