Burgerlebnismuseum mit drei Kapellen

Die fränkische Cadolzburg wartet zur Eröffnung mit der Schau „Herrschaftszeiten“ auf. Von Veit-Mario Thiede

Der Wiederaufbau der bei Nürnberg gelegenen Cadolzburg wurde vom Freistaat Bayern mit 38 Millionen subventioniert. Foto: Thiede
Der Wiederaufbau der bei Nürnberg gelegenen Cadolzburg wurde vom Freistaat Bayern mit 38 Millionen subventioniert. Foto: Thiede

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte die bei Nürnberg gelegene Cadolzburg aus. Der Freistaat Bayern hat rund 38 Millionen Euro für deren Wiederaufbau und das in ihr kürzlich eröffnete Burgerlebnismuseum aufgewendet. Seine Dauerschau „Herrschaftszeiten“ bietet einen so unterhaltsamen wie informativen Ausflug in die spätmittelalterliche Glanzzeit der Cadolzburg. Von ihr aus regierten die Hohenzollern ihre fränkischen Besitzungen und die Mark Brandenburg. Die Schau erzählt vom Alltagsleben auf der Burg, vom Gottesdienst, von Festen, Verwaltungsarbeit und Gerichtsbarkeit. In der Küche duftet es nach Ochsenbraten. Es laufen Comicfilme, in denen uns der Hofnarr Contz durch die Burggeschichte führt. Mittels Datenbrille kann man ein Ritterturnier erleben. Gewänder und ein Kettenhemd hängen zur Anprobe bereit.

Modelle und virtuelle Rekonstruktionen veranschaulichen die Baugeschichte der vor 1246 in den Besitz der Hohenzollern gelangten Cadolzburg. Deren Keimzelle ist die sogenannte „Krypta“, in der freilich nie Bestattungen vorgenommen wurden. Sie war ursprünglich eine um 1150 freistehend errichtete Kapelle. Die neuen Burgherren ließen sie um die Unter- und die Oberkapelle aufstocken. Seit der Wiederherstellung der Cadolzburg nutzt die evangelische Kirche die Krypta für Taufen und die Unterkapelle für Gottesdienste. Die Oberkapelle ist Ausstellungsraum für sakrale mittelalterliche Kunstwerke wie den „Klappaltar mit dem heiligen Bonifaz und der heiligen Rosalia“ (um 1500). An den Kapellenbau schließt sich hofseitig links das „Alte Schloss“ mit der auf vier Etagen eingerichteten Erlebnisschau an. Rechts vom Kapellenbau erhebt sich das „Neue Schloss“.

Im Zentrum der Präsentation steht die mittelalterliche Karriere der Hohenzollern. Ihr Aufstieg zu einer der führenden Familien des Reiches begann, als Kaiser Heinrich VI. 1191 den schwäbischen Grafen Friedrich III. (um 1139–1200) mit der Burggrafschaft von Nürnberg belehnte. Durch Erbschaft und Kauf erweiterten die Hohenzollern ihre fränkischen Besitzungen erheblich, gerieten aber regelmäßig in Konflikt mit der Bürgerschaft der Reichsstadt Nürnberg. Daher verlegten sie ihren Hauptsitz von der Nürnberger Burggrafenburg auf die Cadolzburg.

Aufwändige Inszenierungen heben zwei Herrscher hervor. Der eine ist Burggraf Friedrich VI. (1371–1440). König Sigismund belehnte den umsichtigen Diplomaten und Machtstrategen zum Dank für die ihm geleisteten Dienste 1415 mit der Mark Brandenburg und bekräftigte das 1417 auf dem Konstanzer Konzil mit einem Festakt. Der nunmehrige Kurfürst Friedrich I. hielt sich allerdings bevorzugt in Franken statt in Brandenburg auf. Sein ehrgeiziger, durchsetzungsstarker und kontrollsüchtiger Sohn Albrecht Achilles (1414–1486) war der letzte Hohenzoller, der in Personalunion sowohl über die Mark Brandenburg als auch über die beiden fränkischen Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach herrschte.

Zwar geriet der auf Machterweiterung erpichte Markgraf und Kurfürst wiederholt mit seinen Nachbarn wie den zäh ihre Rechte verteidigenden Fürstbischöfen von Bamberg und Würzburg aneinander. Doch mit Papst Pius II. verstand er sich prächtig. Dem Papst verdankt Albrecht seinen Beinamen: Da Pius ihn für ebenso tapfer wie den griechischen Helden hielt, nannte er ihn „deutscher Achilles“. Die Inszenierung zeigt Albrecht Achilles und seine zweite Gemahlin Anna von Sachsen (1437–1512) knieend beim Gebet. Ihre lebensgroße Abbildung basiert auf einer kleinformatigen historischen Gemäldevorlage.

Die Cadolzburg ist den Besuch wert. Allerdings mangelt es dem Erlebnismuseum an originalen hohenzollerischen Altertümern. Die aber kann man in der näheren Umgebung erleben. Kasimir (1481–1527) war der letzte papsttreue hohenzollerische Markgraf. Sein Bruder und Nachfolger Georg der Fromme (1484–1543) setzte die Reformation in den beiden Markgraftümern durch. Beide sind im Münster von Heilsbronn bestattet. Die ehemalige Kirche des 1578 nach dem Ableben des letzten Mönchs aufgehobenen Zisterzienserklosters war von 1297 bis 1625 Hauptgrablege der Hohenzollern. Seit dem 13. Jahrhundert übten sie die Schutzhoheit über das Kloster aus.

Das heute evangelische Münster ist mit seinen überwiegend katholischen Stiftungen reich ausgestattet. Ist das ein Widerspruch? Pfarrer Ulrich Schindler bekennt: „Nein, ich schätze das Evangelium in Bildern sehr.“ Im Mittelschrein des prunkvollen Choraltars (1504) stehen die farbigen Skulpturen der Heiligen Drei Könige. Zu den Tafelgemälden des Marienaltars (1511) gehört das „Heilsbronner Rechtfertigungsbild“: Christus beschwichtigt den Zorn Gottes, auf dessen Schwert die Taube des Heiligen Geistes sitzt, während Maria als Fürbitterin der Menschheit auftritt. Neben dem 1522 von Hans Henneberger gemalten Porträt Georgs des Frommen hängt das Epitaphgemälde für Kurfürst Friedrich II. (1413–1471). Es zeigt zwei Engel, die die überdimensionale Goldkette der von ihm in Brandenburg gestifteten „Gesellschaft Unserer Lieben Frau zum Schwan“ präsentieren, kurz „Schwanenritterorden“ genannt. Der Orden sollte die christliche Lebensführung und die Treue der Mitglieder zum Fürsten stärken.

Friedrichs Bruder und Nachfolger Albrecht Achilles gründete die 1460 von Papst Pius II. bestätigte fränkische Filiale des Ordens mit Sitz in der Ansbacher Gumbertuskirche. Die vormals über die gesamte Kirche verteilten Totenschilde und figürlichen Grabsteine der Ordensmitglieder – zu denen auch Frauen gehörten – sind seit dem 19. Jahrhundert in der Schwanenritterkapelle versammelt. Ihr größter Schatz ist der von Albrecht Achilles und Anna 1484 finanzierte Marienaltar mit den Porträtgemälden des betenden Stifterpaars. Die Porträtgemälde dienten als Vorlage für die lebensgroßen Abbildungen Albrechts und Annas im Burgerlebnismuseum Cadolzburg.

www.burg-cadolzburg.de