Zentrum im Dienst des ganzen Bistums

Bauprojekt am Limburger Domberg vor dem Abschluss – Diözesanes Zentrums St. Nikolaus demnächst bezugsfertig
Foto: IÖLMB | Die Baustelle am Limburger Dom ist bald Vergangenheit.
Foto: IÖLMB | Die Baustelle am Limburger Dom ist bald Vergangenheit.

Limburg (DT/IÖLMB) In Limburg am Domberg schreitet ein Bauprojekt mit Riesenschritten einem glücklichen Abschluss entgegen, mit dem einige seit Jahren dauernde Behelfslösungen in der Bischofsstadt beseitigt werden. Mit der bevorstehenden Fertigstellung des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus – Namensgeber ist einer der Bistumspatrone – wird ein Zustand erreicht, der in anderen Bistümern in Deutschland bisher schon immer die Regel war und ist: Die Einheit von Bischofssitz, Arbeitsplatz und Wohnung in der Nähe des Bischofsdomes. Den Beschluss zum Bau am Domberg hatte 2007 das damals amtierende Domkapitel gefasst, in einer Zeit, in der das Bistum Limburg noch auf die Berufung seines neuen Bischof wartete.

Schon im Namen wird deutlich, dass das Zentrum dem gesamten Bistum dient. Den weitaus größten Teil der Gebäude nehmen Konferenzräume, Empfangszimmer, ein Veranstaltungssaal im Tiefgeschoss, die Büros der Mitarbeiter, die Außenstelle der Domsakristei, in der wertvolle historische Paramente sachgerecht gelagert werden können, eine Hand- und Arbeitsbibliothek für die Mitarbeiter und den Bischof, Gästezimmer, die rund 60 Quadratmeter umfassende Kapelle sowie Technik- und ein paar Archiv- und Kellerräume ein. Im hinteren Bereich des Gebäudes steht eine, wie Architekt Michael Frielinghaus es nennt, Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung für den Bischof zur Verfügung: ein kombiniertes Ess- und Wohnzimmer neben der Küche und in der darunter liegenden Etage ein Schlafzimmer mit anschließendem Bad.

Bisher arbeiteten die Bischöfe von Limburg in Räumen im Ordinariat mitten in der Altstadt von Limburg. Dort ist durch Umbauten in der Vergangenheit die Raumaufteilung und -verfügbarkeit derart eingeschränkt, dass ein Arbeiten für den Bischof und die Mitarbeiter nur mit großen Einschränkungen möglich war. Grundlegend gewandelt hat sich auch die Situation rund um die derzeitige Wohnung des Bischofs: In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die drei Zimmer im Priesterseminar erstmals als Bischofswohnung genutzt wurden, herrschte im Seminar Lehrbetrieb. Das heißt: Es lebten und studierten dort nur Priesteramtsanwärter, die sich auf ihre künftige Tätigkeit vorbereiteten. Rund um die Wohnung, das Arbeitszimmer und die Kapelle im Seminar herrschte eine ruhige Studienatmosphäre. Fremde hatten zum Haus keinen Zutritt. Inzwischen hat sich das Seminar in einen Tagungs- und Veranstaltungsort mit regem Publikumsverkehr gewandelt. Ein ruhiges konzentriertes Arbeiten und ein vertraulicher Umgang mit Gästen, ist dort nicht mehr möglich. Ein Rückzug in eine Privatsphäre, die einen solchen Namen verdient, wird durch den ständigen Publikumsverkehr verhindert.

So ist es gut, dass das „Diözesane Zentrum St. Nikolaus“ demnächst bezugsfertig wird. Hier ist sichergestellt, dass die Mitarbeiter und der Bischof in beieinander liegenden Räumen, mit kurzen Wegen und einer vernünftigen Ausstattung an Sitzungsräumen und Technik noch effizienter arbeiten sowie Gäste zum Gespräch einladen und empfangen können.

Bis es soweit war galt es einige Hindernisse und unvorhersehbare Schwierigkeiten zu beseitigen: „Das Bistum hat sich mit dem Bau in unmittelbarer Nähe zur Kathedralkirche seiner kunstgeschichtlichen Verantwortung gestellt. Auf dem Domberg befindet sich die älteste Bebauung der Stadt Limburg. Das stellt uns vor die herausfordernde Aufgabe, Altes zu sanieren, zu restaurieren und mit Neuem zu verbinden“, erklärt Tilmann Staudt. Dies sei mit dem neuen Zentrum in Zusammenarbeit mit Architekten wie Michael Frielinghaus oder dem verstorbenen Professor Karljosef Schattner auf eindrucksvolle Weise gelungen. Nun könne die Geschichte des Ortes dort weitergeschrieben werden.

Diese Verbindung wird gut erkennbar, wenn man sich dem Gebäudeensemble aus der Altstadt auf der Domstraße nähert. Rechter Hand fällt zuerst das Dommuseum ins Auge, daran schließt sich – in Dachschräge und Materialfarbe an die Umgebungsbebauung angepasst – die spitz aufragende Kapelle an, auf die die historische Alte Vikarie folgt. Schaut man vom Domplatz die Straße hinunter, ist unschwer zu erkennen, dass die moderne Kapelle sich in First- und Traufhöhe an bestehende Gebäuden anlehnt und sich so in die gewohnte Blickachse der Altstadt einfügt.

Gewollt ist das Herausragen der Kapelle über die mittelalterliche Stadtmauer: „Das Bischofsamt, das heißt die Leitung eines Bistums, ist in erster Linie ein geistlicher Dienst“, erläutert Martin Wind, Kommissarischer Leiter der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums die grundlegenden Gedanken dieser Architektur. „Dieser hohe Anspruch wird nach außen auch in der Gestaltung des Bauwerks versinnbildlicht, nach innen bietet die Kapelle das Herzstück diese geistlichen Dienstes des Bischofs. In der Verbindung der reinen Verwaltungsbereiche mit den geistlichen Aspekten des Dienstes als Bischof trägt der neue Amtssitz zum geistlichen Profil in der Bischofsstadt bei und lässt bereits in der Architektur die Aufgaben eines Bischof erkennen“, so Wind.

Die Innengestaltung der Kapelle wurde, im Nachgang zu öffentlich ausgetragenen Diskussionen über Sinn und Zweck eines solchen Baus, von Menschen gestiftet, die die Entscheidung des Domkapitels zum Neubau tragen und einen Beitrag bei der Gestaltung des neuen Diözesan Zentrums leisten wollen.

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