Chance oder Bedrohung?

Ein Forum diskutiert, welchen Einfluss moderne Medien auf die Sportberichterstattung haben. Von Constantin von Hoensbroech

Für Millionen Anhänger des Fußballs, Volkssport Nummer eins in Deutschland, rollt seit Mitte Januar wieder der Ball durch die Stadien. Die Fans möchten schnell und genau wissen, wann, wo, durch und gegen wen das Runde im Eckigen eingeschlagen hat. Doch wer liefert dazu die besten Bilder und Informationen? Ortswechsel: Bei den Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen verfolgt eine Heerschar von Journalisten, Fotografen und Fernsehteams die Rennen. Während die von einer Grippe geschwächte deutsche Medaillenhoffnung Maria Riesch nach einem Rennen minutenlang auf dem Boden liegt, halten Hunderte von Objektiven und Kameras auf die Skirennläuferin. Wie nah dürfen und sollen Medienleute ran, um den Sport und die damit verbundenen Emotionen einzufangen?

„Eigentlich gibt es eine weitgehend gute Zusammenarbeit zwischen Sport und Medien, eine Symbiose“, sagt Christian Klaue. Doch der Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds schränkt ein: „Vielfach sind die Medien aber auf Schlagzeilen aus, und die gute Recherche bleibt dann auf der Strecke.“ Ein Beispiel: Tagelang berichteten die Medien bei den letzten Winterspielen über einen vermeintlichen Dopingskandal im deutschen Lager, von dem am Ende nichts blieb. Ob es am Wettbewerb um die beste Schlagzeile lag? „Sicher, der Bedarf an Informationen ist größer geworden, ebenso die Zahl der Abnehmer und Interessenten“, sagt der Chefredakteur des Sport-Informations-Diensts (sid), Timon Saatmann. „Bei allem Druck, weniger Geld und Personal in den Verlagshäusern dürfen die Ausbildung und die journalistische Qualität aber nicht auf der Strecke bleiben.“ Es sind nicht zuletzt die neuen Medien, die gerade die Berichterstattung im Sport sowie die Frage nach der journalistischen Qualität stellen. Auf Medienplattformen können die Konsumenten Videos hochladen und so eine größere Öffentlichkeit erreichen. Besonders das fordert Sportredaktionen heraus. „Die modernen Medien – Chancen oder Bedrohung des Sports?“ fragte denn auch treffend das Herbstforum der Regionalgruppe Rheinland der Deutschen Olympischen Gesellschaft dieser Tage im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln. Neben Klaue und Saatmann nahm auch der Medienwissenschaftler Christoph Bertling teil, der die Symbiose von Sport und Medien eher kritisch sieht: „Es fehlt auf beiden Seiten an Verständnis für die jeweilige andere Seite, Sportler und Journalisten begegnen sich eher in einem Spannungsfeld.“ Hinzu komme die Frage nach der Perspektive der Mediennutzung und -berichterstattung im Sport: Geht es um Geschäfts- oder Marketingmodelle? Sollen Teilöffentlichkeiten oder eine breite Öffentlichkeit erreicht werden?

Vereine und Sponsoren erschweren die Arbeit

Dabei wird die Arbeit der Journalisten durch eng vorgegebene Reglementierungen von Vereinen oder Partnern sportlicher Ereignisse erschwert. Zudem drängen Randsportarten über Sponsoren in die Medien. Da bleibt die journalistische Qualität auf der Strecke, der Berichterstattung verkommt zum Event.

Wenn es aber gelingt, über neue Medien und neue Formen der Berichterstattung entsprechende Formate zu entwickeln, kann die Symbiose von Sport und Medien gewinnbringend für alle sein. Aus Sicht der Veranstalter beispielsweise dann, wenn in Foren organisatorische Mängel bei der Durchführung des Wettbewerbs diskutiert werden. Zugleich können Medienanbieter solider journalistischer Arbeit auf eine erhöhte Attraktivität hoffen. Von „weltweiten Zugriffen“ berichtete etwa Marc Brinkmann vom Kölner Fernsehsender Center TV. Deren Berichterstattung über den einheimischen Fußballbundesligisten sowie ein spezielles Format über Eishockey haben dem Sender wachsendes Zuschauerinteresse eingebracht.