Aus den Zeitschriften

The Spectator vom 11. März 2018

Informationen werden dünner

Unzufrieden zeigt sich Douglas Murray vom Spectator über den Umgang der Medien mit ihrer Informationspolitik hinsichtlich bestimmter Straftaten. Der Autor des soeben auf Deutsch erschienenen Buches „Der Selbstmord Europas: Immigration, Identität, Islam“ fragt: „Weshalb können wir nicht offen über Verbrechen von Migranten sprechen?“ Ausgehend von den aufsehenerregenden Morden in Frankreich Ende März – unter anderem an der 85-jährigen Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll und dem Oberstleutnant Arnaud Beltrame – bemerkt der Journalist, dass der Leser zwar viel über die Lebensumstände und die heroischen Tugenden der Opfer erfuhr, jedoch so gut wie nichts über ihre Mörder: „Was könnte sie motiviert haben?“ Und was könnten wir daraus für Schlüsse ziehen? Für Murray stehen die „zahlreichen offiziellen und inoffiziellen Regierungsrichtlinien in ganz Europa“, derartige Informationen nicht mehr offen zu kommunizieren, im Zusammenhang mit „erzieherischen Maßnahmen“, die auf die breite Öffentlichkeit abzielten. An vorderster Front stünden dabei auch die sozialen Medien wie Facebook, die in letzter Zeit Mitglieder sperrten. Deutsche Freunde und Leser schilderten ihm, wie sie aufs Neue lernten, ihre Tageszeitungen zu lesen. Wenn in den Nachrichten etwa stehe „Eine Person wurde von einer anderen Person getötet“, und „keine Namen oder weitere kennzeichnende Merkmale angegeben sind, vermuten die Leute – richtigerweise –, dass der Täter einen Migrationshintergrund hat. Vorläufig wird über schwere Straftaten noch berichtet, doch man hat bereits entschieden, die Öffentlichkeit nicht wirklich darüber zu informieren.“ Wer dennoch in den sozialen Medien berichte, der riskiere seine Sperrung. Murrays Fazit: „Die Medien bringen also nicht viel. Und die sozialen Medien auch nicht.“

Verweltlichte christliche Moral gibt es nicht mehr

In einem Interview mit dem Figaro gibt Bertrand Vergely Auskunft über den „Materialismus, Terror, moralischen Relativismus: die obskure Seite der Aufklärung“. Darin stellt der Philosoph, dessen „ikonoklastischer Essai“ „Obscures lumieres: La révolution interdite“ gerade in Buchform erschienen ist, den „Beitrag der Aufklärung zum Denken“ in Frage. Der Humanismus sei mitnichten der Französischen Revolution entsprungen. Vielmehr habe die Aufklärung „einen Imperialismus der Vernunft eingeführt, die im Menschen das ruiniert hat, was dieser an Spirituellem in sich trägt“. Die Aufklärung selbst sei zu einer neuen Religion geworden, die das Christentum ersetzt habe. Außerdem sei aus ihr eine neue Moral hervorgegangen, die die christliche Moral ersetzt habe. Dies sei eine „zügellose Moral“, die Vergely an Beispielen illustriert: an der intellektuellen Kritik, an Don Juan und Marquis de Sade. Diese neue Moral beruhe auf einer dreifachen Stufung: Freiheit des Geistes – Verführung – Grenzüberschreitung. Man finde diese „überaus aktuellen Werte“ in der Kunst der Gegenwart. Doch er glaube, dass eine „wirkliche laizistische Moral“ heute nicht mehr existiere: „In meiner Kindheit gab es in der Schule der Republik noch Moralunterricht! Diese Moral war keine zügellose Moral, die von den Werten der Aufklärung geerbt war, sondern es war die verweltlichte christliche Moral. Die existiert heute nicht mehr. In meiner Kindheit war das Wort ,Moral‘ kein schändlicher Begriff.“ Zudem weist der Philosoph, der auch orthodoxer Theologe ist, auf ein weiteres Phänomen hin. Katholiken seien es, „die durch ihr Verantwortungsbewusstsein den republikanischen Laizismus gerettet haben, indem sie beschlossen, ihn zu respektieren. Doch heute ist der Laizismus mit einem Problem konfrontiert, den er nicht vorher gesehen hatte: den Islam. Auch wenn sich unser Laizismus der islamischen Radikalität entschieden widersetzt, so beruht er doch bei seiner Auffassung von der Gesellschaft auf einer gleichen Spaltung der Welt – das heißt, auf dem Gegensatz zwischen Religion und Nicht-Religion. Im Gegensatz zur christlichen Tradition, die zusammenführt, wollen der derzeitige Laicizismus wie der Islam spalten.“

Richard Dawkins: Christentum ist nicht das Schlimmste

Ausgerechnet einer der prominentesten Atheisten warnt vor dem Niedergang des Christentums. Wie die evangelikale christliche Zeitung Christian Post berichtete, teilte Richard Dawkins in einem Tweet seinen 2,74 Millionen Followern mit: „Bevor wir uns am Todeskampf der vergleichsweise harmlosen christlichen Religion erfreuen, sollten wir nicht den bedrohlichen Reim von Hilaire Belloc vergessen: Halte immer eine Krankenschwester bereit, aus Angst, dass noch etwas Schlimmeres passieren könnte.“ Dabei bezog er sich auf einen Artikel der britischen Tageszeitung „The Guardian“, die kürzlich auf einen Report über „Europas junge Erwachsene und die Religion“ eines Londoner Theologieprofessors hinwies, um damit auf „Europas Marsch in Richtung einer postchristlichen Gesellschaft“ aufmerksam zu machen. Schon früher übte Dawkins, laut „Christian Post“, Kritik am Islam und räumte ein, dass er sich insoweit um den Niedergang des Christentums sorge, „als dass das Christentum ein Bollwerk gegen etwas Schlimmeres sein könnte“. Soweit er wisse, gebe es keine Christen, „die Gebäude in die Luft sprengen. Mir sind keine christlichen Selbstmordattentäter bekannt. Ich kenne auch keine große christliche Denomination, die glaubt, dass die Strafe für den Abfall vom Glauben der Tod sei.“

Jugendliche zum Zustand der Kirche

„Wird auf der Jugendsynode jeder gehört?“ Christopher Altieri vom Catholic Herald ist da skeptisch. Anfang April fand in Rom die Vorsynode für die im Oktober tagende Weltjugendsynode statt. Auf dem Treffen sollten junge Menschen ihre Ansichten über Zustand und künftigen Kurs der Kirche äußern und gegenüber den Synodenvätern Vorschläge für die anstehende Versammlung machen. 300 in 20 Sprachgruppen eingeteilte Personen bearbeiteten ein breites Themenspektrum. Ein Absolvent der Boston College School of Theology and Ministry schilderte den Tenor der Online-Kommentare: „Die übliche Erfahrung der Jugendlichen der Heiligen Liturgie in der nachkonziliaren Kirche hinterließ in ihnen den Wunsch nach etwas ,mehr‘, und viele dieser jungen Menschen entdeckten ihre Sehnsucht nach Transzendenz und Ehrfurcht in der Außerordentlichen Form – eine Sehnsucht, die nicht durch banale Folkmusik und anthropozentrisches liturgisches Verhalten gestillt werden konnte.“ Doch, so Altieri, „auffälligerweise fehlte der spezifische Begriff ,Außerordentliche Form‘ in dem zwölfseitigen Abschlussdokument, das indes ,ehrfurchtsvolle traditionelle Liturgien‘ nennt“, obwohl, wie ein Mitglied des Redaktionskomitees erklärt, „eine riesige Online-Community bat, die Außerordentliche Form in das Dokument aufzunehmen“. Katrin Krips-Schmidt