Beten in der Netzgemeinde

Eine neue Erfahrung: Viel Zuspruch für den ersten katholischen Facebook-Gottesdienst im Internet. Von Alexander Riebel

Pfarrer Dietmar Heeg beim ersten Facebook-Gottesdienst im Kölner Maternushaus. der im Internet live übertragen wurde. Foto: KNA
Pfarrer Dietmar Heeg beim ersten Facebook-Gottesdienst im Kölner Maternushaus. der im Internet live übertragen wurde. Foto: KNA

Das Experiment war ein voller Erfolg. Darin waren sich die meisten Besucher des ersten Facebook-Gottesdienstes einig auf den Facebook-Seiten von katholisch.de, domradio.de und kirche.tv. Internetnutzer des Besucherportals des sozialen Netzwerks konnten die rund 25-minütige Andacht am Sonntag um 17.00 Uhr aus der Kapelle des Kölner Maternushaus live mitverfolgen, und deren Zahl war so groß, dass der Livestream einige Male ins Stocken geriet. Pfarrer Dietmar Heeg, Mitarbeiter der katholischen Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz, hatte in Kooperation mit dem Internetportal katholisch.de und dem Kölner Domradio den Internetgottesdienst ins Leben gerufen.

Internetnutzer konnten ihre Fragen stellen

„Wir wollen die Menschen erreichen, und da ist kein Weg zuviel“, sagte Pfarrer Heeg gegenüber der Tagespost: „Der Heilige Geist weht auch im Internet.“ Nach Heeg hatte die Kirche schon immer moderne Medien genutzt, seien es der Buchdruck, Radio oder Fernsehgottesdienste. Er möchte zwar die Menschen direkt, „face to face“, ansprechen, aber viele hätten nicht die Möglichkeit, in die Kirche zu kommen. Auch diese Gläubigen möchte die Kirche erreichen, sagte Heeg. Aber gehört es nicht wesentlich zum Gottesdienst, dass man sich von Angesicht zu Angesicht begegnet und gemeinsam die Eucharistie feiert? Für Heeg steht das außer Frage. Jeder wisse ja, erklärte er, dass man am Sonntagmorgen zur Eucharistie gehen könne und da sei der Internetgottesdienst nachmittags um fünf Uhr eine Ergänzung.

Es sei ja auch keine Messe, sondern ein Wortgottesdienst wie auch der Fernsehgottesdienst. Über Facebook habe man ein zusätzliches Angebot geben wollen. Zur Altersgruppe gibt es noch keine endgültigen Untersuchungen, aber auf den ersten Blick seien es die etwas jüngeren Internetnutzer. Pfarrer Heeg zitierte das Wort Jesu „an die Hecken und Zäune“ – man müsse eben versuchen, Menschen aus allen Gruppen und Schichten anzusprechen. Und was denkt Heeg nun nach dem Gottesdienst über dessen interaktiven Charakter? Auch hier sieht er eine wertvolle Ergänzung zum normalen Gottesdienst in der Kirche, denn die Internetnutzer können Fragen stellen, wenn sie etwas nicht verstehen oder auch etwas hinzufügen. In seiner Predigt ging Pfarrer Heeg auf prominente Menschen ein, die – wie Jesus – erst hochgejubelt und dann fallengelassen wurden, quasi „verbal gekreuzigt“. Als ein Beispiel nannte er Fußballprofi Manuel Neuer, der bei Schalke 04 ein umjubelter Star war und nach seinem Wechsel zu Bayern München viel Häme und üble Beschimpfungen ertragen musste. Eine Redakteurin von katholisch.de verfolgte die Kommentare und Anregungen der Netz-Gemeinde auf einem iPad, und Heeg griff die Gedanken umgehend in der Predigt auf. „Kenn ich auch: Höhen und Tiefen in meinem Leben“, schrieb ein Facebook-Teilnehmer. Eine weitere Userin postete: „Passiert uns das nicht heute auch, dass wir Jesus manchmal verleugnen?“ Die „Facebook-Gemeinde feierte den klassischen Wortgottesdienst, der aus Lesung, Predigt, Fürbitten und Segen besteht und konnte auch aktiv mitbeten. Ganz traditionell war auch das Tagesevangelium: Der Einzug Jesu in Jerusalem.

Nicht nur für die Facebook-Nutzer, sondern auch für die kleine Gruppe Jugendlicher, die im Kölner Maternushaus mitfeierten, war der erste katholische Wortgottesdienst auf Facebook ein interessantes Experiment. „Das war eine sehr spannende Erfahrung, weil ein direktes Feedback kam. Coole Geschichte“, sagte der 26-jährige Stefan, der über sein Smartphone auch das Geschehen im Netz verfolgt hatte. Der 19-jährigen Rebecca gefiel die Andacht, „weil's kurz und bündig war. Da könnte sich manche normale Messe was abschneiden.“

Und wie wird es weitergehen, stehen die nächsten Termine für Online-Gottesdienste schon fest? Pfarrer Heeg würde gern weitermachen, und vielleicht könnten auch andere Anbieter von Nord bis Süd ermuntert werden. An der Technik müsste man noch etwas feilen, meinte er und auch mehr Ruhepausen seien sinnvoll. Auch wenn es noch keinen weiteren Termin eines Facebook-Gottesdienstes gebe, sei das doch der richtige Weg und er zeigte sich überzeugt, dass „Jesus auch mit Sicherheit einen Facebook-Account“ hätte und darüber seine Botschaft verbreiten würde, wenn er heute lebte. Mit Material von KNA