Auf lichtere Tage gewartet

In Augsburg ein Vinzens Pallotti-Porträt. Von Oskar Kokoschka

Pater Hinsen mit Totenmaske neben Kokoschkas Pallotti-Porträt. Foto: PD Bistum Augsburg
Pater Hinsen mit Totenmaske neben Kokoschkas Pallotti-Porträt. Foto: PD Bistum Augsburg

Das bekannte Porträt des Gemeinschaftsgründers Vinzenz Pallotti, gemalt von Oskar Kokoschka (1886–1980), ist bis zum 31. Oktober kmmenden Jahres im Diözesanmuseum St. Afra in Augsburg zu sehen. Pallottinerpater Peter Hinsen und die Direktorin des Museums, Melanie Thierbach, präsentierten das wertvolle Gemälde des Heiligen. Das Bild, das in den vergangenen Jahren für die Öffentlichkeit praktisch nicht zugänglich war, habe damit für die Zeit der Renovierungsarbeiten am Provinzialat „hier gewissermaßen Asyl gefunden“, sagte Pater Hinsen zu Beginn seiner kurzen Bild-Deutung und Einführung in die Entstehungsgeschichte des einzigen Kokoschka-Porträts, das der Expressionist von einer bereits verstorbenen Person anfertigte.

Garniert mit der einen oder anderen kurzweiligen Anekdote erzählte Pater Hinsen eine fast unglaubliche Geschichte – angefangen vom mutigen Herantasten an den Künstler, der sich damals regelmäßig zu Sommerakademien in Salzburg aufhielt, bis hin zu einer tiefen Männer-Freundschaft, die Pater Rudolf Mitterer, den damaligen Provinzökonom, und Oskar Kokoschka später miteinander verband. In Auftrag gegeben wurde das wertvolle Pallotti-Porträt 1961 von den Pallottinern, zwei Jahre bevor der römische Priester während des Zweiten Vatikanischen Konzils am 20. Januar 1963 heiliggesprochen wurde. Kokoschka zögerte zuerst, den Auftrag anzunehmen, denn er verspürte eine Unsicherheit, die sich auch noch deutlich in der ersten Skizze niederschlug. Irgendwann war ihm dann aber klar, dass er seinen eigenen Weg gehen müsse, so Pater Hinsen. Anfang Januar 1962 schrieb er in einem Brief an Pater Mitterer: „Ihre und des Ordens Erwartung soll nicht enttäuscht werden. Es wird sie alle beruhigen, dass ich noch spät im Dezember zu malen begonnen hatte und nun nur auf etwas lichtere Tage warte, um Ihren Wunsch erfüllen zu können.“ Denn dieser beinhaltete auch die Fertigstellung vor der nahenden Heiligsprechung.

Kokoschka, dem eine Totenmaske aus der Werkstatt von Max Faller als Modell vorlag, malte Pallotti „mit einem sanften Lächeln und sprechenden Augen, jedoch auch viel zu groß“, erklärte Pater Hinsen. Bevor das Gemälde seinen Weg ins Provinzialat nach Friedberg fand, machte es noch einen Umweg über die Londoner Tate Gallery, die es nicht nur in eine Sonderausstellung über Expressionisten integrierte, sondern auch den bis heute existierenden Rahmen beisteuerte. Eine weitere Besonderheit des Werkes: Es ist das einzige, das Kokoschka mit „Sanctus Vinzentius Pallotti, O.K.“ auf der Rückseite signierte – und zwar aus Ehrfurcht vor dem Heiligen. PD

Pater Peter Hinsen bietet am 29. Januar 2012 um 14.30 Uhr im Diözesanmuseum St. Afra eine Sonderführung zu diesem Bild an.