Seniorengerechte Ausstattung

Sozialverbände: Kulturangebot stärker an Älteren orientieren

Nürnberg (DT/dpa) Die Angebote von Theatern, Kinos, Museen und Konzertveranstaltern sind nach Erkenntnissen bayerischer Sozialverbände zu wenig an den Bedürfnissen älterer Menschen ausgerichtet. Von vielen Veranstaltungen blieben Senioren wegen ihrer eingeschränkten Mobilität ausgeschlossen, manche Programme seien für Rentner zudem zu teuer, kritisierten die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege und der Verband der bayerischen Bezirke am Donnerstag in Nürnberg bei einer Tagung zum Thema „Alter und Kultur“.

In vielen Theatern und Museen fehle es an einer seniorengerechten Ausstattung. Als Beispiel nannte die Altersforscherin und frühere Bundesfamilienministerin Ursula Lehr die häufig geringe Sensibilität für die Bedürfnisse älterer Ausstellungsbesucher. Oft seien es Kleinigkeiten, die Senioren am Besuch der Häuser hinderten. „An den Treppenaufgängen fehlen Geländer, in den Ausstellungssälen oftmals Sitzgelegenheiten. Und wenn es sie doch gibt, dann sind sie oft so niedrig, dass Senioren aus Sorge, nicht mehr ohne fremde Hilfe hochzukommen, sie nicht benutzen“, kritisierte Lehr.

Nach Lehrs Ansicht kommen Kulturanbieter angesichts des rasant wachsenden Anteils älterer Menschen nicht darum herum, sich auf die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe einzustellen. Andernfalls drohe ihnen ein Besucherrückgang. Sozialverbände und die bayerischen Bezirke fordern aus diesem Grund in einem Positionspapier dazu auf, bei der baulichen Ausstattung kultureller Einrichtungen stärker an ältere Besucher zu denken. Auch müssten gezielt Angebote für Ältere unterbreitet werden.

So gebe es bereits Kinos, die in ihren Nachmittagsprogrammen Filme aus den 60er und 70er Jahren zeigten. Auch am Staatstheater Nürnberg gebe es gelegentlich Nachmittagsvorstellungen speziell für Ältere. Angesichts der zunehmenden Altersarmut dürften aber kulturelle Angebote nicht zu teuer sein.

Der Präsident der bayerischen Bezirke, Manfred Hölzlein (CSU), sieht angesichts der Finanzkrise der öffentlichen Hand in einer stärkeren Integration älterer Menschen in die aktive Kulturarbeit auch eine Chance.

„Kultur und Alter, das ist aus meiner Sicht ein Geben und Nehmen. Wir als Bezirke sind bereit, uns stärker für eine altersgerechte Kultur einzusetzen. Aber gerade jüngere und noch rüstige Senioren sollten sich auch in die Kulturarbeit einbringen“, gab der Politiker zu bedenken. Mancherorts engagierten sie sich bereits als Stadtführer. Aber auch andere Engagements im Kulturbereich seien denkbar und sollten stärker gefördert werden.

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