„Tickt Ihr noch richtig?“

Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit bezeichnet Umgang mit Religion im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als „unerträglich“
Foto: dpa | Erhielt empörte Anrufe aus ganz Deutschland: Klaus Wowereit (SPD).
Foto: dpa | Erhielt empörte Anrufe aus ganz Deutschland: Klaus Wowereit (SPD).

Berlin (DT/KNA) Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), hat den Kurs des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg gegenüber Religionsgemeinschaften scharf gerügt (siehe DT vom 10. September „Religion von der Straße verbannt“). Im Abgeordnetenhaus nannte er es am Donnerstag „unerträglich“, dass die Bezirksmedaille nicht mehr für ehrenamtliches Engagement in Kirchen verliehen werde. Dies hatte die Bezirksverordnetenversammlung im Februar mit den Stimmen von SPD, Grünen, Piraten und Linkspartei beschlossen. Bürgerschaftliches Engagement etwa bei der Caritas sei weit über die Kirche hinaus wichtig, betonte Wowereit in seiner Antwort auf eine Anfrage aus dem Parlament. Dies grundsätzlich aus den Verleihungskriterien zu streichen, zeige, „wes Geistes Kind dahintersteht“. Der Regierende Bürgermeister betonte zugleich, dass der Senat kein „Durchgriffsrecht“ in die Bezirke mehr habe. Die politische Verantwortung in solchen Fragen liege nun dort und müsse in der Bezirksverordnetenversammlung diskutiert werden. Wowereit äußerte sich auch zur Debatte um ein Verbot religiös motivierter Feste auf öffentlichen Flächen. Er begrüßte die Klarstellung von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne), dass religiöse Motive bei der Genehmigung solcher Feste keine Rolle spielten. „Es wäre sonst fatal und rechtswidrig“, sagte der Regierende Bürgermeister. Herrmann hatte eingeräumt, das Bezirksamt habe in einigen Fällen „irrtümlich“ mitgeteilt, religiöse Feste würden auf öffentlichen Flächen nicht mehr genehmigt. Dagegen hatten unter anderem die beiden großen Kirchen protestiert. Wowereit erklärte, er habe aus ganz Deutschland Anrufe erhalten mit der Frage, „ob wir noch richtig ticken“.

Themen & Autoren

Kirche

Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Papst in der Slowakei
Bratislava
In das reale Leben eintauchen Premium Inhalt
Die Pastoral muss kreativ begleiten und motivieren. In der Slowakei will die Kirche dafür den richtigen Weg finden. Papst Franziskus ermutigte bei seinem Besuch dazu. Ein Gastkommentar.
18.09.2021, 19 Uhr
Thomas Schumann