Verfolgte Christen im Iran

Pastor Abedini wegen Konversion in Haft. Von Robert Luchs

Er ist das bekannteste Gesicht der verfolgten Christen im Iran und ein Symbol für die Lage ehemaliger Muslime, die zum Christentum konvertierten: Pastor Saeed Abedini. Der 35-Jährige ist zurzeit nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in einer mit 80 Häftlingen vollgestopften Zelle eingesperrt, die nur für 20 Personen vorgesehen ist. Die fensterlose Zelle ist voller Unrat und Ratten. Abedinis Frau appellierte kürzlich an die Bundesregierung, die Minderheiten im Iran nicht zu vergessen.

Die IGFM rief die Bundesregierung dazu auf, ihren Einfluss zu nutzen und auf das Regime im Iran einzuwirken. „Deutschland und die EU dürfen über ihr Engagement bei den Nuklearverhandlungen die systematische Entrechtung der Iraner durch ihre eigene Regierung nicht vergessen. Das Zeitfenster für Verbesserungen bei den Menschenrechten wird sich schließen, wenn die Tinte unter dem Nukleardeal getrocknet ist. Die Zeit ist jetzt so günstig wie lange nicht“, erklärte der IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Pastor Abedini ist als „Vergeltung“ für seine Arbeit willkürlich verhaftet, misshandelt und gefoltert worden. Ärzte des Gefängnisses fordern seit über einem Jahr, dass Abedini wegen seines kritischen Zustandes nach den schweren Misshandlungen operiert werden muss, doch die Behörden verweigern ihm die notwendige Hilfe. Seine Peiniger geben ihm immer wieder zu verstehen, dass es nur einen einzigen Weg in die Freiheit gäbe: Saeed Abedini muss wieder Muslim werden.

Abedini und seine Frau sind im Iran als Muslime geboren. Sie wurden Christen, ließen sich taufen und durften unter dem früheren Präsidenten Khatami sogar legal kirchlich heiraten und ihre zwei Kinder als Christen registrieren lassen. Abedini achtete sehr darauf, dass seine Arbeit in der Gemeinde legal und in Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen stattfand. Der Wechsel kam mit Präsident Ahmadinedschad, der die Minderheitenpolitik radikal änderte. Drohungen, Einschüchterungen und Verhaftungen ehemaliger Muslime nahmen sprunghaft zu. Die Abedinis wanderten in die USA aus, erhielten die US-Staatsbürgerschaft und engagierten sich im Iran nur noch karitativ. Als der Pastor wieder einmal ein säkulares Waisenheim im Iran besuchte, wurde er verhaftet. Seit etwa drei Jahren dürfen ihn seine Frau und seine inzwischen sieben und acht Jahre alten Kinder nicht sehen.

Das islamische Revolutionsgericht in Teheran verurteilte Abedini 2013 wegen angeblicher „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ zu acht Jahren Haft. Dazu sagt Lessenthin: „Die Grundlage für die Verurteilung sind allein die nach wie vor völlig legalen Versammlungen in Privathäusern.“ Ehemalige Muslime müssten in ständiger Furcht leben: vor willkürlicher Gewalt durch Islamische Revolutionswächter, vor Denunziation und vor dem Verlust von Arbeits-, Ausbildungs- oder Studienplätzen. Das im Iran geltende islamische Recht verstößt mit Auspeitschungen, Amputationen, Steinigung und sogar Kreuzigung mehrfach gegen internationale Menschenrechtsverträge. „Allein die große internationale Aufmerksamkeit hat bisher verhindert, dass mehr christliche Konvertiten sterben mussten. Nur die Aufmerksamkeit der Welt hält diese Menschen am Leben“, erklärt die Menschenrechtsorganisation.

Themen & Autoren

Kirche