Bangen um den Verkauf des Klosters

ARD-Nonnen erfolgreicher als Human- und Tiermediziner – Bald startet die neunte Staffel von „Um Himmels Willen“

Die ARD-Fernsehnonnen sind nicht zu stoppen. Am 26. Januar startet die neunte Staffel der beliebten Serie „Um Himmels Willen“ – und ein Ende ist nicht absehbar. Wenn Schwester Hanna Jakobi (Janina Hartwig) immer dienstags um 20.15 Uhr mit Bürgermeister Wolfgang Wöller (Fritz Wepper) ihre Scharmützel austrägt, sitzen im Durchschnitt 7,4 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm. Mit dieser Quote toppen die Ordensfrauen sogar Human- und Tiermediziner, die sonst auf diesem Sendeplatz ihre Praxis aufsperren.

In den 13 neuen Folgen, die in München, Landshut und Umgebung gedreht wurden, müssen die Schwestern erneut um den Verkauf ihres Klosters bangen. Die Finanzkrise hat auch sie heimgesucht. Ihre Oberin (Rosel Zech) vertraute einem Investmentbanker, der sich mit dem Klostervermögen verspekulierte. Ausgedacht hat sich all diese Geschichten seit der ersten Staffel Drehbuchautor Michael Baier. „Wichtig ist vor allem der durchgehende Erzählstrang über die Folgen“, erläutert der 69-Jährige. Dabei achtet er darauf, dass in den Episoden-Geschichten jeder im Ensemble entsprechend seinem Charakter ein Betätigungsfeld findet. So wird der Klostergeist dieses Mal Schwester Felicitas (Karin Gregorek) zum Verhängnis, und die aus Afrika stammende Novizin Lela (Denise M'Baye) sieht sich rassistischen Übergriffen auf der Straße ausgesetzt.

Ob Hartwig, Wepper oder früher Jutta Speidel, sie alle schwärmen von Baiers „guten Büchern“. Günter Strack, für den er einst die Pfarrerserie „Mit Leib und Seele“ schrieb, machte ihm das Kompliment: „Deine Bücher muss ich nicht lernen. So rede ich immer.“

Baiers alter Freund Gustl Bayrhammer, der in seinen „Weißblauen Geschichten“ auftrat, habe dagegen über den Anteil des Drehbuchs am Erfolg einmal gemeint: „Wenn's Buch gut ist, kann's was werd'n – muss aber net!“ In der Regel aber gelte: „Wenn ein gutes Team und Spitzenschauspieler zusammenkommen, entsteht auch etwas Gutes“, so Baier.

Der Stoff von „Um Himmels Willen“ hat für Baier einen besonderen Reiz, wie er sagt. Da ist zum einen der Kontrast zwischen den beiden Welten, hinter den Klostermauern und davor. Dazu komme das Spannungsfeld zwischen „Integrität und Schluritum des Bürgermeisters“. Kurzum: Es gehe um den Konflikt zwischen Menschen, die „guten Willens“ seien und denen, denen jedes Mittel recht sei, um ihr Ziel zu erreichen.

Einen persönlichen Bezug zu Ordensschwestern hat Baier seit Kindertagen: „Eine Dominikanerin war meine Klavierlehrerin – aber Klavierspielen kann ich immer noch nicht.“ Außerdem ging er drei Jahre in ein von Pallottinern geführtes Internat in Bruchsal. Heute lebt der gebürtige Baden-Badener in Amerika, wo er über Internet deutsche Zeitungen verfolgt.