Weit mehr als ein Event

Großes Jubiläumswochenende der Gebetsinitiative „Nightfever“ – „Gebet muss zu Caritas führen&ldquo. Von Franziska Strecker
Foto: KNA | Lichter, Stille und dann echte Begegnung: „Nightfever“ lockt stets viele, vor allem junge Menschen an.
Foto: KNA | Lichter, Stille und dann echte Begegnung: „Nightfever“ lockt stets viele, vor allem junge Menschen an.

Zu einem internationalen „Nightfever“-Jubiläumsweekend sind am vergangenen Wochenende rund 150 Helferinnen und Helfer aus acht Ländern in Bonn zusammengekommen. „Nightfever“ ist ein Gebetsabend von jungen Christen, der nach dem Weltjugendtag 2005 durch die Initiative zweier Theologiestudenten in Bonn entstand. Bei den „Nightfever“-Abenden laden die jungen Helferinnen und Helfer mit einer Kerze vorbeiziehende Passanten ein, für einen Moment in die Kirche zu kommen. Seit dem Beginn in Bonn vor zehn Jahren haben sich die offenen Gebetsabende in 27 Ländern verbreitet. Höhepunkt des Wochenendes bildete das große Jubiläums-„Nightfever“ am Samstagabend in St. Remigius. Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann, der zugleich Bischof von Speyer ist, würdigte die „Nightfever“-Initiative dabei als eine wunderbare Frucht des Weltjugendtages. „Es zeigt, dass der Weltjugendtag nicht nur ein Event war, sondern etwas Bleibendes hinterlassen hat: nämlich eine missionarische Ausstrahlung und eine geistliche Ausstrahlung“, so der Bischof. Damit berühre „Nightfever“ viele Menschen. Wiesemann weiter: „Es ist eine Bewegung geworden, die deutlich macht, dass die Kirche offen ist für die Menschen und dass die Kraft Gottes, die Gegenwart Gottes, wirken kann und Menschen verändern kann.“

Wie bei anderen „Nightfever“-Abenden blieb die Kirche St. Remigius bis Mitternacht gut gefüllt. Eigens aus der Schweiz war der dortige Jugendbischof Marian Eleganti OSB angereist, der das Team und alle Besucher während des „Nightfever“-Abends zu einem mitreißenden Glaubensgespräch einlud und am Sonntag mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des internationalen „Nightfever“-Jubiläumsweekends die Abschlussmesse feierte.

Das internationale „Nightfever“-Weekend stand im Zeichen der Barmherzigkeit, zu deren Erfahrung die Helferinnen und Helfer der „Nightfever“-Abende die Passanten immer wieder neu einladen möchten. Der Leiter und Mitinitiator von „Nightfever“, Pfarrer Andreas Süß, sprach vor den Teilnehmern zur Anbetung und Barmherzigkeit anlässlich des Auftaktes des von Papst Franziskus gewünschten Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Am Ende seines Vortrages lud er die Anwesenden ein, von ihren caritativen Projekten als „Nightfever“-Teams zu sprechen. Neben der generellen Einladung an Obdachlose zum Gespräch und Buffet durch die Aktiven während des „Nightfever“-Abends selbst, gibt es in vielen Städten auch Gefängnisbesuche oder ein Obdachlosen-Frühstück, wo die durch Gott empfangene Barmherzigkeit in der Anbetung direkt auch in der Tat für den Nächsten am Rande der Gesellschaft gelebt wird. So gehören für die Helferinnen und Helfer bei „Nightfever“ die Gottes- und Nächstenliebe unmittelbar zusammen. Erste praktische Erfahrungen konnten in einem Workshop gesammelt werden, wobei die Teilnehmer kleine Essenspakete an die Obdachlosen im „Bonner Loch“ verteilten, Gespräche führten und zum „Nightfever“-Abend einluden.

Den Zusammenhang von Gebet und Caritas zeigte auch Manfred Lütz in einem Vortrag auf. „Gebet muss zu Caritas führen“, so Lütz, der selbst Chefarzt einer Kölner Klinik und Buchautor ist.

Die weiteste Reise zum internationalen „Nightfever“-Wochenende hat Eric Falleiros Moura aus Brasilien auf sich genommen. Das erste „Nightfever“-Wochenende in Brasilien, das vom 2.–4. Oktober 2015 in Goiânia stattgefunden hat, hat ihn so begeistert, dass er nun auch in Deutschland dabei sein wollte. „Besonders in Bezug auf meinen Glauben hat mir das ,Nightfever‘ ein anderes Charisma, einen anderen Kontakt zu Gott ermöglicht. Und genau das führte mich dazu, von einem Kontinent zum Anderen zu fliegen, um hier in Europa ein bisschen mehr von unserem Glauben kennenzulernen und meinen Glauben zu vertiefen.“ „Nightfever“ ist für Eric Falleiros Moura mehr als sich hinzuknien: „Es ist das Lernen bestimmter Komponenten unseres Glaubens. Ich bin mir ganz sicher, dass das, was ich hier erlebe, für mich unvergesslich bleiben wird.“

Um allen ein unvergessliches Wochenende zu bereiten, hatte sich das Vorbereitungsteam rund um den großen „Nightfever“-Abend ein abwechslungsreiches Programm für seine Gäste aus aller Welt ausgedacht. In theoretischen und praktischen Workshops konnten sich die Teilnehmer mit Themen rund um Glauben, Barmherzigkeit und Nächstenliebe auseinandersetzen. Der Bonner Theologe Karl-Heinz Menke, Mitglied der internationalen Theologenkommission, sprach in einem Workshop über „Darf man wünschen, dass alle Menschen Christen werden? – Überlegungen zur Heilsuniversalität Jesu Christi“. Während des rheinischen Abends lud das Bonner Team zum geselligen Beisammensein und führte einen „Integrationskurs“ mit den vielen Gästen durch, die nicht aus dem Rheinland kamen. So wurde ihnen auf lustige Art und Weise das rheinische Grundgesetz näher gebracht.

Auch das nächste internationale „Nightfever“-Weekend steht schon fest. Für 2016 hat das Freiburger Team die Einladung ausgesprochen und alle „Nightfever“-Teams in die Stadt eingeladen, in der nach Bonn der zweite „Nightfever“-Abend statt-fand.

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