Unwort des Jahres gesucht

Bürger können noch Vorschläge abgeben

Frankfurt/Main (DT/dpa) Die Suche nach dem „Unwort des Jahres 2008“ hat begonnen. „Menschenrest“ für Schwerstpflegebedürftige, „Morbiditätszuschlag“ im Gesundheitsfonds, und „Rentnerdemokratie“, von der Ex-Bundespräsident Roman Herzog gesprochen habe, gehören zu 500 Beispielen, die schon vor dem offiziellen Start gesammelt wurden, berichtete der Frankfurter Germanist Professor Horst Dieter Schlosser am Donnerstag. Zum 18. Mal werden sprachliche Missgriffe gesucht, die im laufenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen.

Schlosser ist Initiator der sprachkritischen Aktion. Bis zum 9. Januar 2009 sind die Bürger aufgefordert, einzelne Wörter oder Formulierungen aus allen Bereichen wie etwa Politik, Verwaltung oder Medien vorzuschlagen. Auch die Quelle für die Äußerung sollte nach Möglichkeit angegeben werden. Unwortverdächtig sind nach Schlossers Angaben auch „intelligente Wirksysteme“ als Beschreibung für eine neuartige Artilleriemunition und „notleidende Kreditinstitute“. Die Entscheidung trifft eine unabhängige Jury.

Bis 1994 wurde das „Unwort des Jahres“ im Rahmen der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürt; nach einem Konflikt mit dem Vorstand dieser Gesellschaft 1993 um die Rüge der Formulierung „kollektiver Freizeitpark“ des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl hat sich die Jury als „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ selbstständig gemacht.

Im vergangenen Jahr war „Herdprämie“ zum Unwort des Jahres gewählt worden, nach „freiwillige Ausreise“ (2006) und „Entlassungsproduktivität“ (2005).

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