Agenten für das kulturelle Erbe

Das Studentische Kulturforum Bornewasser bereichert die politische Kultur an der Bonner Universität. Von Simon Kajan

Das politische Leben an deutschen Universitäten ist seit den „Achtundsechzigern“ weitgehend in der Hand der politischen Linken. Eine Gruppe um den Bonner Geschichtsstudenten Raphael Schlimbach setzte 50 Jahre danach einen Gegenakzent und gründete das Studentische Kulturforum Bornewasser als offizielle Hochschulgruppe.

Ganz bewusst sollte der Ablehnung christlicher Wurzeln im Namen von Freiheit und Toleranz entgegengetreten und dem Eindruck abgeholfen werden, die studentische Jugend sei gänzlich vom liberalen Hedonismus befallen oder einfach sprachlos gegenüber einer Einheitskultur, die von Individualismus und Konformismus gekennzeichnet ist.

Aus dem reichen Füllhorn diverser Subventionen wird denn ansonsten politisches Engagement für die „Ehe für alle“, Genderideologie oder „Entkriminalisierung des Schwangerschaftabbruchs“ finanziert, ausschlaggebend für die Gründung des Kulturforums war gar die gebührenfinanzierte Einladung einer ASTA-Gruppierung an den RAF-Terroristen Lutz Taufer.

Anstöße fand der Kreis in der „Pariser Erklärung“

Dennoch fanden die Initiatoren des Kulturforums nicht nur Akzeptanz vor, sondern vielmehr hatten die anderen linken und grünen Hochschulgruppen ihre Erwartung zum Ausdruck gebracht, dass sich endlich auch andere weltanschauliche Strömungen im „Schutzraum“ Universität zeigten. Kritisch resümierte denn bislang nur ein Jungsozialist: „Langweilig, da zu professionell“. Mit dem Trierer Erzbischof Rudolf Bornewasser, der vor seinem Theologiestudium in Bonn Jura studiert hatte, war auch ein Namensgeber unter den Alumni der Alma mater gefunden: Christlich und eben auch patriotisch akzentuiert will das Kulturforum Themen setzen und den Austausch auch über weltanschauliche Grenzen hinaus fördern.

Inspiration fand der Kreis um Schlimbach in den Anstößen der „Pariser Erklärung“ (Oktober 2017) von Remi Brague, Robert Spaemann, Matthias Storme und anderen, die unter anderem die politische Indoktrination des Bildungssystems feststellten, die Universitäten zu „Agenten der stattfindenden Zerstörung der Kultur“ gemacht hätten. Der beklagten landläufigen Passivität gegenüber der „Ignoranz gegen die wahren Quellen menschlicher Würde“, die auch in den politischen Forderungskatalogen der Kommilitonen zum Ausdruck kamen, wird nun in Bonn Abhilfe geschaffen. Es fanden sich schnell mehr als 20 Studentinnen zusammen, die Vorträge zu verschiedenen Themen organisierten. Sicherheitspolitik, Islam und Europa, aber auch Universitätsgeschichte standen im vergangenen Semester im Mittelpunkt. Mit diesem Semester rücken Lebensschutz und Ehe und Familie in den Mittelpunkt ihres Engagements.

Mit dem Kölner Weihbischof Dominik Schwaderlapp und Alexander Tschugguel von „Demo für alle“ konnten Referenten für christliches Eheverständnis und den Einsatz gegen Frühsexualisierung gefunden werden. Paul Cullen von der Initiative Ärzte für das Leben e.V. wird über pränatale Gentests und die Abtreibung behinderten Lebens referieren. Themen, die nicht nur in der studentischen Jugend, sondern gesellschaftlich vermintes Gelände darstellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Akzeptanz für derartiges Engagement auch an anderen Universitäten wächst und die Initiative Nachahmer findet.

Christliches Weltbild, Studentisches Engagement, Deutsche Kulturgeschichte. Das Sommerprogramm des Kulturforums Bornewasser.

Veranstaltungen im Hauptgebäude der Universität Bonn, Hörsaal 8, jeweils 20.00 Uhr st.

– 9. Mai 2019 Vortrag von Weihbischof Domenik Schwaderlapp über „Ehe und Liebe“.

– 16. Mai 2019 Vortrag von Alexander Tschugguel über die Arbeit der Initiative Demo für Alle.

– 18. Juni 2019 Vortrag von Felix Cassel unter dem Titel „Was ist deutsch? Mythen, Sagen und Märchen von 1800 bis heute“.