Zeugnis geben über Georg Häfner

Domkapitular Günter Putz bei der dritten Nacht der offenen Kirchen im Bistum Würzburg

Würzburg (DT) Die Nacht der offenen Kirchen – dieses Konzept, die Kirche und den christlichen Glauben den Menschen heute näher zu bringen, hat sich mittlerweile in größeren Städten und auch in den Sitzstädten der Diözesen in Deutschland etabliert. Gotteshäuser, in denen Musik, Licht, Andacht, Diskussionen und Begegnungen einladen, werden so auch für kulturinteressierte, aber der Kirche eher distanziert gegenüberstehende Menschen attraktiv. Die Nacht der offenen Kirchen in Würzburg ist ein Beispiel für dieses Konzept. Am vergangenen Freitag, 2. Oktober, waren katholische, evangelische und Kirchen anderer Konfessionen an 20 Orten Gastgeber.

Dass dabei auch schwierige Themen auf Interesse stoßen, und „harte Kost“ nicht unverdaulich sein muss, bewies beispielsweise die Kirche der Unbeschuhten Karmeliten in der Würzburger Innenstadt. Gemeinsam mit der Gemeinschaft Sant'Egidio gestalteten die Karmeliter ihr Gotteshaus als Märtyrer-Kirche. Der Abend startete mit einer Gebetswache zum Gedenken an die Märtyrer und Glaubenszeugen aller Konfessionen, die im 19., 20. und 21. Jahrhundert ihr Leben für das Evangelium hingegeben haben. Die Kirche war zu dieser Andacht sehr gut besucht, die Bankplätze weitestgehend besetzt.

Nach der Andacht gaben Seelsorger und Seelsorgerinnen Zeugnis ab von exemplarischen Märtyrern und Märtyrerinnen. Pfarrerin Angelika Wagner von der evangelisch-lutherischen Kirche berichtete über Pastor Paul Schneider, Pfarrer Vladimir Bayanov von der russisch orthodoxen Kirche über die Märtyrer im Kommunismus, Pater Ulrich Dobhan OCD stellte die Heilige Edith Stein in den Mittelpunkt und der Würzburger Domkapitular Günter Putz widmete sich dem Zeugnis über Pfarrer Georg Häfner, der im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau ums Leben kam und jetzt seliggesprochen wurde.

Für Domkapitular Putz sind Märtyrer wie Georg Häfner „Garanten der Anwesenheit Gottes in der Welt“. Der zu Tode gekommene Priester habe aus der „Spiritualität der Eucharistie“ und aus der Spiritualität eines Johannes von Kreuz („Die dunkle Nacht“) gelebt, wodurch er ein Leben lang im „Gefolge des Herrn“ unterwegs sein konnte. Und dies habe Häfner im Konzentrationslager, wo er sich unter anderem dafür einsetzte, dass die dort internierten Priester Messe feiern konnten, die Kraft gegeben, „Zeugnis für die Gegenwart Gottes in einer Welt ohne Gott zu geben“. Prälat Putz verlas als Zeugnis auch die letzten Briefe Häfners aus dem Konzentrationslager an Eltern und Nahestehende. Denn sie dokumentieren, so Putz, dass letztlich das Danken und das Überwinden von Feindschaft die Früchte eines solchen Zeugnisses von Gott mitten in der vermeintlichen – auch unserer Tage – Gotteswüste sind.

So hat mit Georg Häfner die „Nacht“, die er durchlebte, in der „Nacht“ der offenen Kirchen eine wortwörtliche Beglaubigung erhalten – auch für die, die in dieses Zeugnis nur mal „hineinschnuppern“ wollten, ein aufrüttelndes Erlebnis.

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