„Auch künftig ein zentraler Ort der Erinnerung“

Deutsche Bistümer fördern Umbau der Berliner Hedwigskathedrale – Lichtenberg-Haus soll wissenschaftliches Zentrum erhalten

Ökumenischer Gottesdienst
Die Berliner Hedwigskathedrale, die ab 2018 umgebaut werden soll – auch technische Neuerungen sind vorgesehen. Foto: dpa
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Die Berliner Hedwigskathedrale, die ab 2018 umgebaut werden soll – auch technische Neuerungen sind vorgesehen. Foto: dpa

Eine der bekanntesten Bischofskirchen Deutschlands steht vor einer tiefgreifenden Umgestaltung. Die Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale und das benachbarte Bernhard-Lichtenberg-Haus werden für schätzungsweise 60 Millionen Euro saniert und umgebaut, wie Erzbischof Heiner Koch am Dienstag bekannt gab. Er veröffentlichte seine Entscheidung in einem „Hirtenwort“ an die mehr als 409 000 Katholiken des Erzbistums. Darin unterstreicht er, sich der Verantwortung angesichts der begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Bistums bewusst zu sein. Ausdrücklich verwies der Berliner Oberhirte auf „erhebliche Zusagen aller anderen deutschen Bischöfe sowie positive Signale staatlicher Akteure, die bauliche Umgestaltung von St. Hedwig als Kirche in der Bundeshauptstadt finanziell unterstützen zu wollen“.

Der runde Kuppelbau von 1773 ist die bekannteste katholische Kirche der Hauptstadt. Sie wird auch für Gottesdienste aus staatlichen Anlässen genutzt. Nach Angaben des Erzbistums werden die Bauarbeiten nicht vor 2018 beginnen, die eigentliche Bauphase wird nach vorläufigen Angaben auf zwei Jahre veranschlagt. Der vorliegende Architektenentwurf für die Umgestaltung stößt im Erzbistum und bei Denkmalpflegern auch auf Kritik. Sie wendet sich vor allem dagegen, die beim Wiederaufbau vor 50 Jahren angelegte Bodenöffnung im Kathedralinneren mit Treppe zur Unterkirche zu beseitigen. Nach der Umgestaltung soll der Altar in der Oberkirche mitten unter der Kuppel liegen und kreisförmig von Sitzgelegenheiten umgeben sein. Für die kleine Rotunde ist eine Sakramentskapelle geplant. Die Unterkirche soll als Tauf- und Werktagskirche neu gefasst werden, während die Sakristei im Untergeschoss Platz finden soll. Darüber hinaus sind verschiedene Sanierungsmaßnahmen und technische Neuerungen vorgesehen, unter anderem der Einbau flexibel steuerbarer, mobiler Hubpodien unter der Orgel als Aufstellfläche für den Chor.

Vor Journalisten unterstrich der Berliner Erzbischof am Dienstag, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Auch in seinem Hirtenwort äußerte er Verständnis dafür, dass sich manche die grundlegende Beibehaltung des Entwurfs des Architekten Hans Schwippert (1899–1973) wünschten. Erzbischof Koch unterstrich, Schwippert habe „innerhalb der Grenzen der damaligen liturgischen Weisungen einen kühnen Entwurf gewagt“. Gerade der Mut des Architekten zu erheblichen baulichen Veränderungen gegenüber der ursprünglichen Gestalt habe ihn jedoch bestärkt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Umgestaltung mehr noch als bisher eine würdige Feier der Liturgie ermöglicht, einen Ort der Gottesverehrung im Herzen von Berlin akzentuieren und eine Stätte der Nachdenklichkeit eröffnen wird, nicht zuletzt für die vielen Ungetauften, die als Passanten oder Touristen in unsere Bischofskirche kommen. Mit den Grabstätten des seligen Bernhard Lichtenberg und der Bischöfe in der Unterkirche wird. St. Hedwig auch künftig ein zentraler Ort der Erinnerung an die wechselvolle Geschichte unseres Bistums sein.“

Nach Angaben des Erzbistums sind bei dem Vorhaben 43 Millionen Euro für die Bischofskirche vorgesehen. 17 Millionen Euro werden für das Lichtenberg-Haus veranschlagt. Dort ist ein wissenschaftliches Zentrum, ein „niedrigschwelliges Caritasangebot“ sowie der Dienstsitz des Berliner Erzbischofs geplant. Die Kosten sollen zu jeweils einem Drittel durch Eigenmittel, die anderen 26 deutschen (Erz-)Diözesen sowie Mittel von Bund, Land Berlin und Spendern aufgebracht werden. Eingeleitet hatte das Projekt Kochs Amtsvorgänger, Kardinal Rainer Maria Woelki.

Erzbischof Koch betonte, dass die Mittel für Kirchengemeinden, Caritas und Seelsorge wegen des Projekts „auf keinen Fall“ reduziert werden dürften. Zur Begründung seiner Entscheidung führte der Erzbischof auch die Voten der Gremien und Räte des Erzbistums an, die er um eine Stellungnahme gebeten hatte. Diese hatten mehrheitlich für die Umgestaltung plädiert, nur die Kunstkommission votierte unentschieden. Bei einem Wettbewerb hatte der Entwurf des Fuldaer Architektenbüros Sichau und Walter sowie des Wiener Künstlers Leo Zogmayer den ersten Platz belegt. KNA/reg