Brandenburg probt die Hochschulfusion

Doch Kritiker sehen hierin eine „Degradierung zur Bologna-Universität, ähnlich einer Gesamthochschule“. Von Peter Jähnel

In der Hochschulpolitik will das rot-rot regierte Brandenburg bundesweit ein Signal setzen. Im Landessüden sollen eine Universität und eine Hochschule aufgelöst werden, um einer Neugründung Platz zu machen. Die Proteste dagegen reißen nicht ab.

Die Lausitz ist in Deutschland vor allem für Braunkohle, Spreewälder Gurken und sorbische Folklore bekannt. Doch jetzt plant Brandenburgs rot-rote Landesregierung dort eine Reform der Hochschullandschaft mit bundesweiter Signalwirkung. Zwei Hochschulen mit 10 000 Studenten sollen bis Mitte 2013 verschmolzen werden. Das Tempo ist atemberaubend, seitdem die Pläne im Februar veröffentlicht wurden. Doch auch die Proteste sind heftig.

Mit dem Reformprojekt betritt Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) Neuland. Sie will die Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU) und die Hochschule Lausitz zu einer neuen Universität verschmelzen. Damit sollen die Hochschulstrukturen mehr als 20 Jahre nach der politischen Wende angesichts knapper Kassen und des demografischen Wandels zukunftsfest gemacht machen. „Wir haben in Deutschland die Chance, Wissenschaftsgeschichte zu schreiben.“

Allerdings stellen die Dauerproteste ihren Reformwillen auf eine harte Probe. Der Widerstand kommt von Studenten und Mitarbeitern der BTU, während die kleinere Hochschule Lausitz eine Fusion befürwortet. Die Kritiker setzen auf eine verstärkte Kooperation beider Hochschulen. Sie befürchten, dass sonst die anerkannte Stellung der BTU Schaden erleidet und sich Partner aus der Industrie zurückziehen. Zudem seien ähnliche Fusionen im Westen Deutschlands gescheitert.

Etliche Wissenschaftler der BTU in Cottbus drohen damit, die Universität zu verlassen. Darunter ist auch Christoph Egbers, der mit seinem Weltraum-Experiment Geoflow zur Erforschung von Strömungen im Erdinneren international für Aufsehen sorgte. „Wir werden bei einer Fusion zu einer Bologna-Universität degradiert, ähnlich wie eine Gesamthochschule“, schimpft er. „Die Ministerin sollte von diesen Plänen Abstand nehmen, sonst muss das der Landtag tun.“

Die BTU-Studenten wollen ihren Protest an diesem Dienstag mit einem Staffellauf von Cottbus in die Landeshauptstadt Potsdam tragen. Dort berät der Wissenschaftsausschuss des Landtags am Mittwoch zu diesem Thema. Eine Volksinitiative hatte 33 000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Besonders verärgert sind die Studenten darüber, dass die Regierung bereits vor der Landtagsdebatte Fakten geschaffen hat und Mitte Oktober mit einem Beschluss zur Neugründung den Weg frei machte. Prompt hagelte es Kritik, von „mangelndem Demokratieverständnis“ war die Rede.

Um die Fusion den rund 2 000 Mitarbeitern schmackhaft zu machen, sollen alle zu den bisherigen Bedingungen übernommen werden. Die neue Universität soll mit 66 Millionen Euro pro Jahr so viel Geld wie bisher beide Hochschulen erhalten, zunächst fünf Jahre lang. Hinzu kommt ein Zuschlag von zehn Prozent für neue Bereiche.

Das letzte Wort hat im Januar das Parlament in Potsdam. Die Ressortchefin Kunst scheint gute Karten für ihr Reformwerk zu haben, denn die Befürworter der Hochschulfusion haben dort derzeit eine Mehrheit.