Blick zurück zur Neubesinnung

Ein Jahr geht zu Ende. Manches davon war schön, manches traurig. Gewisse Jahresereignisse gar überraschend oder sogar lustig. So unmöglich es auch ist, alles, was 2013 geschah, zusammenzufassen, eine kleine Rückschau auf die wichtigsten Ereignisse des Jahres, die Tops und Flops, muss einfach sein und tut gut. Von Stefan Meetschen

Mehr Erfolg geht nicht: Die Spieler des FC Bayern jubeln im Wembley-Stadion. Foto: dpa
Mehr Erfolg geht nicht: Die Spieler des FC Bayern jubeln im Wembley-Stadion. Foto: dpa

Das war's dann also mit dem Jahr 2013, das in wenigen Tagen zu Ende geht. Ein Jahr, das im Geschichtskalender der katholischen Kirche mit rot markiert werden kann. Ausnahmezustand: Ein deutscher Papst tritt am Welttag der Kranken (11. Februar) zurück, entschwebt vor den Augen von Millionen Gläubigen mit dem Helikopter gen Himmel und sein am 13. März gewählter Nachfolger aus Südamerika logiert daraufhin nicht länger im päpstlichen Palast, sondern im vatikanischen Gästehaus. Und da behaupte jemand, die Kirche sei langweilig, nicht für Überraschungen gut. Der päpstliche Stabwechsel von Benedikt an Franziskus war trotz aller inhaltlichen Kontinuität eine handfeste Überraschung, mit der – zumal im „Jahr des Glaubens“ – wohl niemand gerechnet hätte.

Doch natürlich gab es 2013 noch andere außergewöhnliche Vorfälle und Ereignisse, schöne und traurige, Tops und Flops, welche die Menschen beschäftigten. Wobei nicht selten das Wetter eine Rolle spielte. Schwere Regenfälle verursachten von Ende Mai bis Anfang Juni eine Hochwasser-Katastrophe in verschiedenen europäischen Ländern. Auch in Deutschland. Über 50 000 Bundeswehrsoldaten und Feuerwehrleute waren unermüdlich im Einsatz, um den Menschen, deren Häuser und Wohnungen unter Wasser standen, zu helfen, dazu die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen. Doch auch in anderen Regionen der Welt zeigte sich die Natur 2013 von ihrer brutalen Seite. Etwa 25 000 Menschen kamen dieses Jahr weltweit bei Katastrophen ums Leben. Davon allein 7 000 auf den Philippinen, über die im vergangenen November der Typhoon „Haiyan“ mit unerbittlicher Zerstörungskraft hinwegzog.

Da tat es gut, dass 2013 ab und an auch für heitere, beglückende Momente gesorgt wurde: Die Geburt des britischen Thronfolgers („Royal Baby“) war so ein Ereignis. Seine Eltern, Herzogin Catherine und Prinz William, versetzten die Welt im Juli mit dem ordnungsgemäß geborenen Prinz George in Rührungs-Ekstase. Dauer-Prinz Charles darf sich jetzt zwar immer noch nicht König nennen, aber immerhin schon mal Opa, Royal Grandpa. Das ist doch etwas. In ausgelassener Feierstimmung befanden sich zu diesem Zeitpunkt immer noch die Anhänger der Profifußballabteilung des FC Bayern München, der es in diesem Jahr gelang, einen geradezu intergalaktischen Erfolgs-Reigen zu durchlaufen.

In der Fußball-Bundesliga stand man bereits im April als Deutscher Meister fest. Am 25. Mai gewannen die Spieler rund um Kapitän Philipp Lahm im Londoner Wembley-Stadion durch ein 2:1 gegen den Rivalen Borussia Dortmund den Champions-League-Titel, dem am 1. Juni der Gewinn des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart folgte. Ein fulminanter Erfolg! Und das ausgerechnet in einem Jahr, das für den Präsidenten des Vereins, Uli Hoeneß, alles andere als rund lief. Nachdem bekannt wurde, dass Hoeneß in einer Selbstanzeige zugegeben hatte, Kapitalerträge aus Aktien- und Devisengeschäften in der Schweiz nicht versteuert zu haben, rückte ihm die Staatsanwaltschaft auf den Leib und dazu die lärmende Boulevard-Presse. Dass Hoeneß im Gefängnis landet, ist aber unwahrscheinlich. Größer sind die Chancen, dass sein FC Bayern mit dem Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft in Marokko in diesem Monat noch einen weiteren Titel kapert.

So ist das eben. Glück und Unglück liegen auch bei prominenten Zeitgenossen eng zusammen. Das Leben, ein Wechselbad der Gefühle. Woran aber auch die US-Supermacht nicht ganz unschuldig ist. Anfang Juni ließ sich der Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, noch als Verteidiger der freien Welt und der westlichen Demokratie in Berlin feiern, kurze Zeit danach stand das Land der unbegrenzten Möglichkeiten inklusive Obama am öffentlichen Pranger. Der Grund: Die Enthüllungen des früheren US-amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Snowden, der sich zurzeit in Russland aufhält und in Brasilien um Asyl gebeten hat, machte über ausgewählte Zeitungen publik, wie dicht und akribisch das Überwachungs- und Spionagenetz der Vereinigten Staaten und Großbritanniens sind. Handys (darunter das von Bundeskanzlerin Merkel), diverse Computernetzwerke – im Prinzip gibt es auf dieser Erde wohl kaum noch einen digitalen Zipfel, den die „National Security Agency“ (NSA) nicht aufnimmt, abhört oder sonstwie ausspioniert. Unter Freunden und Verbündeten, so hatte man im demokratisch anständigen Europa gemutmaßt, könne so etwas nicht vorkommen. Eine Täuschung.

Womit wir bei der Abteilung Klatsch und Tratsch 2013 wären, den emotionalen Schlammschlachten des Jahres, die auch ohne Snowdens Beihilfe die Gemüter erregten. Zunächst verkündeten Christian und Bettina Wulff das Ende seiner Amtszeit als Präsident, dann das Ende ihrer Beziehung. Ebenso erfuhren wir, egal, ob wir es wissen wollten oder nicht, dass die Ehe des niederländischen HSV-Fußballers Rafael van der Vaart zu Ende sei. Ex-Frau Sylvie, eine Mischung aus Modell, Moderatorin und Marketingfrau, gelang es, sich mit ihren öffentlich gebeichteten Affären nachhaltig als Celebrity zu etablieren. Hoffen wir, dass dieser mediale Hype nun vorbei ist.

Auch diverse Bau-Desaster hielten die Republik 2013 in Atem. Den Hauptstadtflughafen BER, der noch nicht eröffnet ist, aber fünf Milliarden Euro kostet, muss man in diesem Zusammenhang erwähnen. Den Neubau des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin, dessen Gesamtkosten mittlerweile bei rund 912 Millionen Euro liegen, ebenfalls. Dabei wirken die ursprünglich veranschlagten 720 Millionen für dieses größte Bauprojekt nach der Wende schon leicht überteuert. Ach ja, und natürlich die neue Kanzler-U-Bahn in Berlin, die niemand wirklich benötigt, die aber 525 Millionen Euro kostet. Wer trägt dafür eigentlich die politische Verantwortung? Im SPD-Mitglieder-geprüften Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist von dem Projekt zwar keine Rede, aber ein bisschen mehr finanzielles Fingerspitzengefühl möchte man von Landes- und Bundespolitikern zukünftig schon erwarten können. Womit wir beim prominentesten Toten 2013 angekommen sind – beim bescheidenen Nelson Mandela, der seine Ideale als demokratisch gewählter Politiker nie verriet. Seit Johannes Paul II. hat es keinen globalen Anführer gegeben, dessen Tod die Menschen so berührt hat. Ein Zeichen, dass es echte Helden zwar immer noch gibt, sie aber rar sind. So rar wie echte Versöhnung, echter Friede, wie das Jahr 2013 gerade mit Blick auf den Nahen Osten, insbesondere Syrien, gezeigt hat. So gesehen: Dank für alles Gute – und weiter geht's.