Syrien: „Bitte habt Mitleid!“

Karmelitinnen berichten aus dem umkämpften Aleppo

Aleppo (DT/KiN) „Die Meldungen über Zerstörungen und vermeintliche Eroberungen sind widersprüchlich. Die einzige Wahrheit ist: Tag für Tag leiden und sterben hier Menschen.“ Das berichtet die Oberin der Unbeschuhten Karmelitinnen in Aleppo, Schwester Anne-Françoise, in einem dramatischen Bericht an das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“. Seit Wochen toben erneut schwere Kämpfe zwischen Regierungs- und Oppositionstruppen um die nordsyrische Stadt.

Das Kloster der Karmelitinnen liegt am Stadtrand. „Die Armee versucht, die Rebellentruppen am Nachrücken zu hindern. Die Kämpfe sind ganz nah bei uns. Wir hören ständig die Granaten über unseren Köpfen. Gott sei Dank wurden wir bislang noch nicht getroffen“, berichtet die Oberin. Die sechs Ordensfrauen haben mehrere Flüchtlingsfamilien im Kloster aufgenommen. Daneben versuchen sie, auch andere Familien zu unterstützen. „Wir haben kein Wasser, keinen Strom und tagtäglich wird gekämpft. Wer hält es unter diesen Umständen aus? Nur die Ärmsten bleiben.“ Auch sie und ihre Mitschwestern lebten in Angst, aber eine Flucht käme für sie nicht in Frage: „Wir können die Menschen in ihrem unsäglichen Leid nicht alleinlassen. Unsere Gegenwart ist wichtig für sie. Wir beziehen Kraft und Mut aus dem Gebet.“

Nachdem alle diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Syrienkrieges gescheitert seien, befürchtet die Ordensfrau das Aus für die christliche Präsenz in der Region. Erhebungen von „Kirche in Not“ zufolge leben noch rund 40 000 Christen in Aleppo – zu Beginn des Syrienkriegs waren es 160 000. „Aleppo war einst das Symbol des Christentums in Syrien. Wenn der Krieg und der islamistische Terror so weitergehen, werden immer mehr Christen den Nahen Osten verlassen. Aber auch für die Menschen, die geflohen sind, geht das Drama weiter: Sie fühlen sich entwurzelt“, so Schwester Anne-Françoise. Darum sei es ihr und den Mitschwestern ein dringendes Anliegen, an „alle Christen dieser Welt“ zu appellieren: „Bitte habt Mitleid mit den Tausenden von Familien, die durch den Krieg auseinandergerissen werden. Bitte vergesst uns nicht. Wir brauchen eure Gebete und eure praktische Hilfe!“

„Kirche in Not“ hat seit Beginn des Kriegs im Jahr 2011 über 13 Millionen Euro für Syrien bereitgestellt. Das Hilfswerk fördert die Verteilung von Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten. Hinzu kommen Wohnhilfen, damit die Menschen ihren Alltag bewältigen können. „Kirche in Not“ unterstützt auch Schulen und Kindergärten, um Kindern und Jugendlichen Bildung auch in Zeiten des Krieges zu ermöglichen.

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