„Beutekunst“-Fenster zurück

Fehlende Exponate wieder in der Marienkirche Frankfurt/Oder

Die sechs noch fehlenden mittelalterlichen „Beutekunst“-Fenster der Sankt Marienkirche in Frankfurt/Oder sind zurückgekehrt. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und der Botschafter der Russischen Föderation, Vladimir Kotenev, übergaben sie am Montag an den Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder, Martin Patzelt, und den Vorsitzenden des Fördervereins Sankt Marien, Pfarrer Helmuth R. Labitzke.

Die bedeutenden Glasmalereien aus dem 14. Jahrhundert zeigen biblische Motive. Neumann erklärte, nun könne ein einzigartiges Gesamtkunstwerk der Hochgotik wieder hergestellt werden. Für die kulturelle Identität der Region sei die Rückgabe von großer Symbolkraft. Wegen ihres Alters, ihres Umfanges und ihrer Qualität seien die Glasmalereien auch von großer Bedeutung für die gesamte deutsche Kunst- und Kulturgeschichte. Die Rückgabe sei auch ein Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Russland, betonte der Kulturstaatsminister. Er wertete sie als Ermutigung, weiter für die Rückgabe kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter einzutreten.

Die Rote Armee hatte die insgesamt 117 Fenster 1946 in die Sowjetunion gebracht. 1991 entdeckte ein russischer Kunsthistoriker in einem Geheimdepot 111 Fensterfelder, die Russland 2002 zurückgab. Nach ihrer Restaurierung wurden sie in das evangelische Gotteshaus wieder eingebaut. Die sechs noch fehlenden Bildfelder wurden erst 2005 im Moskauer Puschkin-Museum aufgefunden.

In der Regel lehnt Russland eine Rückgabe von „Beutekunst“ aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Die Behörden begründen dies mit den großen Verlusten an eigenen Kulturwerten nach dem deutschen Angriff 1941. DT/KNA