Aus den Zeitschriften

Aus den zeitschriften

Der neue Parteivorsitzende der französischen Republikaner, Laurent Wauquiez, prangerte in einem Interview mit dem Journal Du Dimanche die Politik der Regierung Macron an. So, wie diese ein „Meister in der virtuellen Kommunikation“ sei, sei sie zugleich „zaghaft, wenn es darum geht, den Worten Taten folgen zu lassen“. Angesprochen auf die jüngsten Angriffe auf Polizisten forderte Wauquiez die Einführung von Mindeststrafen für jene, die Polizeibeamte, Feuerwehrleute und Gefängniswärter attackierten und sagte: „Die Angst muss das Lager wechseln“. Den Gesetzentwurf über die Immi-gration hält der Republikaner für einen bloßen „Katalog technischer Maßnahmen“, die an der „Migrationswelle nichts ändern werden“. Mit Emmanuel Macron „werden die illegalen Einwanderer auf unserem Boden bleiben. Sie werden sogar noch zahlreicher werden“, klagte Wauquiez. Macrons Warnung vor einer „Radikalisierung des Laizismus“ sei „schockierend“. „Soviel ich weiß, ist kein einziger Franzose Opfer der ,Radikalisierung des Laizismus‘ geworden! Dagegen wurden 239 Franzosen von islamistischen Fundamentalisten ermordet“, rief der 42-jährige ehemalige Wissenschaftsminister Wauquiez ins Gedächtnis. Die Radikalisierung, die man bekämpfen müsse, sei indes „die des Islamismus“.

Im Namen der Beseitigung jeglicher Diskriminierung geht die Universität von Iowa gegen eine christliche Studentengruppe vor. So berichtet David Pitt in der Washington Post: „Die Universität von Iowa ist in einem Rechtsstreit mit einer konservativen christlichen Studentengruppe verfangen, die einem schwulen Studenten eine Führungsposition verweigerte.“ Diese Gruppe bezeichnet sich selbst als offen für jedermann, fordert von ihren Leitern jedoch ein Glaubensbekenntnis. Dieses bekennt sich zum biblischen Christentum, das homosexuelles Verhalten ablehnt. Nun hat die Gruppe ihre Zulassung als Hochschulorganisation verloren, so dass sie für ihre Treffen keinen Raum mehr belegen, nicht mehr an Werbeveranstaltungen teilnehmen sowie eine breite Palette von Kommunikationsdiensten nicht mehr nutzen kann. Bemerkenswert daran ist, dass die Universität sagt, sie respektiere selbstverständlich die Rechte von Studenten, die Religion ihrer Wahl auszuüben. Doch reicht dieser Respekt nur so weit, bis diese religiöse Praxis die neue Sexualmoral der Universitätsverwaltung kränkt. Die Gruppe lehnte die Wahl von Markus Miller zum Vizepräsidenten ab, weil er sich als schwul outete und angab, er könne das Glaubensbekenntnis nicht ablegen. Der Anwalt der Studentengruppe erklärte: „Man würde niemals von einer Umweltgruppe fordern, einen Klimaleugner zu ihrem Leiter zu machen.“

Der politisch korrekten Neuinterpretation der Oper „Carmen“ durch den italienischen Regisseur Leo Muscato widmet die französische Tageszeitung Le Figaro eine Rezension. Der Kolumnist Gilles-William Goldnadel bemerkt darin, dass sich bei der Aufführung am Teatro del Maggio in Florenz, „die Kultur des Fortschritts nunmehr sämtliche Rechte anmaßt“. Statt dass – wie es bei Georges Bizet noch der Fall war – Carmen den Tod durch die Hand von Don José findet, schrieb Muscato den Schluss der Oper aus feministischer Sorge kurzerhand um. „In unserer Zeit, die von der Geißel der gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen gekennzeichnet ist, ist es unvorstellbar, dass man dem Mord an einer Frau Beifall spendet.“

Mit diesen Worten rechtfertigt Muscato seine Neufassung. Nun ist es aber vielmehr Carmen, die ihren Liebhaber Don José umbringt und dann anschließend zum Brigadier sagt: „Sie können mich nun verhaften – ich bin es, die ihn getötet hat.“

In der französischen katholischen Zeitschrift Famille Chrétienne befasst sich Arnaud Benedetti, assoziierter Professor für Kommunikationsgeschichte an der Sorbonne, kritisch mit der Ankündigung von Emmanuel Macron bei seinen Neujahrswünschen gegenüber Pressevertretern, juristische Maßnahmen gegen sogenannte „Fake News“ zu erlassen. All dies sei „lächerlich“, bemerkt Benedetti, abgesehen davon, dass es zudem von einem Willen nach „Säuberung des öffentlichen Raumes“ zeuge, „die an eine gewisse Form von Autoritarismus“ erinnere. Nicht nur, dass Macron mit seinem Vorhaben dem öffentlichen Raum dessen „Bestimmung als Ort der Debatten und der Unterscheidung“ abspreche – nein, es werde damit auch einem „Interventionismus“ Vorschub geleistet, „der einer heimtückischen Form der Zensur förderlich“ sei. Es sei ja die „diskursive Dialektik“, und nicht die Macht eines Gesetzes, die die Einrichtung demokratischer Wahrheiten bedinge. Eine Rechtsvorschrift öffne aber „die Büchse der Pandora zu vielen Missbräuchen, angefangen mit der Schaffung einer offiziellen Wahrheit“, warnt der Wissenschaftler: „In diesem Falle ist Macron eher Saint-Just als Benjamin Constant.“ Seine Worte an die Medien offenbarten ein „Vergnügen am Autoritarismus, vor allem aber die Unfähigkeit der Eliten, einen der Gründe für den Erfolg des Internets und der sozialen Netzwerke zu erfassen.“ Von Katrin Krips-Schmidt