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Gerhard Kaiser über das schriftstellerische Werk von Patrick Roth

Der Literaturwissenschaftler Gerhard Kaiser legt in seiner Untersuchung über Patrick Roths Christus-Trilogie erstmals eine umfassende Deutung der für Roth spezifischen Herangehensweise an die Christus-Thematik vor. Dabei arbeitet er die Sonderstellung heraus, die der Schriftsteller Patrick Roth, 1953 in Deutschland geboren und seit 1975 in Los Angeles lebend, innerhalb der modernen Literatur innehat, indem Roth in seiner Romantrilogie „Resurrection“ in den einzelnen Teilen auf unterschiedliche Weise in seiner Christusgestalt auf biblische, tiefenpsychologische, filmische und literarisch-fiktive Gestaltungs- und Sprachmodi zurückgreift.

Kaiser behandelt in den drei Kapiteln ausführlich jeweils einen Teil der Trilogie: den Roman „Johnny Shines“, die Novelle „Riverside“ und den Roman „Corpus Christi“. Dabei wird deutlich, dass die Rothsche Christusfigur keine blutleere Transformation, kein Jesus incognito oder ein dem heutigen Säkularismus angepasster sozialer Utopist ist, sondern der in Wirklichkeit heilsgeschichtliche Gottessohn und Erlöser. So werden bei Roth auch immer Ganzheits- und Heilssehnsucht in seinen Figuren sichtbar – sei es bei dem Toten erweckenden Johnny Shines, dem aussätzigen Diastasimos in „Riverside“ oder dem ungläubigen Thomas in „Corpus Christi“. In ungewöhnlichen, teilweise provokanten Konstellationen versteht sich, wie sie Kaiser herausarbeitet, Roth nicht als ein Autor religiöser Bekenntnisliteratur. Mit seinen Texten fordert er vielmehr den Leser zur eigenen Antwortsuche heraus. Roth stellt die Theodizee-Frage neu. In seiner Dichtung arbeitet er autonom und ohne Rückendeckung, wenn er biblische Geschichten umerzählt, weitererzählt und gegenerzählt. Und die Art und Weise, wie er es tut, beunruhigt, denn er selbst liefert sich den Extremen des Denkens und der Imagination aus. Damit setzt er auch beim Leser eine ungeheure Dynamik frei. „Lies dir deine Welt aus diesem in sich radikal bewegten Weltentwurf zusammen. Nimm das von dir Zusammengelesene in deine individuelle Verantwortung“, so versteht Gerhard Kaiser den Appell an den Leser aus Roths Texten. Das „Einzigartige seiner dichterischen Verarbeitung christlicher Gehalte“ sieht Kaiser darin, dass „sie die religiöse Energie der rezipierten christlichen Vorstellungen und Motive (...) durch die literarische Neukonstellierung“ intensiviert.

Mit seiner Studie liefert Gerhard Kaiser einen bedeutenden Beitrag zur Rezeption dieses ungewöhnlichen Autors.