Kapstadt/Südafrika

Realität und Hoffnung

Pfarrer Stefan Hippler: Ein deutscher Priester, der den Menschen Südafrikas Mut macht.

Corona-Krise in Kapstadt
Bei HOPE engagieren sich Menschen, die mit anderen ein Stück des Weges gehen, Leben teilen, voneinander lernen und ihre Fähigkeiten einbringen. Foto: HOPE

Es ist keine einfache Zeit, die die meisten von uns gerade durchleben. Das Corona-Virus hat die Welt im Griff, kein Land auf der Erde bleibt von seinen Auswirkungen verschont. Und doch gibt es Stimmen, die der Pandemie auch Positives entgegenbringen: Nämlich mehr Solidarität und Nächstenliebe. Das betrifft nicht nur ältere Menschen in Pflegeheimen, die ganz unerwartet Post von lieben Mitmenschen bekommen, sondern auch Kinder, denen neue Spiele übers Internet vorgestellt werden oder Vierbeiner, die sich auf einmal über eine Vielzahl an Gassi-Gehern wundern. Doch wie sieht es auf den anderen Kontinenten aus? Wie gehen dort die Menschen miteinander um und wie hat die Notlage ihr Leben geprägt? Ein Beispiel aus Südafrika.

Stefan Hippler, Priester des Bistums Trier, lebt seit 1997 in Südafrika. Damals wurde er für die Zeit von zwölf Jahren von der katholischen Bischofskonferenz für die deutschsprachige katholische Gemeinde in Kapstadt entsandt. Sein Traum war es, vor Ort bleiben zu können. Seit 2009 trägt der gebürtige Bitburger den Titel „Priester mit Bleibestatus“. 2001 gründete Hippler die HOPE Cape Town Association als gemeinnützige Hilfsorganisation, später den HOPE Cape Town Trust als südafrikanische Stiftung, die HOPE Kapstadt Stiftung und zuletzt HOPE Cape Town USA als gemeinnützigen Verein mit Sitz im texanischen Dallas.

Solidarität zwischen Kontinenten

Damit schuf er eine Verbindung zwischen Südafrika, Deutschland und den USA. „Gerade während der Corona-Krise ist Solidarität zwischen Kontinenten sehr wertvoll. Wir verstehen uns nicht als Hilfsorganisation per se, sondern als Menschen, die mit anderen ein Stück des Weges gehen, Leben teilen, voneinander lernen und unsere Fähigkeiten einbringen“, betont der katholische Pfarrer. „In der heutigen Zeit mit einer sehr strengen Ausgangssperre sind die Menschen auf Hilfe angewiesen. Es gibt einfach nicht genug zu essen.“

„Und wenn am Wochenende ein Priester gebraucht wird, helfe ich gerne in den Pfarreien aus.“ Pfarrer Stefan Hippler

Daher sorgt HOPE Cape Town täglich mit Hilfe von Freiwilligen, dass Hunderte von Kindern Frühstück, ein warmes Mittagessen und Hygieneartikel erhalten. Darüber hinaus unterstützt die deutschsprachige katholische Gemeinde am Kap weitere Sozialprojekte. Doch nicht nur jetzt erlebt Pfarrer Hippler gelebte Nächstenliebe: „Die Kinder der Deutschen Internationalen Schule ließen sich zur letzten Weihnachtsfeier Namen und Alter unserer betreuten Kinder geben und bastelten für jedes von ihnen eine Geschenkbox.“

Hoffnung für die Vergessenen

Doch auch von Partner-Schulklassen aus Dresden kamen selbstgemalte Bilder für die Kinder von Blikkiesdorp, einem Armenviertel unweit des Flughafens von Kapstadt. „In den Vororten Delft und Blikkiesdorp haben wir zum Beispiel ein Containerdorf, von wo aus die verschiedensten Aktivitäten ausgehen, angefangen von Gesundheitsvorsorge, einer wöchentlichen Suppenküche, Gemeindearbeit, Vorbereitungsklassen für Kinder, die eigentlich bereits in die Schule gehen müssten, Hausaufgabenhilfe und Beratungen für all die vielen komplizierten Lebensnöte vor Ort“, erklärt Hippler.

„Die Menschen dort sind zumeist arbeitslos, brotlos im wahrsten Sinne des Wortes. Es sind die Vergessenen der Gesellschaft.“ Die Bewohner der Armenviertel merken, dass Menschen auf anderen Kontinenten ihre Nöte sehen und wahrnehmen. Wie der junge Künstler Kay Leo Leonard aus Dresden, der während seines Urlaubes mit den Kindern von Blikkiesdorp eine Wand des Lerncontainers gestaltete und anmalte. „Das machte allen eine große Freude, und die Jugendlichen haben etwas von bleibendem emotionalem Wert“, ergänzt Hippler.

Herz zeigen und Mut machen

Für den deutschen Priester sind es Aktionen wie diese, die Herz zeigen und Mut machen. Wenn interessierte Politiker, wie Dr. Florian Hermann von der Bayerischen Staatskanzlei oder die frühere Bildungsministerin Annette Schavan kommen, will er ihnen die Realität im Viertel zeigen und nicht nur die Fassade. „Ich möchte, dass sie den Alltag sehen, den in den staubigen Straßen und in den Wellblechhütten. Und auch erkennen, wie es ist, in stickigen, nicht klimatisierten Containern zu lernen.“

„Viele unserer Unterstützer aus Deutschland sind bei ihrer Reise nach Südafrika auch in Blikkiesdorp zu Besuch gewesen. Wir haben kein Empfangskomitee. Sie kommen einfach mit den Mitarbeitern – und wir haben immer Wert darauf gelegt, dass es um die Begegnung mit den Menschen vor Ort geht – und nicht nur um eine Ablieferung von Hilfsgütern. Mitgebrachtes wird grundsätzlich nicht direkt weitergegeben – also kein klassischer ,Reiches Europa bringt Gaben zu armen Afrikanern‘-Ansatz. Denn Solidarität soll aus Gesprächen und Erfahrungen wachsen“, betont Hippler.

„Und wenn aus den Besuchen tatsächlich Unterstützung erwächst, dann ist es gut, dann macht es Sinn – und so helfen kleine und große Spendenbeträge unserer Arbeit in Delft sowie Blikkiesdorp und speziell nun auch dem Corona-Notprogramm. Das Team um HOPE Cape Town verdeutlicht dabei nur Hände und Füße der Solidarität von vielen Menschen, die um die Geschwisterlichkeit unserer Existenzen wissen und das durch Spenden, durch Anrufe, durch Gebete sowie durch kleine Aktionen zuhause zum Ausdruck bringen.“

Schon einmal gegen eine Pandemie gekämpft

Als Vorstandsvorsitzender des Vereins HOPE Cape Town hat der Rheinland-Pfälzer unter der Woche viel zu tun: Organisieren, planen, delegieren. Er erinnert sich an die Anfänge, wo er schon einmal gegen eine Pandemie gekämpft hat: In Südafrika sind rund 7,3 Millionen Menschen an HIV/Aids erkrankt. Gesundheitsaufklärung und -vorsorge sind nicht das Einzige, wofür der Verein steht: „Gezielte Armutsbekämpfung, frühkindliche Entwicklung, Unterstützung von Jugendlichen und ab dem Jahr 2021 auch das Herantasten an das duale Ausbildungsmodul nach deutschem Vorbild.“ Mit viel Ehrgeiz werden diese Bereiche nun ausgebaut und unterstützt.

Stolz ist er auf die mittlerweile 39 Beschäftigten des Vereins. Darunter sind drei Ärzte, Krankenschwestern, Sozialarbeiter, eine Ergotherapeutin und sogenannte HOPE-Gesundheitsarbeiter, die in den kleinen Kliniken der Vororte tätig sind.

„Und wenn am Wochenende ein Priester gebraucht wird, helfe ich gerne in den Pfarreien aus“, schmunzelt er. Bei soviel Schaffenskraft und Elan glauben ihm die Besucher das aufs Wort.

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