Streit um ein Monopol im Vatikan dauert an

Fliegende Händler protestieren gegen Verweis vom Petersplatz

Vatikanstadt (DT/KNA) Im Streit um die fliegenden Händler vom Petersplatz gibt es wieder ein Hoffnungssignal für die Betroffenen. Mit einer Demonstration hatten die elf zumeist jüdischen Gewerbetreibenden samt Familien am Samstag gegen ihren Verweis aus dem Vatikan protestiert. Trotz Verbot und trotz „Sabbat“ betraten sie mit ihren Bauchläden den großen Vatikan-Platz und forderten, ihre gewohnte Arbeit weiter verrichten zu können.

In einem Schreiben vom 8. Dezember hatte der Vatikan die bisherige „Duldung“ der Verkäufer von Rosenkränzen, Medaillen und Ansichtskarten aufgehoben. Seit Jahresbeginn versucht die für den Vatikan zuständige italienische Polizei das Verbot durchzusetzen. Nun hat sie den Protestierern aber Vermittlung angeboten. Der Verweis der fliegenden Händler vom Petersplatz hatte in den vergangenen Tagen zu skurrilen Verkaufsmethoden geführt. So verlegten sie die Arbeit in einen gerade einen Meter breiten Streifen hinter der Metallabsperrung, die den Petersplatz vom Staat Italien trennt. Sie hielten ihre Ware praktisch im fließenden Verkehr feil, stets unter den Augen der Polizei.

Eine ungeliebte Konkurrenz für die gutsortierten Geschäfte

Der Vatikan begründete sein Vorgehen gegen die elf traditionellen Kleinverkäufer mit Sicherheitsgründen. Die Bauchladenhändler, wegen ihres bisweilen ruppigen Auftretens „urtisti“ („Rempler“) genannt, behinderten die Besucherströme an den Zugängen des Petersplatzes. Außerdem waren sie den gutsortierten und florierenden Geschäften rings um den Vatikan stets eine ungeliebte Konkurrenz. Juristische Handhabe bot ein generelles Verkaufsverbot von 1929, dem Gründungsjahr des Vatikanstaats. „Daher ist die Arbeit der Händler illegal“, erklärte der Vizesekretär des Vatikan-Governatorats, Giorgio Corbellini.

Die Händler, die sich auf altes Gewohnheitsrecht berufen und ihr Familienmonopol von Generation zu Generation weitergaben, sehen sich als Opfer einer Salamitaktik, mit der sie über Jahre Schritt für Schritt aus ihrem Revier gedrängt worden seien. Der 66-jährige Salvatore Zalfati war neun Jahre alt, als er mit seinem Vater am Eingang des Petersdoms stand und Rosenkränze verkaufte. „Später durften wir nur noch an den unteren Stufen des Eingangs arbeiten, dann am Obelisken. Seit etwa zwanzig Jahren hat uns der Vatikan den zur Straße gelegenen, hinteren Teil des Petersplatzes zugewiesen“, sagt Zalfati. Schon in den achtziger Jahren, so Zalfati, habe das Governatorat deutlich gemacht, dass die gewohnheitsmäßige Duldung der Familienbetriebe nicht auf die Nachkommen der aktuellen Händler übergehe.

Eine Lösung im Dialog mit der Kommune Rom finden

Leone Paserman, Präsident der jüdischen Römer, sprang für seine Gemeindemitglieder persönlich in die Bresche und bat Governatorats-Chef Kardinal Giovanni Lajolo in einem auf den Weihnachtstag datierten Brief um Einlenken: wenigstens sieben Verkaufslizenzen solle der Vatikan ausgeben. Paserman appellierte an die moralische Verantwortung des Kirchenmanns für die Familienväter, die teilweise seit einem halben Jahrhundert ihrer Tätigkeit nachgingen.

Aus dem Vatikan kam eine abschlägige Antwort. Lajolo habe die Situation persönlich geprüft und menschliche Motive in Rechnung gezogen, hieß es in einem Brief vom 4. Januar. Er sehe aber „in keiner Weise die Möglichkeit, eine positive Antwort auf Ihre Anfrage zu geben“. Man empfehle den Betroffenen, eine Lösung „im Dialog mit der Kommune Rom und den zuständigen Stellen“ zu finden – das heißt: außerhalb der Vatikangrenzen. Das ist jetzt auch die Hoffnung der Verkäufer.

Der Protest endete am Samstagmittag, nachdem das Polizei-Inspektorat einen unbürokratischen Kontakt mit der römischen Stadtverwaltung und letztlich mit Bürgermeister Walter Veltroni für die nächsten Tage ankündigte. Die Lösung könnte darin bestehen, dass die Händler eine Lizenz für die unmittelbar an den Petersplatz angrenzende Piazza Pio XII. erhalten. Und dafür ist die Stadt Rom zuständig.

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